Schon einmal haben die Düsseldorfer den Verkauf auf Eis gelegt - mit der gleichen Begründung wie jetzt auch: Die Lage am Kapitalmarkt ist zu unsicher. Offenbar fürchtet man in Düsseldorf um die Finanzierung.
METRO ist die Transaktion gegenwärtig zu heikel: "Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion", sagte Vorstandsvorsitzender Olaf Koch am Dienstag zu dem Gesprächsstopp.
Der weltweit drittgrößte Handelskonzern will seine Warenhauskette bereits seit einigen Jahren abgeben, da sie sich aus Sicht des Konzerns nicht internationalisieren lässt. Zwei bis drei Milliarden Euro hatte der frühere METRO-Chef Eckhard Cordes als Preisvorstellung aufgerufen. Bereits während der ersten Finanzkrise 2008 scheiterte jedoch der Versuch, die Tochter an den Mann zu bringen.
Im vergangenen Jahr schien sich die Sache plötzlich wieder zu beschleunigen. Gleich mehrere Investoren meldeten Interesse an. Potenzielle Käufer waren zuletzt die österreichische Immobiliengruppe Signa sowie der Karstadt-Investor Nicolas Berggruen. Signa mit ihrem Geschäftsführer Rene Benko galt dabei als Favorit und hatte im Gegensatz zu Berggruen auch schon in die Bücher schauen können.
METRO hatte dabei schon unter dem im Dezember abgetretenen Cordes betont, bei einem Verkauf müssten alle Parameter stimmen. Preis, Zukunftskonzept und Finanzierung. Letzteres scheint angesichts der volatilen Märkte der größte Unsicherheitsfaktor für METRO zu sein.
"Die Finanzierung steht nicht", hieß es von einer mit dem Verkaufsprozess vertrauten Person. Die Gebote seien insgesamt nicht ausreichend abgesichert gewesen, sagte eine weitere informierte Person. Letztendlich komme der Verkaufsstopp daher nicht überraschend.
In den vergangenen Wochen war bereits über einen Vendorenkredit der METRO an Benko spekuliert worden. Bei einem solchen Kredit leihen die Verkäufer selbst den Käufern Geld für die Übernahme. Aus dem Verhandlungsumfeld hieß es dazu, dass dies diskutiert worden sein soll, jedoch letztendlich nicht entscheidend gewesen war.
Daneben hat es offenbar auch an tragfähigen Konzepten für den Kaufhof gefehlt. Signa war zum Beispiel bereits zu Beginn der Gespräche vorgeworfen worden, nur an den Immobilien interessiert gewesen zu sein. Die österreichische Immobiliengruppe war für einen Kommentar nicht zu erreichen.
METRO-Chef Koch bekräftigte unterdessen, ein Verkauf müsse das Potenzial von Kaufhof reflektieren. Dies scheint aus Sicht des Handelskonzern offensichtlich derzeit nicht möglich. "Aus heutiger Sicht können wir das Ertragspotenzial besser selbst heben als durch einen Verkauf", erläuterte Koch.
An der bisherigen Portfoliostrategie von METRO ändere diese Entscheidung nichts. Das heißt: Kaufhof zählt weiterhin nicht zum Kerngeschäft und an der grundsätzlichen Entscheidung eines Verkaufs hält METRO fest. Einen festen Zeitplan gibt es dabei nicht.
Keine größere Rolle dürften dagegen die schlechten Kaufhof-Zahlen für das wichtige vierte Quartal gespielt haben. Ein schwaches Textilgeschäft und hier insbesondere Saisonware sorgten für lange Gesichter. Der Umsatz ging um 4,6 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro zurück. Für das Jahr sank der Umsatz um 3,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Kaufhof hat 140 Filialen.
Das Weihnachtsgeschäft fiel insgesamt enttäuschend aus, fasste METRO-Chef Koch zusammen. Neben Kaufhof verzeichneten auch die anderen Vertriebslinien Cash & Carry, Media Markt und Saturn sowie Real Einbußen. Der Konzernumsatz sank daher um 1,3 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Dies lag leicht über den Erwartungen der Analysten. Für das Jahr ergab sich ein Umsatzrückgang von 0,8 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro.
"Das vergangene Jahr war durch außerordentliche Entwicklungen stark beeinträchtigt. Insbesondere die Staatsschuldenkrise, eine hohe Arbeitslosigkeit und Sparprogramme in vielen Ländern Europas haben zu einer Kaufzurückhaltung bei den Kunden geführt", erläuterte Koch.
Die operative Ergebnisprognose für das Gesamtjahr - ein EBIT vor Sonderfaktoren leicht unter dem Vorjahreswert von 2,4 Milliarden Euro - bekräftigte METRO.
An der Börse reagierten die Investoren offensichtlich erleichtert, dass die Zahlen nicht noch schlechter ausfielen als befürchtet und schoben den vorerst geplatzten Kaufhof-Verkauf erst einmal beiseite. Am späten Vormittag gewann die im Dax notierte METRO-Aktie um 5,6 Prozent auf 28,79 Euro und gehört damit zu den Topgewinnern.
-von Natali Schwab,
Dow Jones Newswires;
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January 17, 2012 05:19 ET (10:19 GMT)
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DÜSSELDORF (Dow Jones)
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