aktualisiert: 06.12.2012 19:59
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Trendwende für Europas Banken: Was Anleger erwarten dürfen

Europäische Bankaktien: Trendwende für Europas Banken: Was Anleger erwarten dürfen | Nachricht | finanzen.net
Europäische Bankaktien
Seit Sommer ziehen die Kurse der geschundenen Bankentitel kräftig an, die Situation an den Finanzmärkten entspannt sich. Risiken gibt es zwar nach wie vor — inzwischen aber auch für all jene Anleger, die kaum oder gar nicht in Banken investiert sind.
€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Euroschuldenkrise paradox: Von der Einigung der Europäer auf weitere Finanzhilfen für Griechenland in der Nacht zum Dienstag profitierten zwar viele Bankenwerte. Doch ausgerechnet die Commerzbank setzte sich an die Spitze des DAX — also die Bank, die ihren Bestand an Griechenland-Anleihen längst komplett abgebaut hat.

„Allein die Tatsache, dass Griechenland wieder gestützt wird, hilft den Werten“, versuchte ein Händler die Situation zu erklären. „Das sind gute Nachrichten auch für Banken wie die Commerzbank, die noch etliche Papiere aus Italien oder Spanien in ihren Depots liegen haben.“ Wenige Stunden später kehrte schon wieder Ernüchterung ein, und die Kursgewinne schmolzen dahin.

Trendwende am Kapitalmarkt
Der Vorgang zeigt: Finanztitel reagieren nach wie vor hochsensibel auf politische Nachrichten zur Euroschuldenkrise. Doch unabhängig davon hat sich die Lage der Banken im Euroraum seit dem Sommer deutlich verbessert, viele Beobachter sprechen bereits von einer grund­legenden Trendwende. Grund: Banken können sich günstiger refinanzieren, müssen immer weniger Liquidität bei der Europäischen Zentralbank aufnehmen, haben wieder mehr Vertrauen zueinander. Ein Ende der Eiszeit an den Finanzmärkten zeichnet sich ab.

Am deutlichsten zeigt sich das an den Credit Spreads, den Zinsaufschlägen auf Bankanleihen, die seit Juli stark zurückgegangen sind. Die Prämien also, die ein Investor bezahlen muss, um sich gegen einen Ausfall des Schuldners abzusichern, haben sich praktisch halbiert. Heißt im Umkehrschluss: Die Bonität der Banken nimmt zu. Dazu beigetragen haben vor allem die Stabilisierungsmaßnahmen der Europäischen Zent­ralbank (EZB), also die beiden Billionen-Tender zu Jahresbeginn, und die Anleihekäufe, aber auch die Erklärung von EZB-Präsident Mario Draghi, der Euro werde auf jeden Fall gerettet.

Staatspleiten und damit hohe Abschreibungen auf Staatsanleihen sind unwahrscheinlicher geworden. Und sollten dennoch Schwierigkeiten auftreten, steht der europäische Rettungsschirm ESM zur Refinanzierung bereit.

Wer bislang Bankaktien gemieden oder kaum in sie investiert hat, für den könnten einige Titel jetzt wieder interessant werden — auch weil viele Werte trotz teils deutlicher Kurszuwächse noch immer günstig bewertet sind. So notiert etwa die Deutsche Bank nur gut zur Hälfte ihres Buchwerts.

Dennoch trauen viele Anleger dem Braten nicht. Gerade unter professionellen Investoren gibt es zahlreiche Skeptiker, denen die Rückschläge der Finanzkrise noch in den Knochen stecken. Möglicherweise ist aber gerade das der Fehler, den momentan viele begehen. Dirk ­Becker von Kepler Capital Markets bringt das so auf den Punkt: „Die Risiken steigen jetzt für den, der 2013 nicht in Banken investiert ist.“

So haben die Kurse von Finanz­titeln seit diesem Sommer deutlich angezogen. Die Papiere von Aareal Bank legten um 40 Prozent, die der Deutschen Bank um 50 Prozent zu. Noch dynamischer erholen sich die französischen Häuser: Die Notierung von BNP Paribas stieg seit Juli um 66 Prozent, die der Société Générale sogar um 75 Prozent.

Hier schlägt der Erholungseffekt auch deshalb so stark durch, weil diese Banken wegen ihres Engagements in Südeuropa am stärksten von der Krise betroffen waren — und sie gleichzeitig als ausgezeichnet ­positioniert und komfortabel mit ­Kapital ausgestattet gelten.

Vorsicht geboten ist dagegen bei spanischen Instituten wie Banco Santander, deren Staatsanleihenportfolio aus Eurokrisenländern immerhin noch 57 Milliarden Euro umfasst (siehe Grafik). Die spanische Wirtschaft steckt nach wie vor in gravierenden Schwierigkeiten, die Immobilienkrise ist nicht gelöst, und die Finanzinstitute haben auch nach den jüngsten Hilfszusagen weiterhin hohen Rekapitalisierungsbedarf. Also Finger weg.

