16.01.2013 13:02
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Boeing Dreamliner-Desaster erreicht neuen Höhepunkt

Japan stoppt Dreamliner
Siebte Panne - das Image-Desaster um Boeings Vorzeigejet 787 Dreamliner erreicht einen neuen Höhepunkt. Nach einer erneuten Notlandung in Asien gibt es schwerwiegende Konsequenzen.
Nach einer Notlandung in Japan haben die Fluggesellschaften All Nippon Airways (ANA) und Japan Airlines (JAL) für diesen Mittwoch und Donnerstag alle Flüge mit ihren 24 Flugzeugen des Typs gestrichen. Zuvor war in einer Maschine der ANA Rauch bemerkt worden, wie die Gesellschaft mitteilte. Nach der Notlandung auf dem westjapanischen Flughafen Takamatsu am Mittwoch mussten alle 137 Passagiere und Besatzungsmitglieder das Flugzeug verlassen. Fünf Menschen seien leicht verletzt worden, ein Passagier wurde laut örtlichen Medien wegen Rückenbeschwerden ins Krankenhaus gebracht.

In der vergangenen Woche hatte der "Dreamliner" fast täglich mit Pannen Schlagzeilen gemacht. Erst brannte es im Batteriesystem einer Maschine der JAL auf dem Bostoner Flughafen, dann verlor ein weiteres Flugzeug der Gesellschaft vor dem Start am gleichen Ort rund 150 Liter Treibstoff. Weiter ging die Pannenserie mit einer Störung des Bremscomputers an einem Jet der ANA, weiteren "Dreamliner"-Maschinen der Gesellschaft machten ein Ölleck und ein spinnenförmiger Riss in einem Cockpit-Fenster zu schaffen.

Trotz der sich zuspitzenden Pannenserie halten ANA und die französisch-niederländische Air France-KLM weiter am "Dreamliner" fest. Beide Fluglinien wollen ihre Bestellungen für weitere Maschinen nicht zurückziehen. Allein die japanische ANA hat bei Boeing noch 49 weitere Jets bestellt, Air France-KLM 25.

TIEFGREIFENDE UNTERSUCHUNG

Wegen des Feuers im Batteriesystem hat die US-Luftfahrtbehörde FAA bereits eine tiefgreifende Untersuchung eingeleitet, bei der sowohl die Konstruktion als auch die Fertigung des Flugzeugs überprüft werden sollen. Die Experten wollen dabei ein besonderes Augenmerk auf die elektrischen Systeme sowie auf die Mechanik legen. Bereits im Dezember hatte die Behörde vor undichten Treibstoffleitungen beim "Dreamliner" gewarnt und angeordnet, dass die bislang ausgelieferten Maschinen auf falsch montierte Kupplungsstücke hin überprüft werden.

Der jüngste Vorfall ereignete sich auf einem ANA-Flug von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio. 35 Minuten nach dem Start wurde im Flugzeug Rauch bemerkt. Daraufhin leitete der Pilot in Takamatsu eine Notlandung ein und ließ alle Passagier über Notrutschen das Flugzeug verlassen. Einen Löscheinsatz gab es den Angaben zufolge nicht. Der Pilot habe ausgesagt, dass ein Instrument im Cockpit Batterieprobleme angezeigt und es einen ungewöhnlichen Geruch gegeben habe. Bereits bei einem Testflug im Jahr 2010 war ein Brand in einem Schaltkasten ausgebrochen. Die Maschine konnte damals mit Ersatzsystemen sicher landen.

AIR BERLIN HAT 'DREAMLINER' BESTELLT

Die Japaner waren die Erstkunden für Boeings "Dreamliner". Neben ANA und JAL sind United Air Lines, Qatar Airways, Ethiopian Airlines, LAN Airlines, Air India und die polnische LOT mit dem Flugzeugtyp unterwegs. Die indische Luftfahrtbehörde hat bereits eine Überprüfung der Air-India-Maschinen eingeleitet.

Deutsche Fluggesellschaften fliegen die Maschine bisher nicht. Allerdings hat Air Berlin 15 Exemplare des Jets bestellt. Die Tui-Veranstaltertochter TUI Travel, die hierzulande mit der Fluglinie Tuifly unterwegs ist, will bislang 13 "Dreamliner" abnehmen. Beide Gesellschaften hatten ihre Aufträge jedoch bereits früher um je zehn Maschinen zusammengestrichen.

VERKAUFSSCHLAGER

In der Entwicklung hatte der "Dreamliner" große Probleme bereitet. Die erste Maschine wurde im September 2011 und damit dreieinhalb Jahre später ausgeliefert als ursprünglich geplant. Auch im laufenden Betrieb häuften sich die Pannen. In dem Modell werden großflächig leichte Verbundwerkstoffe verbaut, während herkömmliche Flugzeuge zu weiten Teilen aus Aluminium bestehen.

Für Boeing ist der "Dreamliner" bislang dennoch ein Verkaufsschlager. Insgesamt lagen bis Ende vergangenen Jahres Bestellungen für 848 Maschinen vor. Davon waren erst 49 ausgeliefert. Konkurrent Airbus will gegen die 787 mit seinem neuen Jet A350 antreten, der Jungfernflug soll nach Verzögerungen aber erst Mitte dieses Jahres erfolgen./stw/ln/jha/fbr - TOKIO (dpa-AFX)

Bildquellen: PLRANG / Shutterstock.com

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