Die neue Führungsspitze von Deutschlands größter Bank hat einen schlechten Start hingelegt. Das Gespann aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen als Chefs der
Deutschen Bank haben die Märkte enttäuscht - der Gewinn brach im zweiten Quartal deutlich stärker ein als von Analysten befürchtet. Auf den Gewinn drückten auch höhere Aufwendungen wegen des schwächeren Euro.
Nach Steuern verdiente der deutsche Branchenprimus in den drei Monaten lediglich 700 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 1,2 Milliarden Euro gewesen. Von Dow Jones Newswires befragte Analysten hatten mit 1 Milliarde Euro deutlich mehr erwartet.
Trotz des niedrigeren Gewinns will das Bankhaus weiterhin das gesteckte Ziel bei der harten Kernkapitalquote nach Basel III erreichen. Zum 1. Januar 2013 soll die Quote bei 7,2 Prozent liegen. Dies soll durch zusätzliche Maßnahmen zum Risikoabbau erreicht werden.
Im April hatte das Bankhaus in einer Basel-III-Simulation basierend auf Analystenschätzungen vorgerechnet, dass man in den Quartalen zwei bis vier je eine Milliarde Euro Nettogewinn nach Dividendenzahlungen dem Unternehmen zuführen wolle. Damit sollte die Zielgröße bei der harten Kernkapitalquote erreicht werden. Da sich der Gewinn im zweiten Quartal aber nur auf 700 Millionen Euro beläuft, ergibt sich theroretisch zu den Anlystenschätzungen in der Simulation eine Lücke von 300 Millionen Euro. Der zusätzliche Abbau von Risiken soll dies kompensieren. Wie weitere Risiken abgebaut werden sollen, ließ das Bankhaus offen.
Wie die Bank weiter mitteilte, sieht es im zweiten Quartal auch bei den Erträgen nicht sonderlich gut aus. Mit rund 8,0 Milliarden Euro liegen sie um 0,5 Milliarden Euro unter dem Vorjahr. Die zinsunabhängigen Aufwendungen lagen mit 6,6 Milliarden Euro rund 0,3 Milliarden Euro über dem Vorjahr. Den Anstieg erklärt das Bankhaus damit, dass sich die in US-Dollar und Britischen Pfund anfallenden Kosten der Bank aufgrund des schwächeren Euros umrechnungsbedingt erhöhten. Besser lief es bei der Risikovorsorge, sie lag mit rund 400 Millionen Euro 64 Millionen Euro unter 2011.
"Der Gewinn ist schwach ausgefallen", sagte ein Händler in einer ersten Reaktion. Kurz nach Veröffentlichung der Zahlen stiegen die Aktien des Geldhauses an der Frankfurter Börse zunächst um bis zu 2,5 Prozent, fielen dann aber recht schnell wieder. Den Xetra-Handel beendeten sie dann sogar mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 23,47 Euro, im Frankfurter Spezialistenhandel verliert die Aktie später noch deutlicher an Wert.
Die Ergebnisse zeigen, dass auch die Deutsche Bank von der Finanz- und Schuldenkrise belastet wird. Wie Dow Jones Newswires schon zuvor berichtet hatte, will die Bank im Investmentbanking 900 bis 1.000 zusätzliche Stellen abbauen. Hintergrund der Schrumpfkur ist ein schwächeres Marktumfeld.
Die Schwankungen an den Finanzmärkten führten unter anderem zu einer Dürre bei Börsengängen, auch sind Firmenlenker vorsichtiger bei Fusionen und Übernahmen (M&A). Das weltweite M&A-Volumen fiel im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 1,1 Billiarden Dollar laut Daten von Thomson Reuters. Das globale IPO-Volumen halbierte sich im gleichen Zeitraum dem Datenanbieter Dealogic zufolge auf 59,9 Milliarden Dollar.
Den vollständigen Zwischenbericht zum zweiten Quartal 2012 legt das Unternehmen am 31. Juli 2012 vor.
Alexandra Edinger Dow Jones Newswires
Platz 18: UniCredit
Die Großbank UniCredit musste im zweiten Quartal 2012 einen deutlichen Gewinnrückgang ausweisen. Die Gesamteinnahmen lagen mit 6,25 Mrd. Euro unter dem Vorjahreswert von 6,45 Mrd. Euro. Angesichts einer deutlich höheren Risikovorsorge im Kreditgeschäft brach der operative Gewinn auf 592 Mio. Euro ein, nach 1,35 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Unter dem Strich wies die Bank beim Nettoergebnis einen Rückgang auf 169 Mio. Euro aus, nach 511 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum.