Von Noemie Bisserbe
THE WALL STREET JOURNAL
PARIS (Dow Jones)--Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die Banken des Landes erneut in ein unangenehmes Rampenlicht gerückt: Nach dem Verlust der Bestnote des Landes droht den Banken das gleiche Schicksal.
Seit Monaten kämpfen die Institute mit einem sich zuspitzenden Umfeld, die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich verschlechtert und ihre Aktienkurse sind seit Beginn des Sommers massiv eingebrochen. Investoren sorgen sich um das Engagement der Banken in Staatsanleihen der krisengeschüttelten Randstaaten Europas.
Mit umfangreichen Restrukturierungsplänen, Stellenstreichungen und der Ankündigung, sich aus verschiedenen Geschäftsfeldern und Regionen zurückzuziehen, versuchten die drei größten Institute BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole die nervösen Anleger zu beruhigen und ihre Kapitalpuffer zu stärken. Dennoch setzte S&P die drei zusammen mit anderen Banken der Eurozone im Dezember auf die Beobachtungsliste für eine Abstufung.
Über die drohende Herabstufung Frankreichs war schon lange spekuliert worden. Als sie am Freitag verkündet wurde, bewahrheitete sich eine Befürchtung indes nicht: Dass die Kreditwürdigkeit des Landes gleich um zwei Stufen gesenkt werden könnte.
Damit dürfte zumindest BNP Paribas, die größte französische Bank nach Marktwert, aus dem Schneider sein. In einer Studie vom Dezember hatte S&P die Bank unter der Prämisse auf den Prüfstand gestellt, dass das Rating von Frankreich um "mehr als eine Stufe" gesenkt werde.
Die Societe Generale SA und Credit Agricole dürften nach Einschätzung von Natixis-Analyst Elie Darwish dagegen herabgestuft werden, angesichts der angenommenen staatlichen Unterstützung die ihren Bonitätsnoten zu Grund liege.
Sprecher der Societe Generale und der BNP Paribas lehnten eine Stellungnahme ab, Credit Agricole war nicht umgehend zu erreichen. S&P benotet Societe Generale und Credit Agricole derzeit mit "A+", BNP mit "AA-".
Moody's hatte im Dezember bereits den Daumen über den drei Instituten gesenkt. Die Ratingagentur begründete dies mit einer geringeren systemischen Unterstützung und einer deutlichen Verschlechterung der Liquiditäts- und Finanzierungsbedingungen. Fitch Ratings nahm die Bonitätsnoten für BNP und Credit Agricole zurück und begründete die Entscheidung mit einem "härteren Gegenwind in der Bankenbranche".
Eine weitere Abstufung könnte den Banken die Finanzierung weiter erschweren. "Sie werden sich vermutlich verstärkt an die Europäische Zentralbank wenden", sagte Jon Peace, ein Analyst bei Nomura Equity Research.
Einige Marktteilnehmer spielten die Auswirkungen einer möglichen Abstufung dagegen herunter. Zwar werde den Banken die Aufnahme auf dem Geldmarkt erschwert, "katastrophal" werde die Lage aber nicht, schätzt Pierre Flabbee, Analyst bei Kepler Capital Market. "Die Märkte haben Frankreich bereits abgestuft", sagte er. "es ist offensichtlich, dass die Märkte die Änderung des Ratings größten Teils erwartet haben."
BNP-CEO Jean-Laurent Bonafe äußerte sich im Gespräch mit einer Zeitung zuversichtlich, dass Frankreich die Bestnote AAA innerhalb von fünf Jahren zurückerhalten könne. Das solle aber kein Ziel an sich sein, sagte Bonafe der Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche". "Das ist ein Signal, das nichts als selbstverständlich vorausgesetzt werden sollte. Aber es ist kein nationales Drama", sagte er.
Mit dem Verlust der Bestnote werde anerkannt, dass sich zwischen Deutschland und Frankreich eine Kluft gebildet habe, insbesondere beim Wirtschatswachstum. Der Manager forderte Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und Wachstum zu fördern.
Die Finanzierungskapazitäten der Banken seien davon nicht beeinflusst. "Unsere Kapazitäten und die anderer französischer Banken sind absolut intakt", sagte er.
-Von Noemie Bisserbe, The Wall Street Journal;
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