09.01.2013 20:56
Bewerten
 (0)

Europäischer Bankenverband stellt Existenz des Euribor in Frage

   Von Nick Cawley

   Die großen Hoffnungen auf den Euribor erhalten einen Dämpfer nach dem anderen. Immer mehr Banken wenden sich von der Festsetzung des europäischen Referenzzinsatzes ab. Nun stellt der Europäische Bankenverband, der hinter der wichtigen Benchmark steht, die Existenz des Euribors in Frage. Wenn sich noch mehr Banken zurückziehen, wird es möglicherweise keinen Euribor mehr geben, sagte Cedric Quemener, Manager bei Euribor-EBF in Brüssel.

   "Ich bin sehr besorgt über die gegenwärtige Situation, es handelt sich um eine ernste Lage", sagte Quemener dem Wall Street Journal. Die aktuelle Situation sei zwar nicht wirklich ein Problem, nachdem mit der österreichischen Raiffeisen Bank International eine weitere renommierte Bank dem Euribor den Rücken zugewendet hat. Sollten aber weitere Banken bei der Erhebung ausscheren, sehe es düster aus. "Vielleicht haben wir dann keinen Euribor mehr", erklärte der Manager.

   Euribor-EBF gehört zum Europäischen Bankenverband. Die Bankenlobby bekniet seit Wochen die Institute, weiter bei der Ermittlung des Euribor mitzumachen. Die Befürchtung vieler Banken ist jedoch, dass sie einen Reputationsverlust durch die jüngsten Manipulationsskandale erleiden könnten.

   Der Euribor ist wie der in Verruf geratene Libor ein Referenzzins. Banken melden einmal am Tag die Zinsen, zu denen sie sich untereinander Geld leihen. Auf dieser Basis wird dann der Euribor-Referenzzins ermittelt, an dem sich die Preise für viele Finanzprodukte orientieren.

   Interbank-Kreditzinssätze - hier besonders das große Londoner Pendant Libor - waren jüngst wegen Manipulationsvorwürfen in die Schlagzeilen geraten. Banken sollen zu ihrem eigenen Vorteil andere Zinssätze gemeldet haben als sie tatsächlich bezahlten. Die EU untersucht laut einem Bericht des Wall Street Journal vom Dezember auch beim Euribor den Versuch von betrügerischen Absprachen.

   Nach dem Libor-Skandal ruhen nun viele Hoffnungen auf dem kleineren Bruder, dem Euribor. Doch mit der Kehrtwende weiterer Banken gibt es immer mehr Fragezeichen hinter der Zukunft des Referenzzinsatzes. Bereits im Jahr 2012 waren die Citigroup und die deutsche DekaBank ausgestiegen, am vergangenen Freitag wendeten sich die BayernLB und die niederländische Rabobank von der Festsetzung ab. Am Mittwoch folgte dann mit der Raiffeisen Bank International schon das dritte Institut in diesem Jahr.

   Die Anzahl der Banken, die an der Festsetzung der Benchmark teilnehmen, liegt damit zwar noch bei 39 Instituten. Beim Libor werden nur 18 Banken befragt. Der Euribor ist damit weniger anfällig für Manipulationen, da der berichtete Satz jeder einzelnen Bank deutlich weniger ins Gewicht fällt. Sollte die Anzahl der Banken aber weiter so deutlich schrumpfen, dürften die Vorteile des kleineren Bruders gegenüber dem Libor immer geringer werden.

   Die Banken, die bisher ausgeschieden seien, seien ein schlechtes Vorbild für die noch teilnehmenden Institute, sagte Euribor-EBF-Manager Quemener. Sollten weitere Banken ausscheren, könnte die Europäische Kommission möglicherweise sogar einschreiten, und die Teilnahme der Geldhäuser vorschreiben. Quemener zeigte sich aber optimistisch, dass es kurzfristig keine weiteren Austritte geben werde. Banken teilen in der Regel etwa zehn Tage im Voraus mit, wenn sie nicht mehr an der Umfrage teilnehmen. Aktuell gebe es keine Hinweise auf weitere Austritte.

   Die Gründe für den Ausstieg der Banken sind zumindest den Mitteilungen zufolge differenziert. Für die Rabobank war zum Beispiel die immer mehr austrocknende Liquidität auf den Geldmärkten seit Beginn der europäischen Staatsschuldenkrise ein Grund. Die BayernLB hatte nebulös lediglich "geschäftsstrategische" Gründe für den Ausstieg genannt. Von der Wiener Raiffeisen hieß es, dass das Interbankengeschäft nicht mehr als Teil des Kerngeschäftes gesehen wird.

   Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

   DJG/DJN/kla/mgo

   (END) Dow Jones Newswires

   January 09, 2013 14:25 ET (19:25 GMT)

   Copyright (c) 2013 Dow Jones & Company, Inc.- - 02 25 PM EST 01-09-13

Nachrichten zu Raiffeisen Bank International AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Raiffeisen Bank International AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
29.11.2012Raiffeisen Bank International holdSociété Générale Group S.A. (SG)
29.11.2012Raiffeisen Bank International equal-weightMorgan Stanley
29.11.2012Raiffeisen Bank International underperformExane-BNP Paribas SA
07.09.2012Raiffeisen Bank International holdSociété Générale Group S.A. (SG)
06.09.2012Raiffeisen Bank International reduceNomura
29.11.2012Raiffeisen Bank International holdSociété Générale Group S.A. (SG)
29.11.2012Raiffeisen Bank International equal-weightMorgan Stanley
07.09.2012Raiffeisen Bank International holdSociété Générale Group S.A. (SG)
30.08.2012Raiffeisen Bank International neutralUBS AG
28.08.2012Raiffeisen Bank International neutralGoldman Sachs Group Inc.
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Raiffeisen Bank International AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Analysen
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Bayer: Monsanto-Deal würde ein neues Burg­graben-Unter­nehmen ergeben!
Mit der Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto will Bayer im Agrarchemie-Geschäft den großen Wurf landen und zur weltweiten Nummer Eins aufsteigen. Der strategisch sinnvolle Megadeal ist allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet. Lesen Sie in der neuen Ausgabe des Anleger­magazins, warum der Life-Science-Konzern dennoch einen näheren Blick wert ist.

Heute im Fokus

DAX geht stabil ins Wochenende -- Wall Street freundlich -- PayPal-Deal mit Visa -- ElringKlinger kassiert Prognose -- Starbucks, Boeing, AMD im Fokus

Teile ehemaliger Bilfinger-Sparte offenbar wieder zum Verkauf. Rekordtransfer: Schürrle-Wechsel zum BVB offiziell. Gewinneinbruch bei American Airlines. GE punktet mit Energie und Luftfahrt. VW-Konzern setzt in Südkorea Verkauf von 79 Modellen aus. Heideldruck-Chef Linzbach verlässt Unternehmen. EZB-Vertreter: Probleme italienischer Banken lösbar.
Die wertvollsten Marken 2016
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Welche Marke ist die teuerste?
Volatilität in Schwellenländern
Das haben die Dax-Vorstände 2015 verdient
Welches Land gewann am häufigsten die europäische Fußballkrone?
Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?
mehr Top Rankings

Umfrage

Die Bundesregierung sieht keine Auswirkungen des Putschversuchs in der Türkei auf das Flüchtlingsabkommen mit der EU. Sehen Sie das auch so?