Lars Winter, €uro am Sonntag
Sicher, Krisen und Crashs hat es in der Vergangenheit schon häufig gegeben, doch die Intensität, mit der die aktuelle Marktkorrektur vonstattengeht, ist einmalig. Noch nie in der Geschichte der deutschen Börse gab es im DAX elf Verlusttage hintereinander.
Schlimmer noch, innerhalb von nur zwei Wochen verlor der Leitindex mehr als ein Viertel seines Wertes und damit die Performance von 18 Monaten. Die Geschwindigkeit, mit der sich Renditen praktisch über Nacht in Schall und Rauch auflösen, erfordert auch von den Anlegern ein Umdenken. Dass die Volatilität an den Börsen wohl nachhaltig hoch bleiben wird, ist auch der Schnelllebigkeit unserer Zeit geschuldet.
Am Aktienmarkt sorgen mittlerweile hauptsächlich Computerprogramme für einen vollautomatisierten Ablauf. Der sogenannte algorithmische Handel führt in Windeseile Käufe oder Verkäufe aus und überrumpelt damit die meisten Privatanleger.
Selbst Profis sind überfordert. Auch sie klagen, dass ihnen kaum noch Zeit bleibe, die Fülle an Informationen richtig zu deuten, auf aktuelle Nachrichten mit Sachverstand zu reagieren, geschweige denn Spekulationen überhaupt zu überprüfen. „Auf Gerüchte wird sofort verkauft, danach erst gedacht“, sagte mir dieser Tage ein Broker in Frankfurt. Und da sich Gerüchte heutzutage über Internetplattformen wie Facebook und Twitter oder Smartphone-Chats wie WhatsApp blitzschnell und anonym verbreiten, ist eine gründliche Überprüfung auch für uns Journalisten kaum möglich. Und läuft das Verkaufssystem erst einmal an – wie es jüngst nach den urplötzlich aufgetauchten Gerüchten um eine finanzielle Schieflage der französischen Bank Société Générale zu beobachten war –, lässt es sich selbst mit einem Verbot von Leerverkäufen nur schwer stoppen.
Anleger sollten dennoch Ruhe bewahren und nachdenken, bevor sie handeln. Führen Sie sich die Chancen vor Augen, die der Ausverkauf bietet. Anregungen finden Sie nicht nur in unserer Titelgeschichte, in der wir alle DAX-Aktien einem ausführlichen Stresstest unterzogen haben. Investmentchancen werden sich in den nächsten Tagen auch im Nebenwertesegment auftun.
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