Lars Winter, €uro am Sonntag
War die Stimmung auf einer der unzähligen Börsenpartys besonders gut, machte der ehemalige Fondsmanager von Julius Bär gern auch mal einen Kopfstand auf dem Barhocker. Dieses Ochner-Ritual war Kult und gehörte damals einfach dazu. Der Neue Markt war nun mal Kurt Ochner, und Ochner war der Neue Markt. Den Neuen Markt gibt es nicht mehr, Kurt Ochner schon. Und „König Kurt“ beherrscht ihn immer noch, seinen berüchtigten Kopfstand auf dem Bartisch. Unter Beweis stellte er seine Fitness jüngst zu vorgerückter Stunde am Rand einer Investorenschifffahrt auf dem Rhein.
Gut 20 Unternehmen aus dem deutschen Nebenwertebereich (unter anderem Cancom, USU Software, HPI, Datagroup, Curasan, Max21, BKN, MIC, Nanogate, November) präsentierten sich dort am Wochenende einem interessierten Fachpublikum. Auch €uro am Sonntag war mit an Bord, um sich ein Bild von der aktuellen Stimmungslage zu machen. Und die war – trotz der trüben Marktlage – überraschend gut.
Die meisten Firmen spüren nach eigenen Aussagen abgesehen von fallenden Aktienkursen von der Krise momentan wenig und wollen auch in den kommenden Jahren weiter wachsen. Der Sensorspezialist First Sensor etwa will den Umsatz bis 2015 jährlich um durchschnittlich 20 Prozent steigern. Der Onlinespiele-Anbieter Bob Mobile geht in den kommenden zwei Jahren ebenfalls von zweistelligen Wachstumsraten aus. Besser als erwartet wird es 2011 wohl für den Beschichter Impreglon laufen. Firmenchef Henning Claassen kündigte an, man wolle den prognostizierten Umsatz leicht übertreffen. 2012 plant er die Erlöse um 20 Prozent plus x zu steigern.

Hier gehts zum aktuellen Heft
Einige Firmen wie etwa die Deutsche Forfait, die mit regresslosen Forderungen handelt, profitieren sogar von der aktuellen Verunsicherung an den Finanzmärkten. Auf stürmischer See laufe das Geschäft bei den Kölnern besonders gut, hieß es. Insgesamt war die Stimmung an Bord durchaus optimistisch, und selbst die Hoffnung auf höhere Kurse war groß. Schließlich war Kurt Ochner mit an Bord. Und überall, wo der auftaucht, steigen danach meist die Kurse. Früher zumindest.
Bildquellen: istockphoto