MAINTAL/BÜDELSDORF/MONTABAUR (dpa-AFX) - Von Eintrübung der Konjunktur keine Spur: Die im
TecDax (
TecDAX) notierten Unternehmen
Drillisch, Freenet und United Internet(
United Internet) haben in ihren Geschäften im dritten Quartal noch keinen Rückgang zu spüren bekommen. Die Unternehmen profitieren von der weiterhin starken Nachfrage nach breitbandigen Internetzugängen - ob mobil oder zu Hause. Die deutschen Kunden zeigen offenbar nach wie vor noch keine Zurückhaltung bei der Nutzung von datenintensiven Kommunikationsdienstleistungen.
DRILLISCH ÜBERZEUGT OPERATIV UND MIT AUSBLICK
Der Mobilfunkserviceprovider Drillisch verdiente operativ erneut mehr. Das Management ist sogar so zuversichtlich, das Betriebsergebnis 2012 mit rund 58 Millionen Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes EBITDA) im Vergleich zu diesem Jahr zu steigern. Zudem kündigte das Unternehmen, Aktienrückkäufe im Umfang von vier Prozent des Kapitals an. Der Umsatz legte um gut zwei Prozent auf 86,6 Millionen Euro zu, während Experten mit einem Rückgang gerechnet hatten. Das bereinigte EBITDA stieg mit rund 11 Prozent auf 13,9 Millionen Euro in etwa wie von Analysten erwartet.
Am Freitag stehen die endgültigen Zahlen zur Veröffentlichung an. Dann werden Aktionäre erfahren, ob wie im zweiten Quartal Kurssicherungsgeschäfte für die an Freenet gehaltenen Aktien das Finanzergebnis belastet haben.
Für Unruhe hatte Anfang der Woche der von der Deutschen Telekom geäußerte Betrugsvorwurf gesorgt. Die Bonner hatten Drillisch als Service-Provider Provisionsbetrug vorgeworfen und die Zusammenarbeit gekündigt. Dem Vernehmen nach hat Drillisch mehrere Tausend SIM-Karten an ein Unternehmen verkauft, das diese Karten ausschließlich für Textnachrichten verwendet. Der Streit dreht sich nun offenbar darum, ob lediglich für separate Kundenverhältnisse Provisionen anfallen oder für die Anzahl aktiver SIM-Karten. An der Börse brach der Drillisch-Kurs zwischenzeitlich von 8,39 Euro in der Spitze um fast 60 Prozent ein. Am Donnerstag lag die Aktie um knapp ein Prozent im Plus bei 6,19 Euro.
FREENET MIT WENIGER KUNDENVERLUSTEN, AUSBLICK ERHÖHT
Freenet, der Serviceprovider aus Büdelsdorf bei Hamburg, mit dem der Drillisch-CEO Paschalis Choulidis schon seit geraumer Zeit seine Geschäfte zusammenlegen will, hat mit seinen Geschäftszahlen ebenfalls überzeugt. Vor allem der Ausblick stimmte Börsianer freudig: Im Gesamtjahr soll nun mit mehr als 3,1 Milliarden Euro Umsatz ein um Einmaleffekte bereinigtes EBITDA von 355 Millionen Euro erwirtschaftet werden. Damit hob Konzernchef Christoph Vilanek die Latte ein wenig höher als zuvor. Am Markt stemmte sich die Aktie daraufhin gegen das schwache Umfeld und hielt sich zum Mittag etwas im Plus.
Die Büdelsdorfer konnten die Kundenverluste etwas eindämmen. Nach dem Verlust von rund 271.000 Verträgen im ersten Halbjahr kehrten dem Unternehmen von Juli bis September nur noch 45.000 Kunden den Rücken. Aufs Jahr will Freenet im Vertragssegment weniger als 420.000 Vertragskunden verlieren. Der Trend zum Angebot mit geringen Zusatzleistungen, das aus günstigen Tarifen besteht, aber dafür nahezu ohne Kundenbetreuung auskommt, ist ungebrochen. Allein in den vergangen drei Monaten gewann das Angebot 170.000 Kunden.
Nach wie vor steht im Vergleich zum Vorjahr bei den Kunden insgesamt ein Minus zu Buche. Konsequenz ist der mit 829 Millionen Euro um rund 2 Prozent geschrumpfte Umsatz. Beim durchschnittlichen Erlös je Kunde erzielte man im Vergleich zum Vorjahr nur bei den Vertragskunden ein leichtes Plus von rund 10 Cent auf nun 24,6 Euro. Bei den Kunden mit Guthaben-Karten (Prepaid) und im Bereich der Angebote mit geringer Betreuung sanken die Erlöse. Das operative Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging etwas auf 84,2 Millionen Euro zurück, unter dem Strich standen nach 28,6 Millionen Euro im Vorjahr dieses Mal 30,9 Millionen Euro.
UNITED INTERNET SCHRAUBT KUNDENZIELE ERNEUT HOCH
Auch United Internet blickt weiter positiv gestimmt in die geschäftliche Zukunft. Vorstandschef Ralph Dommermuth rechnet nun mit noch mehr Kundenzuwachs. Im Gesamtjahr sollen es 900.000 Kunden mehr sein. Schon im Verlauf das Jahres hatte der Internetdienstleister die Prognose von 700.000 Neuverträgen wiederholt nach oben geschraubt. Am Markt nahmen Börsianer die Zahlen in ersten Reaktionen positiv auf, und auch bis zum Mittag hielten sich die Titel etwas besser als der TecDax.
Grund der Zuversicht sind die bisherigen Erfolge: In den ersten neun Monaten gewann der Geschäftsbereich Access, also Internetzugängen über Breitbandleitungen und Mobilfunk, bereits netto 280.000 Kunden. Im Bereich Applications, also Internet-Anwendungen für kleine und mittlere Unternehmen, kamen 330.000 kostenpflichtige Verträge dazu. Und das Kundenwachstum soll weitergehen: In die Werbung für das im Sommer 2010 in Deutschland gestartete Produkt "1&1 Do-it-Yourself-Homepage" will Dommermuth bis Jahresende 35 Millionen Euro stecken. 10 Millionen davon sind schon ausgegeben. Nach der guten Erfahrung hierzulande soll das Produkt jetzt im Ausland die Kundenzahl nach oben treiben. "Der Markt ist riesig. Alleine in den USA gibt es 22 Millionen kleine Gewerbebetriebe", sagte Dommermuth der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX.
Der Wachstumskurs hat sich ausgezahlt. Die Erlöse wuchsen im Vergleich zum Vorjahr um gut zehn Prozent auf 528 Millionen Euro. Analysten hatten bereits damit gerechnet, dass die Investitionen in die neuen Geschäftsfelder das operative Ergebnis etwas belastet haben dürften. Sie behielten Recht: Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging um etwas mehr als vier Prozent auf 85 Millionen Euro zurück. Vorleistungsankäufe und Smartphone-Subventionen waren nach Unternehmensangaben die größten Belastungen für die Gewinnspanne. Unter dem Strich blieben mit knapp 44 Millionen Euro jedoch sieben Prozent mehr übrig./men/fn/wiz