28.06.2013 14:11
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Gazprom sieht sich als Sieger des Gaspreisstreits mit RWE

   Von Hendrik Varnholt

   Der russische Gasmonopolist Gazprom betrachtet sich offenkundig als Sieger im Gaspreisstreit mit dem deutschen Energieversorger RWE. Das Wiener Schiedsgericht habe in seinem am Donnerstag zugestellten Urteil "die meisten" RWE-Forderungen abgewiesen, schreibt die Exporttochter von Gazprom in einer Mitteilung vom Freitag.

   Das widerspricht der Darstellung von RWE: Der Versorger hatte schon am Donnerstag über das Urteil berichtet und seinerseits mitgeteilt, das Schiedsgericht habe dem Antrag des deutschen Konzerns auf Preisänderungen "weitgehend stattgegeben". Zu den Details des Schiedsspruchs haben sich bislang weder RWE noch Gazprom geäußert.

   Gazprom gab sich in seiner Mitteilung enttäuscht über das Verhalten von RWE. Gazprom habe immer wieder Angebote unterbreitet, "um zu einer Einigung auf der Basis von Verhandlungen zu kommen", teilte der Monopolist mit. Der deutsche Versorger habe aber keine Bereitschaft zu einem Kompromiss gezeigt und stattdessen "radikale Anpassungen" der Gaspreisformel gefordert. Das Urteil des Schiedsgerichts sehe zwar Änderungen an den Konditionen vor. Diese seien aber "weit entfernt" von den Forderungen des deutschen Energiekonzerns.

   RWE hatte am Donnerstag erklärt, die Schiedsrichter hätten mit dem nun zugestellten Urteil "die Preisklausel des Vertrags auch unter Einführung einer Gasmarktindexierung umgestellt". Die Konditionen dürften sich damit stärker als bislang an dem vergleichsweise niedrigen Spotpreis für Gas orientieren. Wie RWE weiter mitteilte, muss Gazprom dem deutschen Versorger zudem eine Kompensation für Zahlungen seit Mai 2010 gewähren. Der Energiekonzern schloss nicht aus, dass der Schiedsspruch Einfluss auf die eigene Gewinnprognose hat. Eine Sprecherin sagte am Freitag abermals, über die finanziellen Auswirkungen werde RWE "in den nächsten Tagen" informieren.

   Die Entscheidung über die künftigen Gaspreiskonditionen ist bedeutend für die Entwicklung von RWE: Der Konzern hatte im Geschäft mit russischem Gas zuletzt drauflegen müssen. Angesichts der Konditionen zahle der Versorger mehr als er seinen Kunden berechnen könne, berichtete das Unternehmen im Frühjahr.

   Die Rahmenbedingungen im internationalen Gashandel haben sich in den vergangenen Jahren nämlich dramatisch verändert: Die Spotmarktpreise liegen unter den in langfristigen Verträgen vereinbarten Konditionen, weil etwa weiterentwickelte Fördermethoden bislang nicht erreichbare Gasvorräte an die Oberfläche bringen. Das sogenannte Fracking sorgt zum Beispiel dafür, dass die USA immer weniger Gas importieren müssen.

   Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

   DJG/hev/bam

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   June 28, 2013 08:07 ET (12:07 GMT)

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