23.08.2012 15:33
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Daimler: Mercedes und Nissan von einem Band?

Gemeinsame Produktion
Die Daimler AG erwägt laut einem Zeitungsbericht erstmals gemeinsam mit ihrem Partner Renault-Nissan den Bau von Fahrzeugen der Kernmarke Mercedes.
Auf der Suche nach neuen Ideen für sinkende Kosten könnte sich Daimler laut einem Zeitungsbericht zu einer Pkw-Co-Produktion durchringen. Es gebe konkrete Überlegungen, zusammen mit dem Partner Renault-Nissan ein Auto der Kernmarke Mercedes zu produzieren, berichtet die "Financial Times Deutschland" am Donnerstag unter Berufung auf "hochrangige Konzerninsider". Unternehmensnahe Kreise bestätigten der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag, dass es entsprechende Gedankenspiele gebe. Derzeit rechneten die Stuttgarter aber vieles durch. Entschieden sei nichts.

Es wäre das erste Mal, dass Daimler ein Pkw-Modell mit dem Stern für eine Co-Produktion öffnet. Der Erfinder des Automobils arbeitet bisher nur auf Teilgebieten mit Partnern. Dem Blatt zufolge könnten schon 2016 kleinere Mercedes-Modelle und Autos der Nissan-Premiumtochter Infiniti gemeinsam vom Band laufen. Im Gespräch sei ein kleinerer Geländewagen. Daimler-Aktien reagierten nicht auf den Bericht. Sie legten bis zum späten Vormittag rund 0,2 Prozent zu und lagen damit im Mittelfeld des Dax.

UNTERNEHMEN REDEN ÜBER VIELE THEMEN

Daimler äußerte sich nicht zu den Informationen der Zeitung. Eine Sprecherin sagte am Donnerstag: "Wir kommentieren Spekulationen dieser Art nicht." Sie verwies aber darauf, dass die 2010 vereinbarte Kooperation mit Renault-Nissan gut funktioniere. "Das ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe", sagte die Sprecherin. Es würden zahlreiche Ideen entwickelt. Wenn es für beide Seiten vorteilhaft sei, würden diese Projekte auch umgesetzt.

Vor einem Jahr hatte etwa Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt angekündigt, von 2014 an ein Auto auf Basis der neuen Kompaktwagenfamilie von Mercedes-Benz bauen zu wollen. Beim Pariser Autosalon am 28. September wollen Daimler-Chef Dieter Zetsche und Ghosn das nächste Mal über den Stand der Kooperation berichten.

DAIMLER WILL KONKURRENZ WIEDER ÜBERHOLEN Der Ausbau der Kooperation würde ins Bild passen. Zur Eröffnung des neuen Werkes im ungarischen Kecskemét Ende März dieses Jahres hatte der DAX-Konzern mitgeteilt: "Die Profitabilität wird Mercedes-Benz Cars weiter stärken durch projektbezogene Kooperationen wie zum Beispiel mit Renault-Nissan sowie durch Einsparungen im Rahmen der Modul- und Plattformstrategien und mehr Effizienz in der Wertschöpfungskette." Im Rennen um die Krone im Premiumsegment hinken die Schwaben derzeit den Rivalen BMW und Audi hinterher. Umgerechnet auf die verkauften Autos verdient die Konkurrenz mehr, ist also in den Gesamtstrukturen des Kerngeschäftes profitabler. Spätestens 2020 will Daimler aber wieder ganz vorne sein.

Mit der französisch-japanischen Allianz gibt es bereits eine Reihe von Projekten und Plänen. So sollen von 2014 an im Nissan-Werk im US-Bundesstaat Tennessee Mercedes-Benz-Vierzylinder-Benzinmotoren gebaut werden. Die Partner prüfen auch eine Gemeinschaftsproduktion des alternativen Brennstoffzellenantriebs. Bei den Nutzfahrzeugen ist die Kooperation schon am weitesten, dort haben die Partner für Japan schon den Austausch ganzer Modelle vereinbart. So soll Daimlers Tochter Fuso künftig auch für Nissan das Fünf-Tonnen-Modell Canter bauen. Im Gegenzug wird Nissan für Fuso einen Lastwagen unter fünf Tonnen herstellen. So schließen beide Lücken in ihrer Palette.

KRITIKER WARNEN VOR IMAGESCHADEN

Auch bei den Kompaktwagen auf einen engeren Schulterschluss zu setzen, wäre eine Option, um Kosten zu drücken. Denn gerade bei der Aufholjagd auf BMW und Audi kommt der neuen Kompaktwagenstrategie von Daimler eine Schlüsselrolle zu. Ihre Margen sind schwächer, was den Fokus besonders auf die Kosteneffizienz bei der Produktion lenkt. Für Mercedes wäre eine gemeinsame Produktion mit Nissan ein großer Schritt. Die Stuttgarter tun sich bislang schwer damit, ihre Kernmarke Mercedes über einzelne Komponenten hinaus mit dem Partner zu teilen. Kritiker im Konzern befürchten einen Imageschaden für die stolze Marke mit dem Stern.

Beispiele für markenübergreifende Kooperationen im Premiummarkt sind etwa bei Volkswagen zu beobachten. Bereits als Porsche noch nicht komplett unter dem Dach der Wolfsburger war, arbeiteten beide Seiten eng zusammen. Die Porsche-Geländelimousine Cayenne wird im slowakischen VW-Werk in Bratislava vormontiert. Dort entsteht auch der in großen Teilen baugleiche VW-Touareg. Porsche nutzt auch die VW-Werkskapazitäten am Nutzfahrzeugstandort Hannover-Stöcken.

AUCH ANDERE KOOPERIEREN

Bei der für 2014 geplanten kleine Geländelimousine Macan wird Porsche Audi-Motoren einbauen. Die Stuttgarter entwickeln zudem zwei sogenannte Baukästen für VW. Mit diesen markenübergreifenden Puzzleteilen lässt sich gut sparen - von Entwicklung über Einkauf bis hin zur Produktion. Dieses Beispiel wäre für Daimler auch eine Option und könnte in einer Pkw-Co-Produktion mit Nissan ihr Extrem finden.

Die Familie der kompakten Wagen soll bei Daimler von zwei auf fünf wachsen. Bereits bekannt sind die A- und B-Klasse. Zudem wird es eine kleine Geländelimousine geben und ein viertüriges kompaktes Coupé unterhalb der C-Klasse. Details zu Nummer fünf sind noch inoffiziell./loh/enl/wiz

STUTTGART (dpa-AFX)

Bildquellen: ben bryant / Shutterstock.com
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