Renditen bleiben mager
Für Mutige bietet sich dagegen die italienische Intesa Sanpaolo an, die sehr stark unter der Italien-Angst gelitten hat. „Das Haus ist gut gemanagt, hat ein exzellentes Geschäftsmodell, expandiert erfolgreich nach Osteuropa und hat eine der höchsten Kapitalquoten. Deshalb behauptet sich dieses Institut auch gut im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld Italiens“, meint beispielsweise Kepler-Experte Becker.

Ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld wird den europäischen Banken ohnehin noch eine Weile erhalten bleiben — und auf die Gewinne der Häuser drücken. Die Sanierung der Staatshaushalte belastet die Konjunktur, was die Erträge aus Krediten schmälert und auch höhere Kreditausfallraten zur Folge hat. Nach Berechnungen von Aktienstrategen werden die Eurobanken in diesem Jahr eine Eigenkapitalrendite von durchschnittlich gerade mal vier Prozent erreichen.

Sollte sich die Entspannung fortsetzen, könnten mittelfristig wieder sieben bis zehn Prozent erzielt werden. Zum Vergleich: Vor der Finanzkrise lag die Rendite bei 18 Prozent. Diese Zeiten sind aber endgültig passé.

Das liegt auch an den verschärften Eigenkapitalvorgaben (Basel-III-Regeln), die im Gegenzug dazu geführt haben, dass sich die Kapitalausstattung der Häuser deutlich verbessert hat und Schieflagen unwahrscheinlicher geworden sind.

Derzeit wächst die Zahl derjenigen, die davor warnen, durch Überregulierung das Finanzsystem erneut zu destabilisieren. So haben die USA die Umsetzung der Basel-III-Regeln bereits auf Eis gelegt. Und auch in Europa wird der ursprüngliche Zeitplan zum 1. Januar 2013 immer unwahrscheinlicher. Gleichzeitig werden immer neue Einschränkungen diskutiert. „Wenn Basel III in den USA verschoben oder ganz aufgegeben wird, ist das für das Finanzsystem hoch gefährlich, weil es dann wieder keine einheitliche Regulierung gibt und es zu Wettbewerbs­verzerrungen kommt“, sagt Aareal-Bank-Vorstandschef Wolf Schumacher, der sich angesichts immer neuer Regeln für ein Regulierungs-Moratorium bis 2015 einsetzt. „Wir haben angesichts immer neuer Regeln doch keine Chance, überhaupt noch festzustellen, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Und wir brauchen endlich Klarheit, wann die Basel-III-Regeln eingeführt werden“, sagt Schumacher.

Ähnlich zäh verläuft der Aufbau einer europäischen Bankenaufsicht, von der noch immer nicht klar ist, wann sie kommt und wie sie aussehen soll.

Probleme wie diese werden neben den Konjunkturrisiken dazu beitragen, dass Finanztitel auf absehbare Zeit unberechenbar bleiben. Dass ­einige Häuser fundamental viel Potenzial haben, ist aber ebenso un­bestritten. Einigen Investoren erscheint selbst die Commerzbank schon wieder attraktiv.

Investor-Info

BNP Paribas
Strenges Kostenmanagement
Der Top-Bankentitel aus Frankreich gilt als mustergültig aufgestellte Universalbank mit stabiler Privatkundensparte. Hat mit guten Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen und fährt bereits seit längerer Zeit seine umfangreichen Engagements in den europäischen Krisenländern konsequent zurück. Hinzu kommt strenges Kostenmanagement. Zudem solide kapitalisiert. Unser Favorit.
ISIN: FR0000131104

Aareal Bank
Ohne Verluste durch die Krise
Der gewerbliche Immobilienfinanzierer aus Wies­baden ist die graue Maus der Szene. Das Institut ist ohne Verluste durch die Finanzkrise gekommen und solide kapitalisiert. Erfüllt bereits jetzt die Basel-III-Vorgaben. Kann außerdem vom Wegfall prominenter Wettbewerber wie der Commerzbank-Tochter Eurohypo und der Westimmo profitieren. Relativ marktenger Titel. Relativ defensive Bankaktie.
ISIN: DE0005408116

Deutsche Bank
Tragfähiges Geschäftsmodell Auch wenn die Deutsche Bank noch haufenweise Baustellen etwa in der Vermögensverwaltung hat und sich mit zahlreichen Rechtsstreitereien herumschlägt: Das Institut verfügt über ein tragfähiges Geschäftsmodell, ist stark unterbewertet und kann gerade mit seiner Investmentbankingsparte von einer Erholung der Finanzmärkte und steigender Liquidität besonders profitieren. Spekulativer Kauf.
ISIN: DE0005140008

Commerzbank
Spielball der Märkte
Die Bank kommt zwar bei der Restrukturierung und der Trennung von Randaktivitäten voran. Trotzdem gibt es noch viele kritische Stellen, vor allem die ­wenig rentable Privatkundensparte. Zudem belasten Konjunkturrisiken die Firmenkundensparte. Das Geschäftsmodell kann nicht überzeugen. Spielball der Märkte. Kein Kauf.
ISIN: DE0008032004

Bildquellen: Denis Kuvaev / Shutterstock.com, brinkstock / Shutterstock.com
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