aktualisiert: 18.11.2012 20:08
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Griechenlands Schulden: Schäuble in der Milliardenfalle

Gigantische Verluste: Griechenlands Schulden: Schäuble in der Milliardenfalle | Nachricht | finanzen.net
Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble
Gigantische Verluste

Zwischen den Kreditgebern Griechenlands ist ein offener Streit ausgebrochen, wie Athen zu retten ist. Klar ist aber, dass auf den deutschen Steuerzahler hohe Milliardenverluste zukommen.

€uro am Sonntag

von Peter Gewalt, Euro am Sonntag

Die Eurokrise sorgt nicht immer nur für tiefe Sorgenfalten, sondern ab und an auch für etwas Heiterkeit. Vergangene Woche etwa durften sich Journalisten in Brüssel amüsieren. Während Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker bei einer Pressekonferenz in der Nacht zu Dienstag wiederholt darüber sprach, dass Griechenland mehr Zeit für den Schuldenabbau eingeräumt werden müsse, verdrehte die neben Juncker sitzende IWF-Chefin Christine Lagarde entnervt die Augen, um ihren Widerwillen zu demonstrieren.

Auch wenn die Medienvertreter daraufhin in Gelächter ausbrachen, war der Ernst der Lage nicht zu übersehen. Der Graben zwischen den europäischen Entscheidern wie Juncker sowie Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Griechenland-Frage ist tief wie nie, seitdem Athen der Pleite entgegentaumelt.

Teure Rettungslösungen
Vordergründig geht es um mehr Zeit, die den Griechen eingeräumt werden soll, um die Schulden des Landes von derzeit 171 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu senken. Die Eurogruppe hält angesichts der schweren Rezession im Land und der nicht eingehaltenen Sparbemühungen der Athener Regierung inzwischen den Termin 2022 für notwendig.

Der IWF als Vertreter internationaler Geldgeber pocht aber auf die bisherige Frist 2020 und will stattdessen einen Schnitt für die öffentlichen Schulden, damit Griechenland seine Ziele erreicht. Soll heißen: Die Geldgeber aus der Eurozone müssten auf einen Schlag Milliarden abschreiben. Allein auf Deutschland kämen bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent Kosten in Höhe von 17,5 Milliarden Euro zu.

Diese Summe ergibt sich aus den deutschen Krediten des ersten Hilfspakets und dem deutschen Anteil an den Verlusten des Rettungsfonds EFSF. „Wir haben Meinungsverschiedenheiten, wir arbeiten daran, wir versuchen sie zu lösen“, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Und eine Lösung muss her, denn ohne Einigung gibt es für Griechenland keine Auszahlung der nächsten Kredittranche in Höhe von 31 Milliarden Euro. Griechenland wäre pleite und Deutschland würde auf einen Schlag bis zu 80 Milliarden Euro verlieren.

Lagarde steht keineswegs allein mit ihrer Forderung da. „Griechenland muss endlich gestattet werden, eine drastische Umschuldung anzugehen, um die Schuldenquote auf tragbare 40 bis 50 Prozent zu bringen“, sagt Jürgen von Hagen, Professor am Institut für Internationale Wirtschaftspolitik an der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Bundestagswahl als Bremser
Die Europäer spielen dagegen auf Zeit. Ein Schuldenschnitt wäre das Eingeständnis, dass die bisherige Politik auf ganzer Linie gescheitert ist. Eine bittere Niederlage wäre dies für Bundeskanzlerin Merkel, die im kommenden Jahr um ihre Wiederwahl kämpfen muss. Ein milliardenschwerer Verlust für den Haushalt kurz vor der Bundestagswahl würde Merkels Erfolgschancen erheblich schmälern.

Aber auch das Durchwursteln kostet Schäuble Geld. Knapp 32 Milliarden Euro kommen auf die Europäer an Zusatzkosten zu, wenn Griechenland zwei Jahre mehr zugestanden werden, um die vorgegebenen Sparziele zu erreichen. Bis zu einem Drittel müssten wohl Deutschlands Steuerzahler aufbringen.

Doch erst einmal greifen die Europäer in die Trickkiste. Bei ihrem Treffen am kommenden Dienstag wollen sie Griechenlands Finanzierungslücke lediglich bis 2014 stopfen und erst später eine Lösung bis 2020 suchen. Dabei geht es um eine Summe von etwa 13,5 Milliarden Euro, die ohne direkte Belastungen der Haushalte aufgebracht werden könnten. Dazu zählt etwa die Verlängerung von Laufzeiten ausstehender Anleihen, die Griechenland bedient. Zudem könnte Schäuble Krisengewinne an Athen überweisen. Bisher hat der Finanzminister günstig aufgenommene Kredite für einen höheren Zinssatz an Griechenland weiterverliehen und damit rund 400 Millionen Euro Gewinn eingefahren. Doch das grundsätzliche Problem ist damit längst nicht gelöst.
„Hier findet Konkursverschleppung statt bis zum Tag nach der Bundestagswahl“, sagt von Hagen.

Bildquellen: Santiago Cornejo / Shutterstock.com
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