13.11.2012 06:39
Bewerten
 (0)

Griechenlands Zahlmeister im offenen Streit

   Von Gabriele Steinhauser und Stephen Fidler

   BRÜSSEL--Griechenlands Zahlmeister haben ihren Clinch über die Schuldenmisere am späten Montagabend erstmals öffentlich zur Schau gestellt. Im Anschluss an ein Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel erklärte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, dass sie mit den Ideen der Europäer nicht übereinstimme. Diese wollen Griechenland bei der Schuldentilgung erhebliche Zugeständnisse machen. Der IWF aber sieht das nicht ein.

   Nach Ansicht des IWF sollte Griechenlands Schuldenberg bis zum Jahr 2020 auf 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung schrumpfen. Griechenland selbst geht davon aus, dass seine Schuldenquote im Jahr 2014 mit mehr als 190 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt erreichen und danach sinken wird.

   Der luxemburgische Ministerpräsident und Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, aber pocht auf längere Fristen. Die Eurozone habe sich doch "mehr oder weniger" darauf geeinigt, dass man Griechenland bis 2022 Zeit geben wolle, um das Schuldenziel zu erreichen.

   Zwar ist dieser Stichtag letztlich nur ein Bestandteil des griechischen Rettungsprogramms, aber die Auseinandersetzung darüber zeigt, wieviel Arbeit noch vor den internationalen Gläubigern liegt. Sie müssen sich auf die Freigabe der nächsten Kredittranche von 31,5 Milliarden Euro einigen, streiten aber seit Monaten hinter den Kulissen, wie sich Griechenlands Schulden auf vernünftige Weise eindämmen lassen. Montagnacht lief das Fass offensichtlich über.

   "Wir haben eindeutig unterschiedliche Ansichten", sagte Lagarde. "Worauf es letztlich ankommt, ist die Nachhaltigkeit der griechischen Schulden, damit das Land zurück auf seine Füße kommt und Zugang zu den privaten [Kapital-]Märkten erhält."

   Der Druck auf die Geldgeber, die nächste Kreditzahlung umgehend freizugeben, ist allerdings nicht mehr ganz so groß, seitdem die griechische Regierung meldete, ein Paket kurzfristiger Staatsanleihen verlängern zu können. Am Freitag wären andernfalls Kurzläufer im Wert von 5 Milliarden Euro fällig geworden, welche die Regierung in Athen nicht hätte zurückzahlen können. Ihr fehlt akut das Geld.

   Die Finanzminister der Eurozone wollen nun am 20. November erneut tagen und zeigten sich am Montagabend zuversichtlich, dass sie sich dann auf die Zahlung der nächsten Hilfstranche einigen würden.

   (Diese Meldung und weitere tiefergehende Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

   Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

   DJG/WSJ/apo

   (END) Dow Jones Newswires

   November 13, 2012 00:07 ET (05:07 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 07 AM EST 11-13-12

Heute im Fokus

DAX geht tiefrot ins Wochenende -- Wall Street im Minus -- Zwiespältiger US-Arbeitsmarktbericht - Reicht das der Fed? -- Lufthansa-Chef sieht Aktionäre bei Streiks hinter sich

BMW-Finanzvorstand hält jahrelange Schwäche in China für möglich. Toyota kooperiert mit US-Hochschulen bei Roboter-Autos. Insolvenzverwalter will Bauausrüster Imtech bis November verkaufen. Lufthansa will neuen Swiss-Chef einsetzen. Ölpreise nach US-Arbeitsmarktbericht auf Zickzackkurs. Tsipras schließt Koalition mit Sozialdemokraten nicht mehr aus. Vonovia ersetzt LANXESS im DAX. G20-Staaten bereiten sich auf Zinswende vor. Deutsche Industrie spürt Schwäche von China & Co.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Die reichsten Deutschen

Deutsche Bank unter den Top 20

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Was verdient man bei Google?

Welcher Darsteller verdient am meisten?

Wer waren die Aktienstars des deutschen Leitindex?

Produkte von Google, die keiner kennt

Heute sind sie Milliardäre

mehr Top Rankings

Umfrage

In den zurückliegenden Jahren kletterten die Börsen zum Teil erheblich. Haben Sie analog dazu Ihren Zertifikate-Anteil im Portfolio erhöht?