Lars Winter, €uro am Sonntag
Vom Hoch Anfang Januar bei 4,80 Euro hatte sich der Kurs von Sanochemia jüngst bis im Tief bei 2,20 Euro mehr als halbiert. Fundamentale Gründe für den Ausverkauf gibt es eigentlich nicht. Die Halbjahreszahlen waren durchaus passabel, zudem klingt die Prognose für das Gesamtjahr zuversichtlich. 2011 wollen die Wiener bei einem Umsatz von rund 33 Millionen Euro einen deutlichen Gewinn einfahren. Warum also schmiert der Titel so ab? Spekulationen zufolge löste ein Investor große Positionen auf und brachte den Titel dadurch in Bedrängnis. Wie wir hören, trennt sich der abgebende Großaktionär aber nicht freiwillig von seinen Sanochemia-Papieren, sein Depot wird derzeit vielmehr zwangsexekutiert. Über einen österreichischen Broker werden am Markt noch immer reichlich Aktien feilgeboten, heißt es. Anleger sollten deshalb besser noch nicht voreilig auf eine Kurswende wetten. Es wäre vermutlich ein Griff ins fallende Messer.
Interessanter erscheint uns dagegen eine Spekulation auf die Aktie des Medizintechnikers Curasan. Diesem winken vielleicht schon bald hohe Schadensersatzzahlungen, die dem Titel bei einem Zuspruch ordentlich Auftrieb geben könnten. Zum Hintergrund: Curasan hatte im Februar 2011 einen europaweiten Kooperationsvertrag mit dem schweizerischen Medizintechnikkonzern Stryker geschlossen. Nachdem dieser jedoch im Mai überraschend den Curasan-Konkurrenten Orthovita übernommen hat, ist die Kooperation obsolet geworden. Die Produktsortimente von Curasan und Orthovita überschneiden sich derart stark, dass der abgeschlossene Vertriebsvertrag hinfällig wird. Curasan stehen nach eigenem Bekunden nun hohe Schadenersatzzahlungen zu. Ob das Unternehmen die Sache gerichtlich durchfechten muss, hängt vom Zutun Strykers ab. Die Eidgenossen sollen jedoch bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert haben, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wie hoch ein möglicher Schadenersatz ausfallen kann, ist offen. Insider halten aber eine Zahlung von über zehn Millionen Euro für denkbar.

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Eine Summe, die fast dem halben Börsenwert von Curasan entspricht. Der Aktie verleiht das eine Menge Kursfantasie.
Bildquellen: BMU/H.-G. Oed