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03.07.2009 18:13

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Fonds, die sich wieder lohnen (EuramS)


Die stabilsten in der Krise, die schnellsten in der Wende, die stärksten im Aufschwung. Welchen Fondsmanagern Anleger vertrauen können.

von Carsten Lootze und Peter Gewalt

Von seinem Pariser Büro blickt Edouard Carmignac auf die Place Vendôme. Dort steht eine Triumphsäule, deren Spitze eine Statue von Kaiser Napoleon I. ziert. Ebenso standfest wie dieses berühmte Bauwerk die Krisen der französischen Geschichte überdauert hat, ist der globale Aktienfonds Carmignac Investissement durch die Finanzkrise gekommen. In den vergangenen drei Jahren bis Ende Juni erzielte Manager Carmignac 15,0 Prozent Wertzuwachs. Der Vergleichsindex MSCI World verlor 20,8 Prozent an Wert. Damit ist Carmignac eine Ausnahme. Denn die Statistik zeigt: Die Mehrheit der aktiv gemanagten Investmentfonds schaffte es während der Börsenturbulenzen seit Mitte 2007 nicht, den breiten Markt zu schlagen. Damit sind sie ihre Managementgebühren nicht wert. Die Anleger haben dies erkannt und seit Jahresbeginn 2009 kaum noch in Fonds investiert – der Anstoß für eine Branchenkonsolidierung mit Übernahmen, Fondsauflösungen und -verschmelzungen. Doch das Beispiel Carmignac zeigt auch: Nicht alle Investmentfonds haben stark unter dem Börseneinbruch gelitten. Einige Managern ist es selbst in diesem schwierigen Marktumfeld gelungen, den breiten Markt deutlich zu schlagen. €uro am Sonntag stellt die bes­ten Beispiele in den gefragtesten und attraktivsten Märkten vor.

"Es ist ein Mythos, zu denken, dass Bärenmärkte aktives Fondsmanagement stark begünstigen", sagt Srikant Dash, Leiter des Forschungs­teams bei der Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P). Ein Blick in die Datenbank FundAnalyzer gibt ihm recht: Während der Börsenturbulenzen der vergangenen zwölf Monate bis Ende Juni haben nur sieben von 95 Deutschland-Aktienfonds besser abgeschnitten als der DAX. Bei den Europa-Aktienfonds haben lediglich 37 von 323 Produkten den MSCI Europe übertroffen, bei globalen Aktienfonds gelang dies 53 von 377 Produkten gegenüber dem MSCI World. Ähnlich enttäuschend fällt die Bilanz bei Rentenfonds aus: In der Kategorie europäische Unternehmensanleihen mit Investmentgrade übertrafen nur neun von 61 Produkten den aggregierten Vergleichsindex Iboxx € Corporates Investmentgrade.

"Insgesamt sind diese Ergebnisse sehr ernüchternd", sagt Fondsanalyst Simon Nöth von der Ratingagentur Morningstar. Denn theoretisch haben aktive Fondsmanager gegenüber Indizes und passiven börsennotierten Indexfonds (ETF) in Abwärtsphasen einen großen Vorteil: Sie können das Kapital der Anleger zwischenzeitlich auf dem risiko­armen Geldmarkt parken, wenn die Kurse von Aktien und Anleihen sinken. Bei den meisten Fonds erlauben die Anlagerichtlinien in den Verkaufsprospekten Cashquoten von bis zu 49 Prozent. Zudem können die Manager Derivate nutzen, um sich gegen die damit verbundenen Verluste abzusichern. Haben sie diese Möglichkeiten nicht ausreichend genutzt? "Die meisten Manager haben zwar in Cash umgeschichtet, aber nicht früh genug", sagt Nöth.

