Von Heide Oberhauser-Aslan
WALL STREET JOURNAL DEUTSCHLAND
BAD HOMBURG (Dow Jones)--Bei Fresenius stehen die Zeichen weiter auf Wachstum. Während andere Konzerne fürchten müssen, dass die Eurokrise sie in diesem Jahr belasten wird, plant der Gesundheitskonzern aus Bad Homburg auch im hundertsten Jahr seines Bestehens wie selbstverständlich mit mehr Umsatz und Ertrag. "Wie 2011 gehen wir auch 2012 davon aus, dass wir den Konzernumsatz und den Gewinn erneut steigern", kündigte Vorstandschef Ulf M. Schneider im Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland (wsj.de) an.
Es sind die globalen Trends, die den 46-Jährigen so sicher machen. In den westlichen Industrienationen steigt die Zahl der alten Menschen und mit ihr der Bedarf an medizinischer Versorgung. Zugleich heben immer höhere Qualitätsstandards die Nachfrage. Und in den Schwellenländern Lateinamerikas und Asiens ist das Versorgungsniveau niedrig. Hier herrscht in punkto Gesundheit Nachholbedarf.
"An beiden Trends wollen wir voll und ganz partizipieren", sagte Schneider, der den Konzern seit fast neun Jahren führt und ihn von einem weitgehend unbekannten Mittelständler zu einem Weltkonzern mit 150.000 Mitarbeitern gemacht hat. Unter seiner Ägide hat sich der Aktienkurs gut versechsfacht. Seit März 2009 gehört Fresenius dem deutschen Leitindex Dax an.
Die größten Wachstumschancen sieht Schneider heute in Lateinamerika und Asien. "In den kommenden drei Jahren wollen wir in den Schwellenländern den Umsatz im Mittel jährlich um 15 Prozent bis 17 Prozent steigern."
15 Prozent des Gesamtumsatzes von fast 16 Milliarden Euro machte Fresenius 2010 in diesen Regionen, aus Europa kamen 41 Prozent der Einnahmen und aus Nordamerika der Löwenanteil mit 45 Prozent.
Auf dem wichtigsten Einzelmarkt USA lief es für die Dialysetochter FMC im vergangenen Jahr nicht ganz so gut. Ein neues Abrechnungssystem für die teure Blutwäsche sorgte für deutliche Preisabschläge. Doch Schneider ist überzeugt, dass die Dialyse-Abrechnung keine weiteren Probleme verursachen wird. "Wir gehen davon aus, dass sich das Umsatzwachstum 2012 bei der FMC in Nordamerika wieder etwas verbessern wird."
Weiter profitieren, so hofft Schneider, wird Fresenius in den USA mit seiner Sparte Kabi von anhaltenden Lieferengpässen der Konkurrenz bei generischen intravenösen Medikamenten. Schon 2011 hatte Kabi erheblich abgestaubt, weil Wettbewerber wegen Qualitätsproblemen nicht am Markt waren.
Hier profitierte Schneider von der milliardenschweren Übernahme des Generikaherstellers App Pharmaceuticals, mit der Fresenius 2008 Aufsehen erregte. Mit ihr erschloss er Kabi den US-Markt.
App Pharmaceuticals war die letzte von drei Großakquisitionen, mit denen Schneider strategische Lücken füllte. Gestartet ist der vergleichsweise junge Manager zunächst als Finanzvorstand bei FMC, wo er sich zielstrebig für höhere Aufgaben qualifizierte. Zuvor war er beim Mischkonzern Haniel.
Eingekauft hat Schneider auch den Krankenhauskonzern Helios. Auch hier sieht er 2012 gute Wachstumsaussichten, zumal auch wieder mehr Krankenhäuser privatisiert würden. Ein "gutes Volumen an Privatisierungen" erwartet Schneider in diesem Jahr.
Auch andere Zukäufe stehen bei Schneider in diesem Jahr auf dem Zettel, und das in allen Geschäftsbereichen. Der Gesundheitsmarkt befinde sich in einem fortwährenden Konsolidierungsprozess, an dem Fresenius teilhaben wolle, sagte er.
Wann er erneut einen ganz großen Schritt wagt, ließ er offen. "Wir arbeiten nicht nach dem Muster, dass alle paar Jahre ein großer Deal stattfinden muss", es komme auf passende Gelegenheiten an, die den Konzern voranbringen. Eine strategische Lücke sieht er bei Fresenius nicht mehr. "Dann sind das fakultative Gelegenheiten und nicht solche, die man aus einer Notwendigkeit heraus wahrnehmen muss", setzt er hinzu und freut sich.
Finanziell seien Zukäufe kein Problem, auch wenn der Verschuldungsgrad nach den jüngsten Übernahmen langsam an die selbst gesteckte Obergrenze heranreiche. Wie bisher will er bei Fresenius Akquisitionen "aus dem laufenden Cash-Flow und mit Fremdkapital" finanzieren und "so lange wie möglich eine Kapitalerhöhung vermeiden" .
-Von Heide Oberhauser-Aslan, Wall Street Journal Deutschland,
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