von Lars Winter, Euro am Sonntag
Nachdem die Aktie in den vergangenen Monaten kontinuierlich an Wert verlor, legte der TecDAX-Titel jüngst um stattliche 30 Prozent zu. Für den Kurssprung könnte neben dem freundlichen Marktumfeld auch die Nachricht verantwortlich sein, dass die EU-Kommission ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche eingeleitet hat und damit einer Forderung von Solarworld-Chef Frank Asbeck nachkommt. Das Kursfeuerwerk könnte allerdings auch in dem Gerücht begründet sein, das €uro am Sonntag zugetragen wurde. Danach soll Solarworld den Rückkauf von Anleihen planen — zum einen, um die hohe Verschuldung abzubauen und zum anderen, um der späteren Rückzahlung zu entgehen, die der Konzern zumindest aus heutiger Sicht kaum stemmen dürfte. In der Tat ist der Marktwert dieser Schulden momentan so günstig wie nie zuvor. Die beiden Anleihen, die 2016 und 2017 fällig werden und einst zusammen rund 550 Millionen Euro einspielten, werden aktuell zu Kursen von 26 und 23 Prozent gepreist. Beide Bonds bringen damit nur noch einen Börsenwert von rund 130 Millionen Euro auf die Waage. Angesichts der mehr als 300 Millionen Euro, die aktuell bei Solarworld noch in der Portokasse liegen, wäre theoretisch selbst der komplette Rückkauf über den Markt oder ein Übernahmeangebot zu einem ordentlichen Aufpreis finanziell zu stemmen. Selbst wenn Solarworld nur einen Teil der Bonds zurückkauft, könnte der Konzern einen außerordentlichen Gewinn erzielen und die Eigenkapitalquote erhöhen. Das Management will sich zu den Spekulationen verständlicherweise nicht äußern. Im Gespräch mit €uro am Sonntag stellte Finanzvorstand Philipp Koecke jedoch klar, dass er sich mit dem vorhandenen Liquiditätspolster recht wohl fühle. „Cash is king“, sagt Koecke, der in der jetzigen Phase, in der vor allem für Unternehmen aus der Solarbranche eine Refinanzierung sowie die Aufnahme von neuem Kapital schwierig sei, das Geld auch im Sinne des Aktionärs lieber zusammenhalten will. Da das letzte Wort in diesem Punkt wohl noch nicht gesprochen sein dürfte, bleibt die Aktie weiterhin ein heißes Eisen.