von Jens Castner, Euro am Sonntag
Mit bewundernswerter Beharrlichkeit kämpft die Dr. Zitelmann Positionierungsberatung gegen die Baisse der Immobilienaktien an. Regelmäßig veranstalten die Berliner Kommunikationsexperten auch in Frankfurt hochkarätig besetzte Symposien und Investmentkonferenzen, um auf die augenfällige Unterbewertung der Branche aufmerksam zu machen. In der vergangenen Woche etwa präsentierten sich Estavis, Hahn Immobilien, IFM und die österreichische Conwert vor Analysten und Medienvertretern. Und wieder mal wurde deutlich, dass auch sehr solide Unternehmen weit unter dem inneren Wert ihrer Liegenschaften, dem sogenannten Net Asset Value (kurz: NAV), notieren. Obwohl die Nachfrage nach Betongold wegen der Eurokrise anzieht und das Gros der Immo-AGs inzwischen solide Eigenkapitalquoten ausweist, sind die Abschläge zuletzt wieder größer geworden.
Für die Unternehmen stellt sich deshalb langsam die Frage, ob es sinnvoller ist, Immobilien zu Marktpreisen zu kaufen oder eigene Aktien unter Wert zu erwerben. Letzteres würde wenigstens vor feindlichen Übernahmen schützen. Bei Westgrund, selbst nicht auf der Konferenz vertreten, könnte sich in dieser Hinsicht etwas tun. Tageweise ziehen die Umsätze immer mal wieder kräftig an, was Börsianer als Indiz werten, dass ein Aufkäufer am Werk sein könnte. Heftig diskutiert wurden am Rand der Veranstaltung auch branchenfremde Unternehmen: Beim Kabelnetzbetreiber Primacom, den eine Schuldenlast von 340 Millionen Euro drückt, haben die Banken offenbar den
Stecker gezogen. Wetten auf eine bevorstehende Insolvenz ließen nicht lange auf sich warten.

Hier gehts zum aktuellen Heft
Auch beim Giftmüllentsorger Envio ist man sich nicht schlüssig, was von der Meldung zu halten ist, das Unternehmen sei nicht im Bestand gefährdet. Immerhin ruht der Geschäftsbetrieb am Dortmunder Hafen, seit dort Schadstoffbelastungen jenseits der tolerablen Grenzwerte festgestellt wurden. Endgültig über den Berg scheint dagegen Wige Media zu sein. Der Cashflow ist wieder positiv, die Restrukturierung trägt nach anfänglichen Schwierigkeiten Früchte. Allerdings dürfte die laufende Kapitalerhöhung zu 1,80 Euro – ein immenser Abschlag auf den Börsenkurs – das Potenzial noch eine Weile deckeln.