25.10.2012 16:51
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GESAMT-ROUNDUP: Bahn will Kraft-Zusage für Bahnstrom - Zugausfälle drohen

    ESSEN (dpa-AFX) - Die Deutsche Bahn befürchtet für den kommenden Winter in Nordrhein-Westfalen Zugausfälle wegen fehlenden Bahnstroms. An sehr kalten Tagen könnten bis zu 30 Prozent weniger Züge fahren, falls das Kohlekraftwerke Datteln wie vorgesehen Ende Dezember abgeschaltet werde, sagte Bahnchef Rüdiger Grube den Zeitungen der WAZ-Gruppe (Donnerstag). Er forderte eine Ausnahmeerlaubnis für den Weiterbetrieb der alten Kraftwerksblöcke des Energiekonzerns Eon . Notfalls werde er Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) um ein Gespräch bitten.

 

    NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) versicherte, die Landesregierung arbeite an einer Lösung. Alle Beteiligten einschließlich der Bahn seien am 5. November zu einem weiteren Gespräch ins Wirtschaftsministerium eingeladen. "Für Panikmache habe ich deshalb kein Verständnis." Notfalls stünden andere Energieversorger für die Produktion von ausreichend Bahnstrom bereit. Der "Rheinischen Post" sagte er: "Ich bin sicher, dass es in NRW im kommenden Winter keine Zugausfälle wegen einer unzureichenden Versorgung der Bahn mit Strom geben wird."

 

    Grube warnte: "Wenn die Stilllegung kommt und nichts passiert, ist die Gefahr groß, dass die Bahn an sehr kalten Wintertagen in den Morgenstunden Engpässe bei der Versorgung haben könnte. In solchen Fällen müssen wir, um einen Zusammenbruch des Netzes zu vermeiden, Züge herausnehmen." Dann könnten Züge stundenweise im Ruhrgebiet stillstehen oder ganz ausfallen.

 

    Hintergrund der Befürchtungen Grubes sind die Probleme von Eon am Kraftwerkstandort Datteln. Der Milliardenneubau liegt wegen juristischer Auseinandersetzungen weitgehend auf Eis. Eon will deshalb seine Ankündigung rückgängig machen, die alten Kraftwerksblöcke Ende 2012 abzuschalten. Das haben die Gerichte bislang abgelehnt.

 

    Eon wartet derzeit auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu den Altmeilern. Darüber hinaus gebe es Gespräche mit Behörden und Ministerien, bestätigte eine Sprecherin. Alle Beteiligten würden nach einer "rechtssicheren Darstellung für einen Weiterbetrieb" suchen. Eon arbeitet derzeit an einer langfristigen Lösung. Für den speziellen Bahnstrom soll ein Umformer gebaut werden. Der wird aber erst Anfang 2014 fertig.

 

    Die drei Altblöcke in Datteln liefern rund 300 Megawatt Bahnstrom. Das ist ein Fünftel des Bahnbedarfs. Weitere 110 Megawatt kommen aus einem Steag-Kraftwerk in Lünen. Bahnstrom wird mit einer anderen Frequenz als der allgemeine Strom geliefert. Neben der Grundversorgung benötigt die Bahn im Winter noch zusätzlichen Strom unter anderem für Weichenheizungen, Zugvorheizungsanlagen und allgemeinen Heizungen in Zügen.

 

    Die CDU forderte die Landesregierung auf, dem Landtag bis zum 1. Dezember ein Konzept vorzulegen, wie sie Versorgungsengpässe und ein Verkehrschaos abwenden will.

 

    Für den Herbst gibt die Bahn unterdessen weitgehende Entwarnung. Bahnkunden müssten in Nordrhein-Westfalen nur noch wenige wetterbedingte Verspätungen einkalkulieren. Die Bahn hat die Bremssysteme weiter verbessert und setzt zusätzlich nachts Reinigungszüge ein. Auf einen schwierigen Strecken dürften bestimmte Zugtypen aber nur mit gedrosselter Geschwindigkeit fahren. "Die Folge können Verspätungen von wenigen Minuten sein", sagte ein Sprecher./wd/tsp/DP/wiz

 

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