13.10.2008 11:07
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FOKUS: Klinikprivatisierungen kommen wieder in Gang

   Von Heide Oberhauser-Aslan

   Dow Jones Newswires

FRANKFURT (Dow Jones)--Die ins Stocken geratenen Klinikprivatisierungen in Deutschland könnten 2009 wieder in Gang kommen. Experten erwarten, dass die Finanznot der deutschen Hospitäler und die klammen staatlichen Kassen den Druck auf die öffentliche Hand, mehr Kliniken zu privatisieren, deutlich erhöhen wird.

   Die Bereitschaft des öffentlichen Sektors zur Klinikprivatisierung könnte dabei zusätzlich durch die erwartete Abschwächung der Konjunktur im Zuge der Finanzkrise angeheizt werden, meinen Experten. Die Steuereinnahmen dürften geringer ausfallen und notwendige Kredite, um Krankenhäuser bezuschussen zu können, seien zusehends schwieriger zu bekommen.

   Profitieren könnten von dieser Misere vor allem große private Klinikbetreiber wie Rhön-Klinikum, die Fresenius-Tochter Helios oder die nicht börsennotierten Asklepios Kliniken. Das externe Wachstum der privaten Klinikbetreiber wird seit zwei Jahren durch den Mangel an Privatisierungsobjekten gebremst. Ihr Marktanteil liegt in Deutschland derzeit erst bei 3% bis 4%.

   "Wir erwarten, dass die in 2007 und 2008 abgeflachte Privatisierungswelle im Akut-Klinikmarkt wegen des unverändert bestehenden Investitionsstaus und der schlechten wirtschaftlichen Verfassung vieler Kliniken ab 2009 wieder an Dynamik gewinnen wird", sagte beispielsweise DZ-BANK-Analystin Christa Bähr.

   "Für gut aufgestellte und finanzstarke private Klinikbetreiber wie Rhön-Klinikum oder die Fresenius-Tochter Helios sollte dies gute Wachstumschancen bieten", prognostizierte die Analystin.

   Sie geht davon aus, dass der ökonomische Druck zur Privatisierung trotz politischer Vorbehalte in einigen Parteien weiter zunehmen wird, denn die finanzielle Lage der öffentlich-rechtlichen Krankenhäuser hat sich weiter verschlechtert. In den vergangenen Wochen hat das Bundeskabinett ein Hilfspaket für die 2.100 Kliniken von 3,2 Mrd EUR beschlossen.

   Die desolate Lage wird nach Einschätzung von Analysten damit jedoch nicht beseitigt. Das Geld werde nicht ausreichen, die steigenden Betriebskosten, Tariferhöhungen und Sachmittelausgaben zu decken, erklären die Beobachter.

   Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) spricht von einer ernsten Lage. "Wir haben Betriebskosten in den Jahren 2008/09 von 6,7 Mrd EUR", sagte DKG-Sprecher Moritz Quiske zu Dow Jones. Er sieht trotz des Hilfspakets der Bundesregierung eine Finanzierungslücke von 5,2 Mrd EUR.

   Hinzu kommt ein Investitionsstau von etwa 50 Mrd EUR, der jedes Jahr um rund 4 Mrd EUR steigt. Hier sind die Länder in der Pflicht. In den vergangenen zwei Jahren sei der Beitrag der Länder für Krankenhausinvestitionen auf 2,7 Mrd von 3,7 Mrd EUR abgeschmolzen, sagte Quiske.

   Nach Aussage der DKG schreiben derzeit etwa ein Drittel der 2.100 Kliniken rote Zahlen - Tendenz steigend. Analysten rechnen damit, dass die Finanzkrise die Probleme noch verstärken wird.

   Der Rückgang der Privatisierungswelle sei unter anderem darin begründet gewesen, dass die Kommunen dank sprudelnder Steuereinnahmen in der Lage waren, die Verluste der Krankenhäuser weiter zu tragen, sagte Bähr. "Wenn die Steuereinnahmen aber vor dem Hintergrund des sich abschwächenden Wirtschaftswachstums und im Zuge der Finanzmarktkrise jetzt geringer ausfallen werden, steigt tendenziell der Druck, sich von verlustträchtigen Häusern zu trennen", erklärte die Analystin.

   Sie erwartet, dass schon 2008 einige kleinereTransaktionenzum Abschluss kommen werden. Verstärkt werde die Privatisierungswelle mit kleineren und mittelgroßen Kliniken dann 2009 anrollen. Nach der Bundestagswahl ab 2010 rechnet Bähr damit, dass das Thema Uniklinikprivatisierung wieder akut werden könnte.

   Dass die Finanzmarktkrise die Akquisitionsfähigkeit privater Klinikbetreiber gefährden könnte, glaubt die Analystin nicht. Sie sieht trotz der nun erwarteten vorsichtigeren Kreditvergabe des Bankgewerbes keine größeren Finanzierungsprobleme bei den führenden privaten Krankenhausketten.

   Da die Risikoprämien bei den Banken steigen würden, werde die Fremdfinanzierung nun aber wohl grundsätzlich teurer, räumte sie ein. Für gut aufgestellte private Klinikbetreiber sei der Zugang zum Kapitalmarkt jedoch weiterhin offen. Kleinere Akquisitionen könnten Unternehmen wie Rhön-Klinikum wohl weiterhin aus dem Cash-Flow finanzieren, prognostizierte sie.

   Die grundsätzlich positive Stimmung der Investoren für Gesundheitsaktien und speziell den Krankenhaussektor ist ihrer Ansicht nach ungebrochen. Für den Sektor "stationäre Versorgung" in Deutschland sieht die DZ BANK unverändert ein positives Chancen-Risiko-Profil.

   Der nach Umsatz 2007 zweitgrößte private Klinikbetreiber Rhön-Klinikum sei gut durchfinanziert, könne kleinere Akquisitionen aus dem Cash-Flow bezahlen und bei größeren Zukäufen eine Kapitalerhöhung durchführen, sagte die DZ-BANK-Analystin.

   Die Muttergesellschaft der Helios Kliniken, Fresenius, sei zwar wegen des Zukaufs des US-Pharmakonzerns APP höher verschuldet und habe erst eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Bähr erwartet aber, dass das 2006 angekündigte Ziel, in den kommenden fünf Jahren 800 Mio EUR Umsatz durch externes Wachstum zu generieren, trotzdem erfüllt werden kann.

Webseiten: http://www.rhoen-klinikum-ag.com http://www.fresenius.de

-Von Heide Oberhauser-Aslan, Dow Jones Newswires; +49 (0)69 29 725 113, heide.oberhauser@dowjones.com

DJG/hoa/brb (END) Dow Jones Newswires

   October 13, 2008 05:00 ET (09:00 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 05 00 AM EDT 10-13-08

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