ULM (dpa-AFX) - Die Finanzierung der angeschlagenen Merckle-Gruppe ist gesichert. Die Gläubigerbanken der VEM Vermögensverwaltung haben am Dienstag ein Stillhalteabkommen bis Ende 2010 verlängert, wie der zur Merckle-Gruppe gehörende Generikahersteller ratiopharm am Mittwoch in Ulm mitteilte. Bis zu diesem Zeitpunkt stunden die Banken ihre Forderungen. Zugleich sei der laufende Überbrückungskredit in einen längerfristigen Kredit umgewandelt worden.
Auf der Grundlage der jetzt erreichten Einigung könne in den nächsten Wochen der Verkauf von ratiopharm vorangetrieben werden, hieß es in der Mitteilung weiter. Mit der Commerzbank <CBK.ETR> und der Royal Bank of Scotland (RBS) <RBS.ISE> <RYS.FSE> haben zwei der größten Gläubiger das Mandat für den Verkauf von Deutschlands zweitgrößtem Generikahersteller erhalten. Laut Mitteilung gibt es eine Reihe von Kaufinteressenten, allerdings würden erste konkrete Gespräche erst nach der Sommerpause geführt. In Branchenkreisen wird zwei Finanzinvestoren sowie dem französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis <PSAN.PSE> <SNW.ETR> und dem weltweit größten Generikahersteller Teva Pharmaceuticals <TEVA.NAS> <TEV.ETR> Interesse nachgesagt.
FINANZIELLE SCHIEFLAGE
Die Merckle-Gruppe war Ende 2008 auch wegen der Folgen der Finanzkrise in eine finanzielle Schieflage geraten. Firmenmogul Adolf Merckle hatte sich im Januar das Leben genommen, kurz zuvor aber noch mit den Banken einen Kompromiss für die Rettung seiner Unternehmen in die Wege geleitet. Bedingung eines von den Gläubigerbanken gewährten Überbrückungskredits war der Verkauf von ratiopharm.
Adolf Merckle hatte unter anderem seine Beteiligung an HeidelbergCement <HEI.ETR> aufgestockt, bis sie schließlich bei 80 Prozent lag. Den Kaufpreis für diese Aktien hatte er offenbar über Kredite finanziert, die Aktien zur Sicherheit an die Banken übertragen. Gezahlt haben muss er nach Angaben aus Kreisen teilweise an die 120 Euro pro Aktie, nach Beginn der Finanzkrise rutschte sie auf zeitweise unter 30 Euro ab./ep/stw