von Lars Winter, €uro am Sonntag
Der Titel wurde in der Vergangenheit von den meisten Anlegern zu Unrecht vernachlässigt und verfügt meines Erachtens über Nachholpotenzial. Bislang führte das Beteiligungsunternehmen an der Börse eher ein Schattendasein, dabei ist das Papier attraktiv bewertet, obendrein bieten alle fünf Beteiligungen (darunter auch der ebenfalls börsennotierte Holzwerkstoffproduzent Delignit) mittelfristig hohes Wachstumspotenzial. MBB-Vorstandschef Christof Nesemeier ist für die weitere operative Entwicklung des Portfolios zuversichtlich. Bei seinem Besuch in Frankfurt stellte er mir im Redaktionsgespräch einen konsolidierten Umsatz von bis zu 130 Millionen Euro für 2011 in Aussicht, den Nettogewinn der Firmengruppe taxierte er auf 0,70 Euro je Aktie. Das MBB-Papier wird also lediglich mit einem Achter-KGV bewertet. Das ist günstig. Zumal der Titel unter Buchwert gehandelt wird. Das Eigenkapital beträgt 7,32 Euro je Aktie, allein der Nettocash von über 20 Millionen Euro deckt mehr als die Hälfte des Börsenwerts ab. Obendrein bekommen Anleger auf Basis des aktuellen Aktienkurses eine stattliche Dividendenrendite von über fünf Prozent. In Zeiten steigender Inflationsraten und niedriger Zinsen werden Aktien mit hohen Ausschüttungsquoten für Anleger ohnehin attraktiver. Ein Fan von dividendenstarken Aktien ist Bert Flossbach vom Kölner Vermögensverwalter Flossbach von Storch. Auf einer Veranstaltung in Frankfurt skizzierte der Investmentprofi ein Zukunftsszenario, in dem sich Anleger auf hohe, möglicherweise gar zweistellige Inflationsraten im Euroraum einstellen müssen. Flossbach hält eine Lösung in der Schuldenkrise allenfalls über das Vehikel der „Financial Repression“ für möglich. Dafür müssten die Euroländer ihre Geldmengen weiter erhöhen, um ihre Schuldenquoten per Inflation zu reduzieren. Diese Lösung funktioniere laut Flossbach aber nur dann, wenn die Notenbanken die Zinsen über Jahre unterhalb der Inflationsrate halten. Das mache ausgewählte Dividendentitel für Anleger weiterhin sehr attraktiv. Im Vergleich zu Bundesanleihen bieten Titel wie Nestlé, Total oder Johnson & Johnson schon jetzt im Durchschnitt eine Mehrrendite von drei Prozentpunkten und sind damit so günstig wie nie zuvor.