aktualisiert: 21.12.2012 13:09
Bewerten
 (5)

Deutsche Bank: Was die Aktie noch taugt

Geldhaus im Chaos
Schöne Bescherung: Nach den Steuerfahndern kam eine Gewinnwarnung. Oder doch nicht? Sicher ist bei den Frankfurtern derzeit nur die Unsicherheit.
€uro am Sonntag

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

War das nun eine Gewinnwarnung oder nicht? Stefan Krause, Finanzchef der Deutschen Bank, mühte sich am vergangenen Donnerstagnachmittag um Schadensbegrenzung. „Das war keine Gewinnwarnung“, betonte er vor Analysten. „Wir haben nur eine Orientierung gegeben.“


Jürgen Fitschen, Deutsche Bank-Chef
Einen Tag, nachdem das größte deutsche Geldhaus wegen des Verdachts auf Steuerbetrug ins Fadenkreuz der Ermittler geraten ist, meldeten sich die neuen Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit einer weiteren Hiobsbotschaft zu Wort. Im Schlussquartal 2012 seien wegen des Konzernumbaus und der Einsparprogramme „signifikant negative Auswirkungen“ auf den Gewinn zu erwarten. Die Aktie reagierte auf diese Nachricht mit einem Minus von bis zu drei Prozent wesentlich empfindlicher als auf die Durchsuchungsaktionen der Staatsanwaltschaft am Vortag, die sich überhaupt nicht auf den Kurs ausgewirkt hatten. Möglicherweise trauen die Märkte dem Institut auch eine gewisse Routine im Umgang mit der Justiz zu.

Für Aufregung sorgte dagegen die Meldung vom vergangenen Donnerstag. „Natürlich ist das eine verkappte Gewinnwarnung“, sagte Analyst Konrad Becker. „Und mich stört, dass sie so ungenau formuliert ist in der Höhe der Belastungen, aber auch in deren Zusammensetzung. Man könnte wenigstens eine Dimension angeben oder die Probleme benennen.“

„Solide operative Ergebnisse“
Die Bank hatte die genaue Höhe der Sonderbelastungen im vierten Quartal offen gelassen. In den Kerngeschäfts­feldern habe man dagegen „solide operative Ergebnisse“ erzielt, erklärte Finanzchef Stefan Krause.

Becker, der erst vor Kurzem die Aktie nach langer Abstinenz wieder zum Kauf empfohlen hat, macht das misstrauisch. „Es geht ja nicht nur um den Aufwand für Restrukturierungsprogramme, sondern auch um Rückstellungen, die sich auf konjunkturelle oder juristische Risiken beziehen könnten. Das alles bleibt offen, und deshalb sieht es so aus, als ob der Markt hier auf schlechte Nachrichten vorbereitet wird — möglicherweise sogar auf eine Trendverschlechterung, die über das vierte Quartal hinausgeht.“


Anshu Jain
Dubiose Handelsgeschäfte
Am Mittwoch waren wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung Beamte von Bundeskriminalamt, Bundespolizei und Steuerfahndung in Bataillonsstärke und bewaffnet in die Zentrale einmarschiert. Hintergrund der Durchsuchungsaktion sind millionenschwere Handelsgeschäfte von Deutsche-Bank-Kunden mit sogenannten Emissions­zertifikaten. Das sind Verschmutzungsrechte, aus deren Einnahmen der Bund Maßnahmen zur Energiewende finanziert. Ein Händlerring verkaufte diese Zertifikate über mehrere Scheinfirmen in einer Art Umsatzsteuerkarussell, um sich am Ende die Umsatzsteuererstattung unter den Nagel zu reißen. Gegen diesen Händlerring hatte es bereits 2010 eine Großrazzia gegeben. Die Geschäfte wurden über die Deutsche Bank abge­wickelt, die nun immer stärker ins Blickfeld der Ermittler gerät. War anfangs nur von Beihilfe zur Steuerhinterziehung die Rede, steht jetzt gegen die Bank der Verdacht auf schwere Steuerhinterziehung und Geldwäsche im Raum.

