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17.01.2012 12:22

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Google, Amazon & Co.: Internet-Aktien im Check?!

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Jeder gegen jeden: Kampf um Vorherrschaft im Internet

Schöne neue Welt? Facebook-Chef Mark Zuckerberg plant für 2012 die "totale Echtzeitkommunikation" seiner Nutzer. Im Idealfall sollen die User die Plattform gar nicht mehr verlassen. Im April will der Social Networking-König an die Börse und dabei die Kriegskasse mit zehn Milliarden US-Dollar auftanken.

Das wird den Machtkampf um das World Wide Web weiter verschärfen. Lesen Sie, wie die vier Giganten sich gegenseitig bekämpfen...

Obwohl Facebook zunächst nur ein Zehntel seiner Anteile an die Börse bringt, wird es der größte Internet-Börsengang aller Zeiten werden. Sogar der 2004er-Börsengang von Google, der dem Suchmaschinen-Betreiber 1,7 Milliarden US-Dollar einbrachte, verblasst dagegen. Übrigens: Die Gesamtbewertung des Unternehmens lag damals bei 23 Milliarden US-Dollar. Heute sind es mehr als 200 Milliarden US-Dollar.

Kein globales Unternehmen kann es sich noch leisten, die "Dampfmaschine des 21. Jahrhunderts" (Institut der Deutschen Wirtschaft über das Internet) zu vernachlässigen. Von einer Geldvernichtungsmaschine - welche das Internet noch vor Jahren war - ist das weltweite Netz heute zu einem Multi-Milliardenmarkt mutiert.

Google, Amazon, Facebook und Apple sind die "Big 4" der Branche, aber auch Microsoft, Sony, Intel, IBM, Samsung, Ebay und mit Abstrichen auch Yahoo und SAP sowie einige andere, liefern sich einen darwinistischen Kampf um Marktanteile, Patente und Standards. Wer schwächelt, wird ersetzt.

Schauen wir auf die vier Giganten, die 2012 an vorderster Front nach der ökonomischen Weltherrschaft greifen:

Amazon: Angriff auf den Thron - durch die Hintertür

Der Schwächste im Bunde scheint derzeit Amazon zu sein. Im vierten Quartal lag der Umsatz bei knapp zehn Milliarden Dollar, der Gewinn betrug allerdings nur ca. 190 Millionen. Eine magere Umsatzrendite von rund 1,9 Prozent. Das Leben schwer macht dem Generalversender die riesige Konkurrenz. Eine Million Onlineshops buhlen um die Gunst ihrer Kunden. Man könnte auf die Idee kommen: Wenn jemand von heute auf morgen den Stecker bei Amazon zieht, würde sich aus Sicht der Kunden so viel nicht verändern?!

Doch das stimmt nur oberflächlich betrachtet, denn zum einen ist Amazon meiner Ansicht nach in Punkto Geschwindigkeit, Versandkosten und Zuverlässigkeit unerreicht günstig. Deshalb wäre ein Wegfall ein herber Qualitätsverlust. Zum anderen avanciert Amazon seit Jahren quasi heimlich durch die Hintertür zum "zentralen Datengedächtnis" des WWW.

Über Amazon Web Services (AWS) können Unternehmen Rechenleistung, Speicherkapazität und IT-Infrastruktur-Dienstleistungen beim E-Tail-King buchen. Nur wegen der hohen Investitionen in diesem Bereich, ging der Gewinn kurzfristig so deutlich zurück. Amazon macht sich so für viele Firmen unverzichtbar.

Eine Erfolgsgeschichte ist auch der E-Book-Reader Kindle, der so gut läuft, dass die Konkurrenz quasi in der Versenkung verschwunden ist. Mit dem in den USA bereits erhältlichen Kindle Fire greift man nun auch Apple und dessen iPad an.

Apple im Jahr 1 nach Steve Jobs - iPad 3 und iTV

Auch für Apple wird 2012 ein besonderes Jahr. Es muss sich zeigen, ob der Konzern den Tod Steve Jobs´ verkraftet hat. Möglicherweise sind wir da schon in wenigen Wochen schlauer. Wenn man der taiwanischen Nachrichtenagentur Focus Taiwan Glauben schenken darf, startet der Verkauf des neuen iPad 3 am 24. Februar 2012, dem Geburtstag des legendären Apple-Gründers.

Glänzende Verkaufszahlen des aktuellen iPads und die mit Spannung erwartete Markteinführung eines Apple-TVs, der Online-, PC- und Mediennutzung via Internet populär machen soll, könnten Apple schnell wieder in die alte Erfolgsspur bringen. Wegen des Verfehlens einiger Ziele bei den letzten Zahlen im September hatte das Image zuletzt Kratzer bekommen. Die ersten iTVs könnten bereits Ende September auf den Markt kommen.

Auch der lästige Dauerzwist mit Samsung ärgerte die Anleger. Weltweit überziehen sich die verfeindeten Konkurrenten mit Prozessen. Dabei geht es nicht nur um Plagiatsvorwürfe, sondern auch um Patentrechtsverletzungen. Dennoch: Apple scheint anders als viele Mitbewerber nicht auf tönernen Füßen zu stehen. Das wird auch in der Aktienbewertung deutlich. Derzeit notiert die Apple-Aktie fast 50% unter dem durchschnittlichen KGV der vergangenen fünf Jahre. Da ist noch Potenzial nach oben.

