11.12.2012 09:30
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De’Longhi: Italienische Melange

Gefragte Kaffeemaschinen: De’Longhi: Italienische Melange | Nachricht | finanzen.net
De’Longhi gilt als globale Nummer 1 bei Kaffeeautomaten
Gefragte Kaffeemaschinen
De’Longhi, die globale Nummer 1 bei Kaffeeautomaten setzt mit der Traditionsmarke Braun auf Deutschland und den Wachstumsmarkt USA.
€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Muss es wirklich die Kaffeemaschine sein? John Malko­vichs spitzbübischer Blick auf die Einkaufstasche George Clooneys lässt wenig Zweifel. Der Pechvogel, der noch keine Lust hat, das Zeitliche zu segnen, bietet Himmelsvater Malkovich zuerst ein Porsche Cabrio an, dann ein Haus am Comer See — nichts zu machen. Clooney weiß also, was er tun muss, um noch ein Weilchen unter den Lebenden zu verweilen: Er opfert die De’Longhi.

Seit vier Jahren schon läuft der TV-Spot. Seinen Reiz hat er offenbar noch nicht eingebüßt. „Wenn wir von November bis Dezember die Werbung schalten, schießt unser Marktanteil für mehrere Wochen von 30 auf 36 bis 38 Prozent“, sagt Helmut Geltner, Deutschland-Chef des italienischen Haushaltsgeräteproduzenten De’Longhi.

Der Familienkonzern im italienischen Treviso ist der größte Kaffeeautomatenhersteller der Welt. De’ Longhi baut auch die Maschinen, die den Kaffeepads des Nestlé-Konzerns ein „göttliches“ Aroma entlocken. Deutschland ist der größte Auslandsmarkt der Italiener, und die Deutschen sind im Weihnachts­geschäft besonders kauffreudig. Das ist der Grund, weshalb das Unternehmen hierzulande 60 Prozent des ­TV-Werbebudgets der Kaffeeautomatenbranche ausgibt. Das sind regelmäßig rund sieben Millionen Euro. „Das Geld ist gut angelegt, weil die Menschen in keinem anderen Land Kaffeeautomaten so sehr schätzen und bereit sind, dafür Geld auszugeben“, sagt Geltner.

Die Perspektiven sind appetitlich. Mit fast 40.000 Tonnen in Pads und Kapseln verpacktem Kaffee ist Deutschland weltweit der größte Markt. Bis 2016 sollen jährlich fast 50.000 Tonnen Kaffee in die Automatenportionen gepresst werden. Als künftige Wachs­tumsmärkte gelten daneben vor allem die USA und Frankreich, die jetzt schon zu den fünf größten Märkten weltweit gehören.

Verkaufsprofi Geltner hat De’Lon­ghi zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen groß gemacht. Das gilt auch für die zweite starke Marke der Italiener, Kenwood, unter der hochwertige Küchenmaschinen vermarktet werden. In diesem Segment sind die Italiener ebenfalls weltweit die Nummer 1.

Im Jahr 2001 kam Geltner von Philips, just zu dem Zeitpunkt, als De’ Longhi an der Börse debütierte. Damals machten die Italiener 20 Millionen Euro Umsatz in Deutschland. Im laufenden Jahr sollen es mehr als 200 Millionen Euro werden. Der größte Auslandsmarkt des Unterneh­mens dürfte zugleich erstmals den Heimatmarkt Italien überflügeln.

Erfolgreichen Landesfürsten viel Raum zu geben gehört zur Philosophie von Firmenchef Fabio De’Longhi. Die Familie sei zwar wichtig, wenn es um Vision und Führungskultur gehe, sagt der 46-jährige Sohn des Firmengründers Giuseppe De’Longhi. Zugleich aber legt der Chef großen Wert auf eine starke internationale Präsenz.

De’Longhi schnappt sich Braun
Zu Beginn des Jahres trimmte der Firmenlenker das Unternehmen ganz auf das Haushaltssegment. Das Firmenkundengeschäft mit Klimaanlagen wurde in die Firma Del­clima ausgegliedert. Auch die Scheu vor Großkonzernen hat De’Longhi längst abgelegt. Von Procter & Gamble (P & G) holten sich die Südeuropäer im April die Markenrechte für Braun-Haushaltsgeräte. P & G bleibt Besitzer von Braun-Rasierern. Die Italiener stärken mit dem Deal ihr Kerngeschäft. Mit der einst deutschen und inzwischen weltweit bekannten Marke möchte De’Longhi in zwei bis drei Jahren in Deutschland, aber auch in Amerika stark zulegen.

Für den Aufbau der dritten großen Marke will De’Longhi den Kapitalmarkt stärker in Anspruch nehmen. Kürzlich verkaufte die Familie acht Prozent der Aktien — und erhöhte so den Anteil der frei handelbaren Papiere auf 25 Prozent. Das macht die Aktie für institutionelle Investoren attraktiver. Der Boom bei Kaffeepads und -kapseln ist wohl noch lange nicht vorbei.

Investor-Info

Portionierter Kaffee
Fünf große Märkte

Deutschland ist mit fast 40.000 Tonnen Kaffeepulver, das in Pads und Kapseln gepackt wird, der größte Markt weltweit. Frankreich soll bis Ende 2016 indes an Deutschland vorbeigezogen sein. Seit 2006 hat sich die in Tassenportionen verpackte Menge Kaffeepulver mehr als verfünffacht. Starke Zuwachsraten werden auch für die USA erwartet. Green Mountain Coffee Roasters ist dort einer der größten Profiteure des starken Trends zu Pad und Kapsel.

De’Longhi
Aufstrebende Italiener

Fabio De’Longhis Familienkonzern ist hierzulande vor allem durch die Kaffeeautomaten, vielen aber auch durch die von Starkoch Johann Lafer beworbenen Kenwood-Küchenmaschinen bekannt. Seit diesem Jahr gehören Braun-Haushaltsgeräte zum Sortiment der Italiener. Der Familienkonzern kaufte die Markenrechte sowie die Fertigung und Entwicklung von Mixern, Wasserkochern und Bügelgeräten. Der Weltmarktführer bei Kaffeeautomaten und Küchenmaschinen macht nach eigenen Angaben mehr als 50 Prozent des Umsatzes mit Premiumprodukten. Mit dem jüngst auf 25 Prozent erhöhten Freefloat der Aktien wird De’Longhi auch an der Börse deutlich populärer. Für 2012 erwarten Analysten 15 Prozent Gewinnwachstum. In den folgenden Jahren soll es 20 und 14 Prozent mehr Gewinn geben. Für den moderat bewerteten Wachstumstitel spricht auch die solide Dividendenrendite.

Green Mountain Coffee R.
Kräftiger Schub

Der Nasdaq-Star ist zurück. Neue Euphorie entfachte der zuvor tief gefallene Liebling der Wall Street mit guten Zahlen für das erste Quartal — nach Ablauf der Patente für das in den USA populäre Kaffeepadsystem K-Cups. Der Gewinn von Green Mountain Coffee Roasters stieg im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 (Ende September) um 22 Prozent überraschend stark. Zudem erhöhte der Konzern für das angelaufene Geschäftsjahr die Gewinnprognose auf 2,64 bis 2,74 Dollar pro Aktie. Das liegt klar über den Schätzungen der Analysten, die im Schnitt 2,64 Dollar Gewinn pro Aktie erwarteten. Spekulative Anleger steigen wieder ein.

Bildquellen: Valentyn Volkov / Shutterstock.com, Will Fuller/Istockphoto

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21.04.2017Nestlé buyDeutsche Bank AG
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