13.12.2012 08:20
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Fed setzt Lockerung fort und druckt weiter Geld

Fed flutet die Märkte
Die US-Notenbank setzt ihre Politik der geldpolitischen Lockerung mit aller Konsequenz fort. Der Offenmarktausschuss (FOMC) beschloss eine weitere Ausweitung der Fed-Bilanz ab 2013 und eine neue Kommunikationspolitik.
Die Zinsen sollen jetzt so lange außergewöhnlich niedrig bleiben, wie die Arbeitslosenquote höher als 6,5 Prozent ist und die auf Sicht von zwei Jahren erwartete Inflation niedriger als 2,5 Prozent. Bisher hatte die Fed eine Niedrigzinszusage für den Zeitraum bis Mitte 2015 gegeben. Dollar und US-Staatsanleihen reagierten auf diese Nachricht mit Verlusten, Aktien legten zu.

   Als Ersatz für ein zum Jahresende auslaufendes Programm, bei dem kürzer laufende Papiere zu Gunsten länger laufender verkauft werden (Operation Twist) beschloss der FOMC ein zusätzliches Programm zum Kauf von Staatsanleihen für "anfänglich" 45 Milliarden US-Dollar pro Monat. Im Gegensatz zu "Twist" erhöhen die neuen Staatsanleihekäufe jedoch die Größe der Fed-Bilanz, die in der vergangenen Woche ein Volumen von 2.861 Milliarden Dollar hatte. Da die Fed die Anleihen mit "frisch gedrucktem" Geld kauft, nimmt die Liquidität im Bankensystem weiter zu.

   Volkswirte zeigten sich beeindruckt von der Entschlossenheit der US-Notenbank. "Damit fährt die Fed den Stimulus deutlich hoch, denn das Nachfolgeprogramm für Twist ist nicht einfach ein Ersatz, sondern läuft auf eine Verdopplung der quantitativen Lockerung hinaus", sagte ING-Volkswirt Rob Carnell. UniCredit-Volkswirt Harm Bandholz sieht das ähnlich: "Das neue Programm führt die Käufe lang laufender Anleihen fort, ohne jedoch Verkäufe am kurzen Ende zu beinhalten. Damit wird die Geldpolitik Anfang 2013 noch etwas wachstumsfördernder", analysierte er.

   Dieser Deutung widersprach Fed-Chairman Ben Bernanke allerdings: Die neuen Treasury-Käufe stellten keinen zusätzlichen Stimulus dar, der Stimulus bleibe "mehr oder weniger der gleiche", sagte Bernanke in seiner Pressekonferenz.

   Im Hinblick auf den Zinsausblick lieferte der FOMC mit seinen neuen Projektionen für Wachstum, Inflation und Arbeitslosenquote zusätzliche Informationen. So rechnet das Gremium mit einer Arbeitslosenquote von 6,0 bis 6,6 Prozent im Jahr 2015. Bei der vorherigen Prognose waren es 6,0 bis 6,8 Prozent gewesen. Die Prognosen für BIP-Wachstum und Inflation wurden insgesamt etwas zurückgenommen.

   Alles in allem deuten die Projektionen darauf hin, dass 15 der 19 FOMC-Mitglieder weiterhin damit rechnen, die Zinsen bis 2015 sehr niedrig zu halten. Bankökonomen rechnen einer Bloomberg-Umfrage zufolge damit, dass das Ende der Niedrigzinspolitik bereits Ende 2013 oder Anfang 2014 kommen wird.

   Bernanke sagte, die explizite Kopplung der Zinspolitik an ökonomische Größen solle die Fed-Politik berechenbarer und transparenter machen. Er wies darauf hin, dass die Notenbank bei der Bestimmung ihrer Geldpolitik nicht alleine auf die Arbeitslosenquote, sondern auf eine Reihe anderer Arbeitsmarktindikatoren achten werde. Die Fed werde ihre Zinsen anheben, bevor Vollbeschäftigung erreicht sei, sagte er.

   Erst im September hatte die Fed QE3 auf den Weg gebracht, ein Programm für den Kauf von Hypothekenanleihen. Im Rahmen von QE3 kauft die Fed monatlich für 40 Milliarden Dollar mit Immobilien besicherte Anleihen der staatlichen Hypothekenfinanzierer. Das Programm war zeitlich nicht begrenzt worden. Zusammen mit den Käufen im Rahmen von "Twist" und der Wiederanlage von Erlösen aus fällig gewordenen Anleihen erhöhten sich die langfristigen Wertpapierbestände der Fed auf diese Weise monatlich um 85 Milliarden Dollar.

   Die Wiederanlage von Erlösen will die Fed ebenso fortführen wie den Kauf von Hypotheken-Anleihen für monatlich 40 Milliarden Dollar. Nach Mitteilung der New Yorker Fed, des operativen Arms der US-Notenbank, sollen die neuen Staatsanleihekäufe so ausgestaltet werden, dass sie den gleichen Effekt wie "Twist" haben. Angesteuert werde eine Restlaufzeit der Staatsanleihen von neun Jahren. Bei der Bestimmung ihrer Geldpolitik will sich die US-Notenbank allerdings nicht ausschließlich an Arbeitslosenquote und Inflationserwartungen, sondern auch an anderen, zum Beispiel finanziellen Entwicklungen orientieren.

   Mit diesen Maßnahmen, so teilte das Gremium mit, dürften die langfristigen Zinsen weiter niedrig gehalten werden. Die kurzfristigen liegen ohnehin bei nahezu Null: Den Zielsatz für Tagesgeld beließ der FOMC bei 0,00 bis 0,25 Prozent. Bernanke machte klar, dass er das Ende der Wertpapierkäufe nicht als ein Ende der lockeren Geldpolitik betrachten würde. Eine Beendigung der Käufe und eine Anhebung der Zinsen würden von unterschiedlichen Kriterien abhängen, sagte er.

   Gegen die Wertpapierkäufe und die Bedingungen, unter die Zinsen sehr niedrig gehalten werden sollen, stimmte der Präsident der Richmond Fed, Jeffrey Lacker.

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Bildquellen: Albert H. Teich / Shutterstock.com
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