19.11.2012 10:22
Bewerten
(4)

EZB und Staaten schieben sich bei Griechenland den Schwarzen Peter zu

Forderungsverzicht unklar: EZB und Staaten schieben sich bei Griechenland den Schwarzen Peter zu | Nachricht | finanzen.net
Forderungsverzicht unklar
DRUCKEN
Griechenlands Schuldenlast muss noch einmal verringert werden. Diese Erkenntnis bricht bei den institutionellen Gläubigern des Landes langsam Bahn.
Strittig ist nur, wer auf Forderungen verzichten soll. Laut Medienberichten will die Europäische Zentralbank (EZB) die Eurozone-Länder zu diesem Schritt bewegen. Die bringen ihrerseits einen Verzicht der EZB ins Spiel.

   Nach Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat nun auch der andere deutsche Spitzenvertreter bei der EZB einen Forderungsverzicht öffentlicher Gläubiger ins Spiel gebracht. Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen sagte in einem am Sonntagabend gesendeten ZDF-Bericht, allein mit Krediten sei dem Land nicht mehr zu helfen. Notwendig seien Lösungen, die den Schuldenstand nicht weiter erhöhten. "Das könnte beispielsweise sein, Schulden zurückzukaufen, oder die Zinsen auf die ausstehenden Kredite zu senken", sagte er.

   Dahinter steht die Erkenntnis, dass Griechenland zwar wohl kurzfristig weitere Kredite erhalten könnte, sich dadurch aber langfristig nicht die erdrückende Schuldenlast mindern lässt. Und das hat wiederum auch kurzfristige Rückwirkungen. Denn wenn die Schuldentragfähigkeit langfristig nicht gegeben ist, dann darf beispielsweise der Internationale Währungsfonds (IWF) kurzfristig kein Geld mehr geben.

   Seine Definition der Schuldentragfähigkeit ist bisher, dass Griechenlands Verschuldung bis 2020 auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zurückgeht. Die europäischen Partner wollen Griechenland dafür jedoch zwei Jahre mehr Zeit geben.

   Zwischen dem Fonds und den Eurozone-Finanzministern ist es darüber bereits zum offenen Konflikt gekommen. In Europa wird zwar überwiegend noch erwartet, dass der IWF am Ende erneut mitziehen wird, doch ist dieser Ausgang keineswegs sicher. IWF-Chefin Christine Lagarde braucht für eine Fortführung der Griechenland-Hilfen nämlich die Zustimmung ihres europakritischen Verwaltungsrats.

   In Washington wird deswegen schon seit längerer Zeit gefordert, dass nach den privaten nun auch die öffentlichen Gläubiger auf Forderungen gegenüber Athen verzichten sollen. Doch die Regierungen der Geberländer sperren sich gegen solche Vorschläge bisher - haben sie ihren Wählern doch immer gesagt, dass die Griechen-Hilfen nicht mit Verlusten verbunden sein würden. Denn die Kredite würden schließlich irgendwann zurück gezahlt.

   Doch nach Einschätzung von EZB-Direktor Asmussen sind echte Kosten für die Länder nun bald nicht mehr zu vermeiden. "Ich glaube, wir haben den Punkt ereicht, wo wir da nicht mehr ganz herum kommen", sagte er. Schon am Freitag hatte das deutsche Ratsmitglied Jens Weidmann durchblicken lassen, dass er gegen einen Schuldenschnitt gegenüber dem hoch verschuldeten Land unter Umständen nichts hätte. Weidmann hat offenbar Sympathien für die Idee, die Griechen auf diese Weise für Reformen zu belohnen.

   Ob die Euro-Länder di.esen Ball aufnehmen, könnte sich bald zeigen: Am 20. November kommen die Eurozone-Finanzminister zu ihrem nächsten Treffen zusammen. Nach derzeitigem Planungsstand soll dann darüber geredet werden, wie die Milliarden aufgetrieben werden können, die Griechenland für die oben genannte zweijährige Fristverlängerung braucht.

   Die EZB sieht sich nun aber ihrerseits Forderungen gegenüber, den Griechen Schulden zu erlassen. Auch sie hat griechische Staatsanleihen zu Kursen gekauft, die deutlich unter dem Nominalwert liegen. Der Spiegel berichtet, Deutschland wolle die EZB nun dazu bringen, ihre Forderungen gegen die Griechen um die Differenz von Nominal- und Kaufpreis zu mindern. Bisher hat EZB-Präsident Mario Draghi ein solches Ansinnen stets zurückgewiesen. Grund: Das wäre monetäre Staatsfinanzierung.

Dow Jones Newswires, November 18, 2012 13:29 ET (18:29 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 01 29 PM EST 11-18-12

Bildquellen: istock/Aleksandar Nakic, bluecrayola / Shutterstock.com

Melden Sie sich jetzt an!

Gold, Öl und Industriemetalle erleben ein Comeback: Kupfer legte beispielsweise seit Jahresbeginn über 20 Prozent zu. Welche Einstiegschancen sich nun ergeben, erfahren Sie im Online-Seminar am 19. Dezember.
Hier zum Rohstoff-Webinar anmelden!
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Charttechnischer Ausblick auf die Finanzmärkte 2018

Nicht verpassen: Am 4. Januar Live-Webinar mit einer Analyse der langfristigen Chartbildern von Zinsen, EUR/USD, Rohstoffen und Aktien. Exklusiv für den Börse Stuttgart Anlegerclub.
Kostenfrei registrieren und dabei sein!

Heute im Fokus

DAX fester -- Dow im Plus -- Bitcoin mit neuem Rekordhoch -- H&M-Aktie stürzt ab -- Airbus-Konzernchef Enders geht 2019 -- Oracle, HelloFresh, Merck KGaA, VW im Fokus

Luxemburg klagt gegen EU-Steuernachforderung an Amazon. EU strebt schnelle Fortschritte bei Bankenunion und ESM an. Tui verstärkt sich im Kreuzfahrtgeschäft. Ryanair wirft bei Fluggesellschaft Niki Hut in den Ring. Ripple marschiert auf Platz drei der größten Kryptowährungen. Steinhoff bekommt Hilfe von Tochter Steinhoff Africa Retail. Gemalto offenbar doch bereit zu Übernahmegesprächen mit Atos. CropEnergies verdient im dritten Quartal weniger.

Top-Rankings

KW 49: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 49: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Weihnachtsgeld 2017
Wer bekommt wo wieviel?

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Aktien hat George Soros im Depot
Welche ist die größte Aktienposition?
Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot
Neuer Platz Eins
Die wertvollsten Unternehmen nach Marktkapitalisierung 2017
Welches Unternehmen macht das Rennen?
Renteneintrittsalter
Hier arbeiten die Menschen am längsten
Bizarre Steuereinnahmen
Das sind die bizarrsten Steuereinnahmen der Welt
mehr Top Rankings

Umfrage

Kommt die Jahresendrally des DAX noch?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Steinhoff International N.V.A14XB9
EVOTEC AG566480
Deutsche Bank AG514000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
AIXTRON SEA0WMPJ
RWE AG St.703712
Daimler AG710000
BP plc (British Petrol)850517
Sabina Gold & Silver Corp.A0YC9U
CommerzbankCBK100
E.ON SEENAG99
BYD Co. Ltd.A0M4W9
Apple Inc.865985
Deutsche Telekom AG555750
Amazon906866