Ebbe an der Costa Banca

So mussten die Banken ihre Bestände bisher kaum abwerten. Das aber liegt nicht etwa an einer stabilen Nachfrage: „Niemand ist derzeit bereit, die geforderten Preise zu zahlen“, sagt Rogelio Menéndez Otero, Professor an der Universität Carlos III in Madrid. Nur die Banken selbst kaufen in größerem Umfang noch Immobilien und hoffen, sie später wieder mit Gewinn verkaufen zu können. Mittlerweile sind sie die größten Immobiliengesellschaften des Landes.
In der Krise 1993 war diese Strategie erfolgreich. Allerdings hatte damals die schwache Peseta die Nachfrage von Ausländern, etwa Briten und Deutschen, befeuert. Dieser Effekt bleibt jetzt aus. Nun führt der starke Euro zu mehr Arbeitslosen und geringerer Nachfrage nach Immobilien. Das könnte Spaniens Banken schon bald zwingen, ihre Portfolios massiv abzuwerten. Dies dürfte vor allem die regionalen Institute, etwa die Cajas (Sparkassen), schwer belasten.
Vicente Cuñat und Luis Garicano, Professoren an der London School of Economics, sehen für diese Banken nur einen Ausweg: zu fusionieren. „Dabei geht es nicht darum, regionale und schwache Institute zu verschmelzen“, analysieren die beiden Ökonomen, „sondern das System wirklich umzubilden.“ Mit dem im Juli 2009 gebildeten Restrukturierungsfonds FROB hätte die Zentralbank entsprechende Möglichkeiten. Dennoch greift die Banco de España bisher nicht darauf zurück. „Die Zentralbank fürchtet den Konflikt mit den autonomen Regierungen“, wissen Cuñat und Garicano.
Die Situation der regionalen Institute in Spanien hat viele Parallelen zu den deutschen Landesbanken. Auch hier stehen politische Interessen gegen ökonomische Vernunft. mf


