01.07.2013 09:40
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ThyssenKrupp prüft Teilverkauf des europäischen Stahlgeschäfts

Gerüchte
Nach Spekulationen über einen Einstieg der RAG-Stiftung am Freitag berichtete die "Rheinische Post" am Wochenende über einen möglichen Teilverkauf des europäischen Stahlgeschäfts an einen Investor.
"Entsprechende Möglichkeiten werden gerade sondiert" heißt es dem Blatt zufolge in Aufsichtsratskreisen des Unternehmens. Ein Konzernsprecher habe sich zu dem Thema auf Anfrage nicht äußern wollen.

Am Freitag hatten Spekulationen über einen Einstieg der RAG-Stiftung die ThyssenKrupp-Aktie auf den ersten Platz im DAX gehievt. "Wenn wir von ThyssenKrupp oder von der Politik zu diesem Schritt gebeten werden, denken wir darüber nach", hatte die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") einen Insider aus dem Umfeld von RAG-Chef Werner Müller zitiert. Beide Seiten hatten dies am Freitag nicht weiter kommentieren wollen. "Es haben keine Gespräche stattgefunden", hatte ein Sprecher der Stiftung gesagt.

GELDNOT - KAPITALERHÖHUNG NICHT AUSGESCHLOSSEN

Der Essener Traditionskonzern steckt wegen milliardenschwerer Fehlinvestitionen in Übersee in Geldnot. Vorstandschef Heinrich Hiesinger kann daher eine Kapitalerhöhung nicht mehr ausschließen - eigentlich ein Tabuthema für ThyssenKrupp. Denn aller Voraussicht nach könnte dabei der Hauptaktionär, die Krupp-Stiftung, nicht mitziehen und die Sperrminorität von gut 25 Prozent einbüßen. Damit würde der Konzern seinen Schutz vor Übernahmen verlieren.

Deshalb wird immer wieder darüber gesprochen, dass die RAG-Stiftung einspringen könnte. Sie war 2007 vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen gegründet worden, um das Ende des Kohlebergbaus zu finanzieren. Zuletzt hatte Stiftungschef Müller ein Interesse an ThyssenKrupp zwar dementiert. Laut "SZ" könnte dies aber lediglich eine Absage auf Zeit gewesen sein.

SPARPROGRAMM

Die in der Zeitung ebenfalls aufgegriffene Spekulation über einen möglichen Verkauf auch des europäischen Stahlgeschäfts hatte ein ThyssenKrupp-Sprecher dementiert. Er hatte auf frühere Aussagen von Vorstandschef Heinrich Hiesinger verwiesen, wonach die Anlagen fester Bestandteil des Konzern bleiben sollen. Angesichts des hohen Preisdrucks in der Branche ist der Gewinn der Sparte zuletzt eingebrochen. Mit einem Sparprogramm, dem 2.000 von 27.600 Stellen zum Opfer fallen, versucht der Konzern im europäischen Stahlgeschäft gegenzusteuern.

Derweil geht der Verkauf der ehemaligen ThyssenKrupp-Tochter VDM dem "Handelsblatt" (Montagausgabe) zufolge in die finale Phase. Bis zum Freitag hätten eine Reihe von Interessenten vorläufige Angebote eingereicht, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Der Bieterkreis bestehe vor allem aus Finanzinvestoren, zu denen Triton, Apollo und KPS Capital gehörten. Die Gebote lägen im hohen dreistelligen Millionenbereich.

'HB': OUTOKUMPU KOMMT BEI VDM-VERKAUF VORAN

VDM gehört mit seinen 2.000 Mitarbeitern zum finnischen Stahlproduzenten Outokumpu, der die Firma Ende vergangenen Jahres als Teil der Thyssen-Krupp-Edelstahlsparte erworben hatte. Der Weiterverkauf von VDM kommt dem Bericht zufolge für Insider nicht überraschend: "Von Anfang an war klar, dass die Finnen die Firma würden abgeben müssen", habe es im Konzernumfeld geheißen. Denn Outokumpu sei knapp bei Kasse und müsse sich Liquidität beschaffen.

Ein Verkauf von VDM sei da eine gute Gelegenheit. Mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro und einer operativen Marge von rund zehn Prozent sei das Unternehmen hochprofitabel und leicht verkäuflich. Zeitnah solle nun entschieden werden, mit wem weiterverhandelt werde.

'HB': GEBOTE LIEGEN UNTER PREISVORSTELLUNG DER EIGENTÜMER

Die Gebote lägen bislang unter den Vorstellungen der Finnen. Die hätten zuvor den Wert auf eine Milliarde Euro taxiert. Da Outokumpu aber unter Druck stehe, werde es schwer, diesen Preis zu erreichen. Outokumpu lehnte der Zeitung zufolge einen Kommentar ab.

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - /he/enl/he

Bildquellen: ThyssenKrupp AG
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