04.04.2012 16:29
Bewerten
 (0)

GESAMT-ROUNDUP2: Ölmultis müssen Rechenschaft ablegen

    BONN/BERLIN (dpa-AFX) - Bundeskartellamt und Bundesregierung wollen wegen der höchsten Benzinpreise aller Zeiten die marktbeherrschenden Mineralölkonzerne stärker an die Leine nehmen. Weil die fünf Ölmultis freien Tankstellen Kraftstoff teurer verkauft haben sollen als den eigenen, haben die Wettbewerbshüter am Mittwoch offiziell ein Verfahren eingeleitet. Es lägen eine Reihe von Beschwerden freier Tankstellen über die Preisforderungen der Mineralölkonzerne vor. Diese halten den Kartellamts-Vorwurf für nicht nachvollziehbar.

 

    Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) begrüßte das Vorgehen im Sinne eines fairen Wettbewerbs. Die rund 1800 freien Tankstellen sind auf die Belieferungen aus den Raffinerien der großen Fünf angewiesen. Sprecher von Aral und Shell (Royal Dutch Shell Grou a) erklärten am Mittwoch, sie hätten bereits seit Jahren Mechanismen und Systeme installiert, um derartige Kraftstoffverkäufe zu unfairen Preisen zu verhindern.

 

KAUM AUSWIRKUNGEN AUF VERBRAUCHER

 

    Für den Verbraucher dürfte der Vorgang kaum Auswirkungen haben, zumal frühere Vorstöße der Wettbewerbshüter oft versandet sind. Das Bundeskartellamt steht in der Kritik, seit Jahren zu wenig gegen die intransparente Preisgestaltung im Mineralölbereich auszurichten.

 

    Die Autofahrer in Deutschland müssen derzeit in Deutschland so viel fürs Tanken bezahlen wie nie zuvor. Daher diskutiert die Politik verschiedene Wege, um den Rekordständen an den Zapfsäulen Einhalt zu gebieten - unter anderem wurde eine Erhöhung der Pendlerpauschale von Rösler ins Gespräch gebracht. Sie liegt derzeit bei 30 Cent pro Kilometer und kann bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

 

    Die Bundesländer, aber auch die Fraktionen von Union und FDP fordern, dass die Bundesregierung und das Kartellamt Preisfesseln für Tankstellen prüfen sollen. Eine Variante wäre das in Westaustralien praktizierte Modell, wo am Vortag von jeder Tankstelle an eine Behörde gemeldet werden muss, welchen Literpreis man am nächsten Tag verlangt. Dieser darf dann 24 Stunden lang nicht verändert werden.

 

AUSTRALIEN-MODELL

 

   Kartellamts-Präsident Andreas Mundt will prüfen, ob das Modell nur für die fünf marktbeherrschenden Unternehmen gelten könnte. Die freien Tankstellen könnten dann jederzeit auf diese Preise reagieren. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen, Axel Graf Bülow, betonte, dieser Vorschlag müsse in Ruhe bewertet werden.

 

    Die Linke forderte wegen der undurchsichtigen Preisbildung eine Genehmigungspflicht für jegliche Erhöhungen. "Benzinpreise müssen endlich im Interesse der Bürgerinnen und Bürger begrenzt und kontrolliert werden", sagte Parteichefin Gesine Lötzsch in Berlin.

 

    Bei dem vom Kartellamt eingeleiteten Verfahren geht es darum, dass BP/Aral, Esso, Jet, Shell und Total freien Tankstellen in mehreren Fällen Otto- und Dieselkraftstoff zu Preisen verkauft haben sollen, die höher waren, als bei eigenen Tankstellen. "Solchen Verdachtsmomenten gehen wir konsequent nach", sagte Mundt. Freien Tankstellen müssten zu fairen Bedingungen beliefert werden, "um dem Oligopol der großen Fünf Wettbewerb machen zu können".

 

    Eine Sprecherin von Minister Rösler begrüßte das Vorgehen und verwies auf jüngste Regierungsmaßnahmen, um den Ölmultis bei ihrer Preisgestaltung stärker auf die Finger zu schauen. Die Regierung habe gerade das bislang befristete Verbot einer Preis-Kosten-Schere dauerhaft etabliert. Demnach dürfen die Mineralölkonzerne freien Tankstellen Kraftstoff nicht teurer verkaufen als an eigene Kunden.

