Die US-Bank
Citigroup habe deshalb bereits 50 Millionen US-Dollar abgeschrieben, nachdem sie in Japan eine Strafe erhielt und deshalb Handelspositionen auflöste, schreibt die "Financial Times" (Freitag) unter Berufung auf Kreise. Bislang haben nur japanische Behörden erste Sanktionen verhängt. Dagegen haben dem Blatt zufolge bereits zahlreiche internationale Großbanken personelle Konsequenzen gezogen und mehr als ein Dutzend Händler aus dem Verkehr gezogen. Darunter soll auch die Deutsche Bank sein, die das aber nicht kommentieren wollte. Es geht um Libor, Tibor und Euribor. Das sind die Referenzzinssätze, zu denen sich die Banken untereinander Geld leihen. Werden sie manipuliert, hat das große Auswirkungen. An ihnen orientieren sich nämlich auch die Zinssätze für die reale Wirtschaft. Zur Berechnung der Referenzzinssätze melden die Banken jeden Morgen, was sie selbst zahlen müssen, um sich Geld zu leihen. Daraus wird dann ein Schnitt gebildet. Hier sollen die Banken manipuliert haben.
Zunächst gingen die Ermittler nur dem Verdacht nach, dass die Institute sich abgesprochen haben und die Zinssätze zwischen 2006 und 2008 kollektiv zu niedrig angegeben haben. Hintergrund der Aktion war die aufziehende Finanzkrise. Damals beäugten die Marktteilnehmer sehr genau, zu welchen Konditionen sich die Banken refinanzierten. Wenn eine Bank sich Geld zu deutlich höheren Zinsen leihen musste als die Konkurrenz, war das ein schlechtes Zeichen. Beobachter konnten annehmen, dass Schwierigkeiten drohten.
Inzwischen gibt es laut Zeitung zwei weitere Ermittlungsstränge. So wird untersucht, ob Händler bei Banken und Hedgefonds die Zinssätze beeinflusst haben, um selbst davon zu profitieren. Außerdem gibt es den Verdacht, dass mit Insiderwissen über die Entwicklung der Zinsen Geld gemacht wurde. Hedgefonds etwa platzieren hohe Wetten auf die Veränderungen der Zinsraten. Im Blick haben die Ermittler nun einen Zeitraum bis 2010.
Der weltgrößte Wertpapier- und Derivatemakler Icap entließ laut Zeitung bereits einen Mitarbeiter und suspendierte zwei weitere in den vergangenen sechs Wochen. Auch bei JPMorgan Chase, Royal Bank of Scotland (RBS) und Citigroup sollen schon personelle Konsequenzen gezogen worden sein. Die Ermittlungen richten sich gegen praktisch alle großen Banken.
Weitgehende Immunität hat sich die Schweizer Großbank UBS gesichert. Ähnlich wie die Citigroup wurde sie in Japan laut Zeitung zwar bereits sanktioniert. Die Bank leitete dem Vernehmen nach dem Bekanntwerden der Ungereimtheiten eine interne Untersuchung ein, woraufhin sie Selbstanzeige stellte und weitere Ermittlungen auslöste. Auch die britische Bank Barclays soll laut "FT" von selbst Informationen an die Behörden weitergeben haben, als sie feststellte, dass einer ihrer Händler bei Versuchen zur Manipulation des Euribor beteiligt gewesen war.
LONDON (dpa-AFX)
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