EMFIS.COM - Moskau 25.01.2012 (www.emfis.com)
Schon lange ist dem russischen Energie-Riesen Gazprom die geplante europäische Gas-Pipeline Nabucco ein Dorn im Auge. Nun könnten die Russen die Nase deutlich vorn haben, denn das Unternehmen präsentierte kürzlich eine Idee, die aufhorchen lässt.
Die geplante russische Gas-Pipeline South Stream, die neben der Nord-Stream-Pipeline russisches Gas nach Europa liefern soll und mit deren Bau bereits in diesem Jahr begonnen werden soll (Emfis berichtete), stellt für Gazprom einen wichtigen Schritt zum europäischen Markt dar. Um die europäische Konkurrenz-Pipeline Nabucco auszustechen, gab die Gesellschaft bekannt, dass das Unternehmen einen beispiellosen Vertrag mit Aserbaidschan bezüglich des Gas-Ankaufs unterzeichnet hat. Dieser sieht vor, die Ankäufe in diesem Jahr zu verdoppeln, auch wurde keine feste Obergrenze für die Gas-Ankäufe festgelegt. Daher könnten die Russen weit mehr als die vorgesehenen drei Milliarden Kubikmeter des flüchtigen Energieträgers erwerben.
Gute Ausgangssituation beim Wettbieten um Vorkommen Bereits seit Jahren konkurrieren die Europäer und die Russen um Gasvorräte rund um das Kaspische Meer. Vor allem Gas aus Aserbaidschan kommt eine bedeutende Rolle zu, allerdings würden die Gas-Lieferungen aus dieser Region nicht ausreichen, um Nabucco auszulasten. Daher müsste man zusätzlich noch auf Erdgas aus Turkmenistan sowie Kasachstan zurückgreifen. Dennoch kommt Aserbaidschan als Lieferant des flüchtigen Energieträgers eine entscheidende Rolle zu. Und da die Russen bereit sind, weit mehr für Gas aus der Region zu bezahlen als europäische Käufer dafür ausgeben können, ist nicht auszuschließen, dass die Nabucco-Pipeline nach Fertigstellung nicht voll ausgelastet ist.
Das Vorhaben Gazproms, deutlich mehr für Gas aus Aserbaidschan zu bezahlen, um sein South-Stream-Projekt voranzutreiben, kann als strategisch wichtiger Schritt angesehen werden. Sollte es den Russen gelingen, den Einfluss Aserbaidschans tatsächlich zu minimieren, dürfte dies dem Aktien-Kurs von Gazprom alles andere als schlecht bekommen.