Von Heide Oberhauser-Aslan und Eyk Henning
Der Gesundheitskonzern Fresenius steht kurz vor einem erneuten Anlauf Rhön-Klinikum zu übernehmen - knüpft eine zweite Offerte aber an eine entscheidende Bedingung: Um rasch beim fränkischen Klinikenbetreiber durchregieren und Synergien heben zu können, soll die Kapitalseite im Rhön-Aufsichtsrat ihren Hut nehmen, wie mehrere mit der Sache vertraute Personen sagten. Sollte diese Bedingung erfüllt werden, werde Fresenius innerhalb der kommenden Tage ein neues Angebot vorlegen.
Der Fresenius-Aufsichtsrat wird in diesem Fall einem erneuten Anlauf wohl keine Steine in den Weg legen, wie eine der informierten Personen sagte. Auch die Gespräche mit dem Rhön-Vorstand seien auf einem guten Weg, sagten mehrere Personen übereinstimmend. Beide Gremien sowie die Finanzaufsicht BaFin müssen nach deutschem Aktienrecht einem zweiten, innerhalb kurzer Zeit vorgelegten Übernahmeangebot zustimmen.
Bei einer neuen Offerte würde sich Fresenius mit einem Anteil von knapp über 50 Prozent am fränkischen Klinikenbetreiber zufrieden geben. Die Bad Homburger waren mit einem ersten Angebot an der selbst auferlegten Bedingung gescheitert, mindestens 90 Prozent der Rhön-Aktien angedient zu bekommen. Der Angebotspreis der neuen Offerte solle weiterhin bei 22,50 Euro je Aktie liegen und Rhön damit mit insgesamt 3,1 Milliarden Euro bewerten, wie Dow Jones Newswires bereits zuvor von mit der Transaktion vertrauten Personen erfuhr.
Mit einer angepassten Offerte würde Fresenius auf die veränderte Machtkonstellation bei Rhön-Klinikum reagieren. Anfang der Woche meldete der hessische Pharmakonzern B. Braun Melsungen, dass er über 5 Prozent an Rhön hält. Zuvor hat sich bereits der Hamburger Klinikkonzern Asklepios bei Rhön-Klinikum in Stellung gebracht und mitgeteilt, mindestens 5,01 Prozent an dem fränkischen Konkurrenten zu halten.
In der Branche wird aber darüber spekuliert, dass Asklepios sogar schon knapp 10 Prozent hält. Anteile unterhalb der meldepflichtigen Schwelle von 3 Prozent hält Insidern zufolge zudem die Ismaninger Klinikgruppe Sana. Eugen Münch, Rhön-Gründer und Befürworter der Transaktion, hält 12,45 Prozent an der Klinikkette.
In einem ersten Versuch hatte Fresenius am Ende lediglich 84,3 Prozent des Grundkapitals und der Stimmrechte erreicht. Einen Strich durch die Rechnung machte den Bad Homburgern der Eigentümer des Klinikwettbewerbers Asklepios, Bernhard Broermann, der den neuen mächtigen Klinikkonzern mit der Fresenius-Krankenhaustochter Helios und Rhön-Klinikum mit allen Mitteln verhindern will. Broermann kaufte vor Ablauf der Fresenius-Offerte 5,01 Prozent an Rhön-Klinikum. Erfahrungsgemäß erreicht ein Übernahmeangebot nie alle Kleinaktionäre. Auch das Verhalten von Hedge-Fonds war ungewiss.
Kontakt zu den Autoren: heide.oberhauser@dowjones.com und eyk.henning@dowjones.com
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August 28, 2012 12:59 ET (16:59 GMT)
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