Von Eyk Henning
FRANKFURT/LISSABON--Die anstehende Privatisierung des staatlichen Flughafenbetreibers ANA-Aeroportos de Portugal stößt auf reges Interesse. Rund zehn potenzielle Bieter beschäftigen sich mit dem Erwerb, wie mehrere Informanten zu Dow Jones Newswires sagten. Dazu zählt auch der deutsche Flughafenbetreiber Fraport. Ein Sprecher von Fraport sagte auf Anfrage, man habe sich mit der australischen Industry Funds Management zu einem Konsortium zusammengeschlossen.
Für Fraport sind Beteiligungen an Flughäfen im Ausland nicht Neues. Das Frankfurter Unternehmen ist bereits bei 13 Flughäfen auf vier Kontinenten aktiv und bietet seine Expertise über zahlreiche Tochtergesellschaften an - unter anderem in Antalya, Lima, Neu Delhi, St. Petersburg und Xi'an.
Ein Erfolg von Fraport in Portugal ist aber ungewiss - der Wettbewerb ist scharf. Der französische Flughafenbetreiber Aéroports de Paris gehört ebenso zu den Interessenten wie der türkische Wettbewerber TAV oder Changi aus Singapur, wie die Informanten sagten. Weitere Infrastrukturfonds wie GIP und Macquarie sind ebenso im Rennen wie einige Pensionsfonds aus Nordamerika. Im Bieterumfeld wird erwartet, dass sich mehrere Käuferkandidaten zusammenschließen werden.
Insgesamt hätten zehn mögliche Bieter Informationen über den portugiesischen Flughafenbetreiber erhalten, hieß es. Gebote für die erste Runde der Auktion würden im Oktober erwartet, sagte eine der Quellen. Mit der Abgabe verbindlicher Offerten könne die Auktion dann Anfang Dezember in den Schlussspurt gehen. Ein Sprecher der portugiesischen Regierung wollte die Informationen nicht kommentieren.
Die Regierung Portugals sowie Luftfahrtexperten haben dem Flughafenbetreiber im Sommer einen Wert von 1,6 Milliarden Euro zugebilligt. Auf diese Summe kommt man, wenn ähnliche Transaktionen in der Branche zugrunde gelegt werden. Die Bewertung ergibt sich dabei aus dem Achtfachen des Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen im vergangenen Jahr.
Der angepeilte Verkauf des Flughafenbetreibers ist Teil des Privatisierungsprogramms in Portugal. Das Land muss sich von einigen Staatsunternehmen trennen, um Auflagen der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds zu erfüllen. Portugal war im Zuge der Staatsschuldenkrise in Finanznot geraten und musste sich Unterstützung holen. Im Gegenzug für die erhaltenen 78 Milliarden Euro ist jetzt hartes Sparen und der Verkauf von staatlichen Unternehmen angesagt.
Im Falle des Flughafens könnte die Regierung auch die Möglichkeit haben, zunächst lediglich das Management von ANA an ein Unternehmen zu übertragen. In einem solchen Fall würde dieses Unternehmen dann die Option erhalten, den Flughafen erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erwerben, sagte einer der Informanten. Ein solches Vorgehen müsse aber noch von der EU-Kommission abgenickt werden, darauf warte die Regierung Portugals derzeit.
Im Gegensatz zur vielversprechend gestarteten Verkaufsauktion des Flughafenbetreibers ist die ebenfalls anstehende Privatisierung der staatlichen Fluglinie TAP zuletzt etwas ins Stottern geraten. Wie ANA muss auch die Airline bis Jahresende verkauft werden. Lufthansa und das fusionierte Unternehmen aus Iberia und British Airways hatten zwar zwischenzeitlich Interesse signalisiert. Dann gaben beide Gesellschaften aber bis zur geforderten Frist kein Angebot ab, weil beide Airlines mit der Lösung eigener Probleme genug zu tun haben. Laut informierten Personen wurden für TAP lediglich drei Gebote abgegeben. Eines davon kommt von der Holding des Chefs der kolumbianischen Fluggesellschaft Avianca.
Insgesamt betrachtet ist das Privatisierungsprogramm Portugals aber auf gutem Weg. So wurde bereits gut ein Fünftel des Energieversorgers EDP-Energias de Portugal für 2,7 Milliarden Euro nach China an den Betreiber des Drei-Schluchten-Staudamms verkauft.
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October 05, 2012 10:36 ET (14:36 GMT)
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