Viel zu offensiv ist die Mehrheit der Produkte 2008 aufgestellt gewesen. Aktienfondsmanager blieben lange in Energie- und Industriewerte übergewichtet, statt in defensive Branchen umzuschichten. Zudem blieben vor allem Manager mit Value-Ansatz lange ihren Banken- und Versicherungswerten treu, die im Zuge der Finanzkrise besonders starke Kursverluste erlitten. Nöth: "Offenbar hatten sie im Sommer 2008 nicht damit gerechnet, dass es an den Börsen noch weiter bergab geht." Im Frühjahr 2009 war es dann umgekehrt: Nach den schweren Verlusten der Vormonate waren viele Manager zu defensiv aufgestellt. Dadurch profitierten sie gar nicht oder kaum von der Börsenrally seit Anfang März. Ein Extrembeispiel dafür ist der PEH Q-Emerging Markets: Manager Jürgen Strohbach hatte so stark in Cash umgeschichtet und das Portfolio über Derivate abgesichert, dass seine Nettoaktienquote Ende 2008 teilweise unter zehn Prozent lag. Bis Juni erhöhte er diese Quote nur auf 50 Prozent. Die Folge: Sein Fonds brachte von Anfang Januar bis Ende Juni 2009 nur 4,3 Prozent Wertzuwachs auf Eurobasis, der Vergleichsindex MSCI Emerging Markets 36,6 Prozent. Dafür schnitt der Fonds 2008 etwas besser ab.

"Umgekehrt sind die meisten Fonds, die 2008 vergleichsweise schlecht performt haben, in diesem Jahr bisher besonders gut", sagt Morningstar-Analyst Nöth. Nur wenigen Managern wie Carmignac gelang es, ihre Portfolios 2008 frühzeitig defensiv aufzustellen und dann Anfang 2009 den Aufschwung voll mitzuneh­men. Nöths Fazit: "Insgesamt sind eine Menge Fonds auf dem Markt, die kein Investor braucht."
Die Anleger haben das inzwischen ebenfalls eingesehen: Von Anfang Januar bis Ende Mai 2009 investierten sie unterm Strich nur 0,69 Milliarden Euro in Wertpapierfonds mit Vertrieb in Deutschland, zeigt die Statistik des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). Zwischen 2005 und 2008 hatten die Nettozuflüsse je über 22 Milliarden Euro gelegen. Die niedrigen Zuflüsse wiegen die Buchverluste beim verwalteten Vermögen infolge gesunkener Kurse nicht auf. "Das ist für einige Anbieter lebensbedrohlich", sagt Jonathan Willcocks, Vertriebschef bei der Fondsgesellschaft M & G. "Denn sinkende Vermögensbestände führen zu weniger Gebühreneinnahmen bei den Anbietern. Gleichzeitig bleiben ihre Kosten aber hoch, sofern sich an den Produkt­paletten nichts ändert."

Eine deutliche Marktbereinigung ist die Folge. Einige Fondsgesellschaften werden übernommen – wie die Cominvest von Allianz Global Investors oder Barclays Global Investors von BlackRock. Andere Anbieter legen einzelne Geschäftsbereiche zusammen, beispielsweise Aberdeen Asset Management mit Credit Suisse Global Investors oder Crédit Agricole Asset Management mit Société Générale Asset Management.

Zudem straffen viele Gesellschaf­ten ihre Produktpaletten, indem sie Fonds zusammenlegen oder auflösen. Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS kündigte in dieser Woche an, dass sie ihr Angebot von rund 500 auf etwa 200 Produkte verringern will. Seit Jahresanfang sind 23 DWS-Fonds vom Markt verschwun­den, zeigen Zahlen des Datenanbieters Lipper. Bei Allianz Global Investors waren es 23 Produkte, bei der Deka 13. "Vor allem sehr spezielle Produkte wie Branchenfonds oder solche für einzelne Schwellenländer werden mangels Nachfrage vom Markt verschwinden", sagt Willcocks. "Dasselbe gilt für Produkte, deren Performance schlecht ist." Für Anleger bringt das auch Vorteile. Denn bei 23 500 Fondsanteilsklassen, die Morningstar in Deutschland zählt, fällt der Überblick über gute und schlechte Produkte schwer. €uro am Sonntag stellt neben dem Carmignac Investissement fünf Fonds vor, die sich bislang in jeder Marktphase behauptet haben – fast so unerschütterlich wie die Triumphsäule auf der Place Vendôme.

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