18.12.2012 14:19
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Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd prüfen Fusion

Gespräche noch unkonkret
In der deutschen Containerschifffahrt zeichnet sich womöglich eine Großfusion ab: Die beiden führenden Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd prüfen angesichts der derzeitigen Branchenflaute einen Zusammenschluss.
Die Gespräche würden im Einvernehmen mit den jeweiligen Gesellschaftern geführt, hieß es von den Beteiligten. Dabei soll untersucht werden, "ob und zu welchen Bedingungen" eine Fusion der beiden sinnvoll sei.

   Dass sich die Nummern 1 und 2 der Branche in Deutschland zusammenschließen werden, ist daher noch keinesfalls sicher. Hapag-Lloyd gehört mehrheitlich einem Konsortium um den Industriellen Klaus-Michael Kühne und der Stadt Hamburg. Der Touristikkonzern TUI hält noch 22 Prozent der Anteile. Hamburg Süd hingegen ist im Besitz der Oetker-Gruppe.

   Bereits 2008 war in der ersten Finanzkrise und angesichts des Einbruchs der Weltkonjunktur über ein Zusammengehen der beiden Reedereien spekuliert worden. Eine Fusion könnte für beide angesichts der Schwierigkeiten der Branche sinnvoll sein. Käme es zu einem Zusammenschluss, würde die Gesellschaft Platz Vier im Weltmarkt einnehmen. Für Analyst Klaus Kränzle von Westend Brokers zählt in einem "ruinösen" Wettbewerbs vor allem die Größe - etwa bei Einkaufskonditionen. Auch die Verhandlungsmacht würde deutlich gestärkt. Der Industrielle und Hapag-Lloyd-Mitbesitzer Kühne hatte schon 2009 in Zeitungsinterviews durchblicken lassen, dass ein möglicher Zusammenschluss wegen gemeinsamer Infrastrukturen viele Synergien heben könnte.

   Beide Reedereien befinden sich in schwierigem Fahrwasser. Die Containerschifffahrt steckt erneut in der Krise. Die Branche leidet unter einem starken Wettbewerb, unter Überkapazitäten durch zu viele Schiffe und hohen Treibstoffkosten. Zudem sorgt die schwächelnde Konjunktur für flaue Geschäfte.

   Die Branche hatte sich daher bis vor kurzem in einen Preiskampf verstrickt, angezettelt von den beiden weltweit größten Reedereien Maersk und MSC. Durch niedrigere Preise sollten die Schiffe stärker ausgelastet werden, was jedoch auf Kosten der Profitabilität geht, da steigende Kosten so nicht ausgeglichen werden können.

   Die meisten Reeder haben dies inzwischen erkannt und trachten wieder nach kostendeckenden Preisen. Diese sind aber im derzeitigen Umfeld schwer durchsetzbar. So hatte Hapag-Lloyd erst Mitte November erklärt, für die kommenden Monate keine weiteren Preissteigerungen vorzunehmen.

   Denn erste Erholungstendenzen in den Frachtraten, die sich im zweiten Quartal gezeigt hatten, sind schon wieder vorbei. So hatte eine kürzlich veröffentlichte Studie des Analyseunternehmens Deutsche Fondsresearch ein düsteres Bild gemalt. Im dritten Quartal seien die Charterraten wieder gesunken. Besserung ist nicht in Sicht, das Weihnachtsgeschäft hat die Containerschifffahrt bereits abgehakt. Auch die Prognosen für das Wirtschaftswachstum und die Rohstoffnachfrage machen keine Hoffnung.

   Hapag-Lloyd klagte bereits über geringere Transportvolumen. Handel und Industrie füllten ihre Lager nicht auf, sondern reduzierten eher ihre Bestände. Die Hamburger fahren mit 146 Containerschiffen, der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 6,1 Milliarden Euro.

   Oetker hatte bereits Mitte Juli verlauten lassen, keine Trendumkehr zu erwarten. Sowohl das Thema Überkapazitäten als auch hohe Treibstoffpreise dürften die Schifffahrt weiter belasten, so die Bielefelder. Das Unternehmen verfügt Stand 2011 über 107 Schiffe und erzielte einen Umsatz von knapp 4,8 Milliarden Euro.

   Spannend dürfte bei einem Zusammenschluss vor allem die Frage werden, wie dieser gestaltet werden soll, so Analyst Kränzle. Verkauft TUI ihre Anteile ? Wie würde die künftige Beteiligung Oetkers aussehen ? Was machen die restlichen Aktionäre ? Diese Fragen wären zu klären. Antworten gibt es noch nicht, Oetker und Hamburg Süd wollten sich nicht weiter zu einer möglichen Fusion äußern. Die Möglichkeiten reichen von der Gründung eines Joint-Ventures bis zu einem Börsengang. Wettbewerbsrechtliche Bedenken sieht der Analyst nicht, da der Weltmarkt stark zersplittert ist und hier genügend Konkurrenten unterwegs sind.

   Hamburg Süd hatte Oetker im vergangenen Jahr einen starken Gewinnrückgang eingebrockt, der durch das Geschäft mit Tiefkühlpizzen oder Puddings nicht aufgefangen werden konnte. Das Imperium der Bielefelder Konsumgütergruppe ist weit verzweigt: Der Konzern vereinigt so unterschiedliche Bereiche wie das Lebensmittelgeschäft, Getränke und die Containerschifffahrt sowie das Bankgeschäft, Chemie oder Hotels unter einem Dach.

   Erst vor kurzem hatte Oetker die Beteiligung von mehr als 25 Prozent an dem Handelskonzern Douglas an den Finanzinvestor Advent verkauft. Bei einer Fusion der Reedereien könnte Oetker das Risiko in der Containerschifffahrt reduzieren und sich vermehrt auf das Konsumgüter- und Markengeschäft konzentrieren.

   Für den Reisekonzern TUI könnte eine Fusion zwischen Hapag-Lloyd und Hamburg Süd ein günstiges Ausstiegsszenario bieten. So begrüßte eine TUI-Sprecher die Gespräche grundsätzlich, wollte sich dazu aber weiter nicht äußern. TUI plant seit geraumer Zeit den vollständigen Ausstieg aus dem Containergeschäft und will seine Beteiligung entweder an die Börse bringen oder an einen Dritten verkaufen.

   An der Börse reagierte die TUI-Aktie daher mit Kursgewinnen von 1,7 Prozent auf die Ankündigung: "Vielleicht besteht die Möglichkeit, dass TUI die restlichen 22 Prozent an Hapag Lloyd zu einem guten Preis verkauft", sagte etwa Jochen Rothenbacher von Equinet.

Dow Jones Newswires,  Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 07 48 AM EST 12-18-12

Bildquellen: Hapag-Lloyd
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