Den entstandenen Schaden von 310 Millionen Euro hat das Institut bereits beglichen und im Abschluss 2011 berücksichtigt. Brisanz gewann die Aktion der Staatsanwaltschaft vor allem dadurch, dass auch Co-Chef Jürgen Fitschen und Finanzchef Stefan Krause ins Visier der Ermittler gerieten, weil sie die Umsatzsteuererklärung der Bank für 2009 unterschrieben hatten. Zumindest in der Branche hält man das für über­zogen. „Es ist nicht Aufgabe eines Vorstands, jedes Detail der Steuerbilanz zu erfassen“, sagte ein Insider. Dass auch innerhalb der Bank Leute über die Vorgänge Bescheid wussten, streitet allerdings kaum jemand ab.

Fazit: Die Bank hat offenbar Baustellen und juristische Risiken. Gleichwohl verfügt das Institut über ein tragfähiges Geschäftsmodell und ist günstig bewertet. Die Gewinnwarnung hat die Märkte verunsichert. Euro am Sonntag bleibt aber bei ihrer Empfehlung.

Kursziel: 41,00 Euro
Stopp: 29,00 Euro

Bildquellen: Deutsche Bank AG, Deutsche Bank AG
Artikel empfehlen?

Nachrichten zu Deutsche Bank AG

  • Relevant+
  • Alle+
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Deutsche Bank AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
17.12.2014Deutsche Bank Equal weightBarclays Capital
11.12.2014Deutsche Bank buyJefferies & Company Inc.
01.12.2014Deutsche Bank Sector PerformRBC Capital Markets
18.11.2014Deutsche Bank buyCitigroup Corp.
18.11.2014Deutsche Bank HoldCommerzbank AG
11.12.2014Deutsche Bank buyJefferies & Company Inc.
18.11.2014Deutsche Bank buyCitigroup Corp.
05.11.2014Deutsche Bank kaufenBankhaus Lampe KG
30.10.2014Deutsche Bank overweightJP Morgan Chase & Co.
30.10.2014Deutsche Bank buyKepler Cheuvreux
17.12.2014Deutsche Bank Equal weightBarclays Capital
01.12.2014Deutsche Bank Sector PerformRBC Capital Markets
18.11.2014Deutsche Bank HoldCommerzbank AG
10.11.2014Deutsche Bank HoldCommerzbank AG
04.11.2014Deutsche Bank Equal weightBarclays Capital
14.10.2014Deutsche Bank SellSociété Générale Group S.A. (SG)
12.09.2014Deutsche Bank SellSociété Générale Group S.A. (SG)
11.09.2014Deutsche Bank SellSociété Générale Group S.A. (SG)
21.07.2014Deutsche Bank SellSociété Générale Group S.A. (SG)
18.06.2014Deutsche Bank SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Deutsche Bank AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Deutsche Bank AG Analysen
Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Anzeige

Heute im Fokus

Deutliche Gewinne: DAX rund 2 Prozent im Plus -- Deutsche Bank: Postbank-Verkauf als Option? -- 50-Prozent-Kurseinbruch bei Daimler-Partner BYD -- ifo-Index steigt -- United Internet, QSC im Fokus

Französische Kosmetikkonzerne büßen Preisabsprachen mit fast 1 Mrd. Euro. und Alcatel-Lucent sprechen wohl wieder über Fusion. GM und Jaguar Land Rover stoppen Autoverkauf in Russland. Deutsche Staatsschulden stagnieren. Putin bereitet Russen auf längere Krise vor. Fed: Zinserhöhung erst im zweiten Quartal.

Themen in diesem Artikel

Wer hat die USA von Platz 1 verdrängt?

schaften der Welt

europa

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

So viel erhalten die Deutschen

Aktien-Profiteure der Cannabis-Legalisierung in den USA

Mit welchen Techniken sparen Weltkonzerne Steuern?

Welche sind die reichsten Amerikaner unter 40 Jahren?

Wenn Zukunft Gegenwart wird

mehr Top Rankings

Umfrage

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich mit Haut und Haar für das Freihandelsabkommen mit den USA stark machen. Was halten Sie von TTIP?