von Sven Parplies, Euro am Sonntag
Aktionäre müssen sich in diesem Jahr mit einer niedrigeren Dividende als 2009 zufriedengeben. Laut einer Hochrechnung der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) für €uro am Sonntag werden die 110 HDAX-Unternehmen für das vergangene Jahr insgesamt 22,2 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten – das wären zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings gibt es innerhalb des Index, der DAX, MDAX und TecDAX zusammenfasst, sehr unterschiedliche Tendenzen.
Während für den DAX eine Dividendensumme knapp zwölf Prozent unter Vorjahresniveau erwartet wird, dürfte die Ausschüttung im MDAX mit einem Minus von 2,2 Prozent nahezu konstant bleiben. Im TecDAX wiederum erhöht sich die Gesamtausschüttung um 80 Prozent. Vergleiche mit dem DAX sind allerdings problematisch, da die Dividendensumme der kleineren Indizes stark von wenigen Werten abhängt. So wird im TecDAX nach Schätzung der LBBW die Hälfte der Unternehmen überhaupt nicht ausschütten. Im MDAX dürfte ein Drittel der Gesamtsumme von vier Titeln stammen.

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Nicht nur die absolute Dividendensumme sinkt – auch die Ausschüttungsquote, also der Anteil der Dividendensumme am Unternehmensgewinn, dürfte 2010 niedriger ausfallen. Für den DAX prognostiziert die LBBW einen Rückgang von 87 auf 75 Prozent. „2008 hatten die DAX-Unternehmen trotz deutlich sinkender Gewinne eine hohe Dividende gezahlt. In diesem Jahr normalisiert sich die Ausschüttungsquote“, erklärt LBBW-Stratege Steffen Neumann die Entwicklung.
In dem für Dividendenjäger besonders wichtigen DAX gab es in der aktuellen Berichtssaison bereits etliche Überraschungen. Sechs Konzerne haben eine Dividende angekündigt, die über der zu Jahresbeginn abgegebenen Konsensschätzung aller Analysten liegt. Drei Unternehmen werden weniger zahlen als kalkuliert, neun erfüllen die Erwartung. Zwölf Unternehmen haben noch keine konkreten Aussagen gemacht.
Den prozentual deutlichsten Aufschlag gibt es bei der Deutschen Bank, die nach 50 Cent je Aktie im Vorjahr jetzt auf 75 Cent aufstockt. Eine bemerkenswerte Serie setzt Fresenius fort: Das Gesundheitsunternehmen wird die Ausschüttung zum 17. Mal in Serie anheben, die Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care zum 13. Mal.
Bei BASF geht eine Serie zu Ende: Nach 16 Jahren kürzt der Chemiekonzern erstmals seine Ausschüttung. BASF bekräftigte aber das grundsätzliche Ziel, die Dividende „jährlich zu steigern, sie zumindest aber auf dem Niveau des jeweiligen Vorjahres zu halten“.
Größte Enttäuschung im DAX ist bislang Daimler. Der Autobauer strich angesichts eines Jahresverlusts in Milliardenhöhe seine Dividende komplett. Auch der drastische Schnitt des Lkw-Bauers MAN, der nach zwei Euro im Vorjahr nur noch 25 Cent je Aktie ausschütten will, kam für viele Börsianer überraschend. Die Bilanz des MDAX wird entscheidend von der Hannover Rück abhängen.
Der Versicherer hat noch keine Aussagen zur Ausschüttung gemacht, wird laut Prognose der LBBW mit rund 240 Millionen Euro aber das großzügigste unter den mittelgroßen Unternehmen sein.
Überraschungspotenzial – im positiven wie im negativen Sinn – hat der TecDAX. Solarunternehmen, die unter sinkender staatlicher Förderung leiden, könnten laut Experteneinschätzung weniger ausschütten, als derzeit noch erwartet wird.
Zwei Titel dürften neu in den Top Five des Index auftauchen: Während Freenet eine Dividende von 20 Cent je Aktie bereits angekündigt hat, rechnen Börsianer auch bei United Internet nach der Nullrunde im Vorjahr mit einer Ausschüttung.
Hier erhalten Sie einen Überblick über die höchsten Dividendensummen im HDAX: die_hoechsten_dividenden_im_hdax.pdf
Bildquellen: Julian Mezger