02.05.2012 17:00
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Capital One: Der Alec-Baldwin-Bonus

In den USA gerät Bargeld aus der Mode
Geschäfte mit Kreditkarten
Stanford-Absolvent Richard Fairbank hat einen kleinen Finanzdienstleister aus Virginia zur sechstgrößten US-Bank gemacht. Warum der Aufstieg noch nicht zu Ende ist.
€uro am Sonntag

von Tim Schäfer, €uro am Sonntag

Hollywood-Star Alec Baldwin gibt neuerdings auch in der Werbung den Klugscheißer. Im dunklen Anzug trommelt er in TV-Spots für Kreditkarten von Capital One. Baldwin sitzt im Flugzeug, an der Bar, trifft im Urlaub Wikinger — jedes Mal erklärt der Hauptdarsteller der Kult-Sitcom „30 Rock“ den Leuten, wie sie am besten bezahlen. Es geht um doppelte Meilen, freie Flüge und andere Annehmlichkeiten. Baldwin verabschiedet sich stets mit dem Spruch: „Welche Karte haben Sie in Ihrem Portemonnaie?“

Neben den amüsanten Spots hat der Gründer und Vorstandschef von Capital One, Richard Fairbank, noch andere Trümpfe in der Hand. So verlangt die Bank etwa keine Gebühr für den Auslandseinsatz. Auch mit kostenlosen Girokonten punktet der Riese bei Konsumenten. Denn seit dem Ende der Finanzkrise haben vor allem die Großbanken Grund­gebühren und andere Entgelte bei den Girokonten eingeführt.

Im Kampf um Neukunden macht Fairbank ordentlich Druck. Allein im ersten Quartal steckte er 321 Millionen Dollar ins Marketing, das ­waren 16,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach der Finanzkrise hat der 61-Jährige nicht nur seinen Werbefeldzug fortgesetzt, sondern auch mit einem anderen Schritt die Branche überrascht. So erwarb er ING Direct USA für neun Milliarden Dollar. Der Amsterdamer Mutterkonzern ING erhielt für die Tochter 6,2 Milliarden Dollar in Cash, der Rest floss in Form von Aktien. Seither sind die Niederländer mit 9,9 Prozent an Capital One beteiligt. Der Kaufpreis war so günstig, dass Capital One in der Bilanz zum ersten Quartal einen außerordentlichen Buchgewinn ausweisen musste.

Verbraucherschützer liefen Sturm gegen den Deal. Sie warnten vor der Größe und Marktmacht der neuen Gruppe. Trotz der Bedenken gab die US-Notenbank Fed grünes Licht. Mit der Genehmigung ist die sechstgrößte Bank der USA mit Einlagen von mehr als 200 Milliarden Dollar entstanden. Bedeutender sind nur JP Morgan, Bank of America, Citi, Wells Fargo und US Bancorp. Zuvor hatte Capital One nicht einmal zu den zehn größten Häusern gezählt.

„Rich“, wie ihn seine Freunde nennen, hatte das Unternehmen 1993 gegründet. Der Absolvent der Stanford-Uni verfügte über keinerlei Erfahrung in einem Großkonzern. In der Uni-Zeitschrift erinnerte er sich an die Anfangszeit: „Wie kann man eine Firma starten, wenn man keine Erfahrung, kein Geld und keine Geschäfts­idee hat?“ Seinem Freund Nigel Morris war seinerzeit aufgefallen, dass Kreditkartenfirmen die Hälfte der Neukundenanträge wegen schlechter Bonität ablehnten. Beide sahen darin eine Chance, Anträge gegen entsprechend höhere Beiträge zu akzeptieren. Mit einer kleinen Bank als Partner gingen sie an den Start. Mittlerweile ist ein Konzern mit 34.200 Mitarbeitern entstanden. Insgesamt hat Capital One seinen Plastikkartenkunden aktuell 53,2 Milliarden Dollar geborgt.

Neues Übernahmeziel
Doch Fairbank will noch mehr. So plant er das amerikanische Kreditkartengeschäft von HSBC Holdings, das Darlehen von 30 Milliarden Dollar umfasst, für 2,6 Milliarden Dollar zu kaufen. Damit würde der Konzern zum drittgrößten Kreditkartenanbieter in Nordamerika aufsteigen. Um den Deal zu stemmen, will Fairbank 1,25 Milliarden Dollar frisches Kapital einsammeln.

Obwohl das Kreditportfolio von HSBC mehr Ausfälle als der bisherige Kundenstamm aufweist, soll die Integration so schnell wie möglich über die Bühne gehen. Die Ratingagentur Moody’s warnt zwar vor hohem Abschreibungsbedarf bei HSBC, es befänden sich einfach zu viele Subprime-Kunden mit schlechter Bonität im Bestand. Doch Fairbank lässt sich davon nicht beirren. Im Gegenteil: Er sieht wegen der ­Synergien langfristig glänzende Perspektiven. „Die heimischen Kreditkartengewinne werden signifikant und nachhaltig anziehen“, frohlockte der Visionär unlängst in einer Telefonkonferenz mit Analysten.

Gemessen an den jüngsten Zahlen ist das nicht übertrieben. Im ersten Quartal stieg der Überschuss von 1,0 auf 1,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz machte einen Sprung um 21 Prozent. Und die Aussichten sind vielversprechend. Zahlten Konsumenten vor ­einem Jahrzehnt allenfalls auf Reisen, für Mietwagen oder beim Onlineshopping mit Plastikarten, kommen diese nun auch bei McDonald’s oder beim Six-Pack-Kauf an der Tanke zum Einsatz.
Und es sieht so aus, als ob Filmstar Baldwin noch jede Menge Neukunden zu Capital One lotsen könnte.

Investor-Info

Capital One
Günstiger Finanztitel

Mit einem KGV von weniger als acht zählt der Kreditkartenanbieter zu den günstigsten Playern in Nordamerika. Im Schnitt kommen die Konkurrenten auf ein KGV von zwölf. Auch signalisiert das Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,75 Aufholpotenzial. Zu den Großaktionären zählt auch der bekannte Hedgefondsmanager John Paulson. Capital One ist eine Value-Aktie mit überschaubaren Risiken. An schwachen Tagen kaufen.

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