 

FREIEN TANKSTELLEN BEGRÜßEN SCHRITT DER WETTBEWERBSBEHÖRDE

 

    Auch die freien Tankstellen begrüßten den Schritt der Wettbewerbsbehörde. "Wir freuen uns, dass dies nun in Gang kommt", sagte Verbandschef Bülow der dpa. Die Sache laufe seit über einem Jahr, nun sei offensichtlich die Datenlage für das Kartellamt ausreichend. "Die Beschwerden kommen regelmäßig", sagte Bülow.

 

    Er geht davon aus, dass der Streit letztlich vor Gericht landen könnte, beim Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Schon 2000 habe es ein ähnliches Verfahren gegeben, das erfolglos geblieben sei. Jetzt gebe es größere Erfolgsaussichten, da ein solches Verhalten der Konzerne seit einiger Zeit gesetzlich verboten ist.

 

    Inzwischen haben die Mineralölkonzerne den Preisabstand zwischen der günstigsten Benzinsorte E10 und dem meistgetankten Kraftstoff Super E5 von drei auf vier Cent je Liter ausgeweitet. Shell und Aral begründeten diesen Schritt mit der unterschiedlichen Preisentwicklung von Benzin aus Öl und den beigemischten Bio-Komponenten. Die Preise in Deutschland liegen damit im Durchschnitt bei 1,68 Euro für einen Liter E10, 1,72 Euro für Super E5 und 1,54 Euro für den Liter Diesel./ir/rad/wae/egi/DP/she

 

Nachrichten zu Royal Dutch Shell (A)

  • Relevant7
  • Alle8
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Royal Dutch Shell (A)

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
22.02.2016Royal Dutch Shell Group A NeutralJP Morgan Chase & Co.
29.10.2015Royal Dutch Shell Grou a HoldS&P Capital IQ
03.08.2015Royal Dutch Shell Grou a HoldHSBC
22.07.2015Royal Dutch Shell Grou a NeutralCitigroup Corp.
16.07.2015Royal Dutch Shell Grou a NeutralCitigroup Corp.
17.04.2013Royal Dutch Shell Grou a verkaufenExane-BNP Paribas SA
28.11.2012Royal Dutch Shell Grou a underperformExane-BNP Paribas SA
05.11.2012Royal Dutch Shell Grou a sellGoldman Sachs Group Inc.
29.04.2010Royal Dutch Shell "underweight"Morgan Stanley
25.03.2010Royal Dutch Shell neues KurszielNomura
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Royal Dutch Shell (A) nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Analysen
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Vier Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau:
In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden vier Aktien vorgestellt, die sich aus Sicht der Redaktion für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Sicherheit allein war nicht das entscheidende Kriterium. Es ging auch darum, Aktien von Unternehmen auszuwählen, die aufgrund ihrer Wettbewerbsstellung aussichtsreich erscheinen und die dennoch große Wachstumschancen bieten.

Heute im Fokus

DAX legt zu -- Bayer hofft auf "konstruktive Gespräche" mit Monsanto -- US-Richter sieht Fortschritte zu Einigung in VW-Abgasaffäre -- ifo-Index höher als erwartet

Chinesische Notenbank legt Yuan auf schwächsten Wert seit 2011 fest. Vorerst keine Apple-Stores in Indien. STADA spricht anscheinend mit CVC über eigenen Verkauf. Novartis-Chef denkt laut über Verkauf von Roche-Paket nach. Philips muss bei Lichtsparten-Börsengang wohl kleinere Brötchen backen. Griechenland bekommt neue Hilfsgelder von über zehn Mrd. Euro.
In welcher Metropolregion leben am meisten Menschen?
Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experte
Volatilität in Schwellenländern

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Unternehmen sind fantastisch erfolgreich
IT-Gründer ohne Technik-Know-How
Welcher amerikanische Investor ist am vermögendsten?
Wer hatte das größte Emissionsvolumen?
Diese Top 20 haben zur Verbessung der Welt beigetragen
mehr Top Rankings

Umfrage

Bundeskanzlerin Merkel hält trotz aller Kritik am umstrittenen Flüchtlingspakt mit der Türkei fest. Wie bewerten Sie dessen Chancen?