Google - die Internet-Krake

Allein gegen alle heißt es bei der „Internet-Krake“ Google. Durch die breite Aufstellung im Internet-Business kommt das Unternehmen zwangsläufig allen Konkurrenten ins Gehege - und heizt diesen Kampf um Marktanteile jetzt noch an.

Mit einem eigenen Produktvertrieb für Laptops, Bücher und mehr geht es frontal gegen Amazon. Versandkunden sollen eine spezielle „Flatfee“ erhalten: Einmal bezahlen, immer beliefert werden, und zwar binnen 24 Stunden. Mit Google+ wird direkt Facebook ins Visier genommen. Mit dem Betriebssystem Android wiederum wurde der Markt für Smartphones im Sturm genommen. Und Apples Online-Musik-Plattform „iTunes“ bekommt seit November direkte Konkurrenz durch „Google Music“.

Wer aber an so vielen Fronten kämpft, dem könnte irgendwann die Puste ausgehen. Darauf baut Microsoft. Die halten mit ihren Milliarden Bing am Leben und die sind als Suchmaschine kaum schlechter als Google. Wäre Bing bekannter – Microsoft arbeitet daran – könnte es Google irgendwann so gehen wie Altavista oder Infoseek. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber ungefähr so groß wie die, dass Google+ Facebook verdrängt, also sehr gering.

Börsengang - Ein Wagnis für Facebook

Bleibt noch Facebook, der Emporkömmling unter den Internet-Gorillas. Das Unternehmen also, das wie schon angesprochen, jetzt den Börsengang wagen will. Von Wagnis kann da tatsächlich gesprochen werden, denn die Vorzeichen sind lange nicht mehr so gut, wie sie noch vor Monaten schienen. Die Stimmung für Internet-IPOs hat sich zunehmend verfinstert, was auch der verkorkste Börsengang von Zynga zuletzt eindrucksvoll bewies.

Zyngas Sprung aufs Parkett galt als Testlauf für Facebook. Beide Unternehmen sind sehr eng miteinander verbandelt. 223 Millionen Nutzer tummeln sich bei Facebook im Monat in Zynga-Titeln. Am erfolgreichsten laufen die Simulationen „Cityville“, „Castleville“ und „Farmville“.

Durchschnittlich um 47 Prozent legten Börsengänge von Internet-Unternehmen 2011 am ersten Handelstag zu, so der Finanzinformationsdienst Bloomberg. An Zyngas erstem Handelstag ging es gleich fünf Prozent nach unten, am zweiten Handelstag lagen Zeichner bereits um 12 Prozent hinten.

Wird Facebook an der Börse floppen? Soweit wird es nicht kommen. Eventuell kommt der Börsengang einfach später. Das Unternehmen bietet Chancen – 850 Millionen Mitglieder weltweit sind eine magische Zahl – und die Rentabilität stimmt ebenfalls bereits.

Die entscheidende Frage für Anleger aber ist: Kann Facebook weiter so schnell profitabel wachsen, um die bei einer prognostizierten Marktkapitalisierung von 100 Milliarden US-Dollar entstehenden Bewertungsmultiples zu rechtfertigen? Selbige liegen bei 33 (Kurs-Umsatz-Verhältnis für 2011 bei 3,3 Milliarden US-Dollar Umsatz) und >100 (Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2011 bei Nettogewinn von 952 Millionen US-Dollar). Dazu kommt ein Cashbestand von aktuell 3,5 Milliarden US-Dollar sowie weitere ca. zehn Milliarden durch den Börsengang.

Für quasi jedes andere Unternehmen wäre diese Bewertung astronomisch hoch, für Facebook wäre sie zumindest sehr ambitioniert, wenn sie denn so eintreten wird.

MEIN FAZIT:

- Der Kampf um die ökonomische Vorherrschaft wird zweifellos im Internet entschieden. Dabei sorgt die globale Vernetzung für eine gigantische Redundanz an Ideen, Soft- und Hardware. Wer sich am Ende in diesem Wettbewerb durchsetzt, ist noch offen.

- Das Schlachtfeld wird dabei immer unübersichtlicher, dennoch gibt es Favoriten: Von den „Big 4“ ist Apple mein ganz persönlicher Anlage-Tipp. Allerdings sollte das Unternehmen zunächst das Kriegsbeil mit Samsung begraben. Zudem muss es sich noch zeigen, ob Apple auch ohne Steve Jobs weiterhin so stark wachsen kann.

- Bei dem anstehenden Facebook-Börsengang wäre ich vorsichtig: Die angepeilte Bewertung von 100 Milliarden Dollar ist atemberaubend. Zum Vergleich: Nicht einmal Deutsche Bank, Deutsche Post und Lufthansa zusammen sind so teuer. Und das bei einem Jahresumsatz von 3,3 Milliarden Dollar! Da droht noch keine Blase, aber Luft ist da schon im Spiel.

- Auch Google und Amazon erscheinen mir momentan ausreichend bewertet zu sein. Google hat beispielsweise bereits einen Börsenwert von über 200 Milliarden Dollar erreicht und ist dabei, selbst Microsoft zu überholen, dessen Aktien 215 Milliarden Dollar kosten.

Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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