12.11.2012 10:40
Bewerten
 (8)

EZB will bei Griechenland-Rettung nicht mitspielen

Griechische Pleite voraus?
Griechenland steht laut einem Zeitungsbericht näher vor der Zahlungsunfähigkeit als EU-Vertreter glauben machen wollen. Demnach stellt sich die EZB bei einem Plan, der den Schuldendienst kurzfristig sicherstellen soll, quer.
Das berichtet die "Financial Times" ("FT") am Montag mit Bezug auf Athener Bankenkreise. Damit müsste das pleitebedrohte Euro-Land rasch neue Geldquellen finden.

  Die Zeit drängt: Am Freitag muss Athen Geldmarktpapiere im Volumen von 5 Milliarden Euro zurückzahlen. Die Staatskasse ist jedoch leer, und die seit Juni zurückgehaltenen 31,5 Milliarden Euro an Hilfsgeldern aus den europäischen Rettungstöpfen werden laut EU-Kreisen frühestens zum Monatsende freigegeben. Um sich über Wasser zu halten, will Griechenland am Dienstag kurzlaufende Schuldtitel versteigern.

    Bereits im August hatte das Land die Zahlungsunfähigkeit mit der Ausgabe von Kurzläufern verschoben. Nun werden eben diese Titel fällig und Athen muss den Kredit verlängern. Halter der Papiere sind vor allem heimische Banken. Das Problem: Die griechischen Banken hatten eigentlich nie die Mittel, um sich die Titel überhaupt zu leisten. Schon vor drei Monaten konnten sie die Papiere nur kaufen, weil sie im Gegenzug für frisches Geld bei der griechischen Zentralbank hinterlegt werden durften.

   Die nötigen Mittel stellt die griechische Zentralbank über die Notfallkreditlinie ELA ("Emergency Liquidity Assistance") bereit - ein Instrument zur kurzfristigen Überbrückung von Liquiditätsengpässen im Bankensektor. Die griechische Zentralbank gibt diese Gelder auf eigene Rechnung und Haftung heraus. Doch da sie Teil des Eurosystems der Zentralbanken der Eurozone ist, muss die EZB dem Vorgang zustimmen. Zudem hängt Griechenland am Tropf internationaler Geldgeber, so dass die Staatshaftung für die ELA-Kredite ohnehin nur auf dem Papier gilt.

  Im August hatte der EZB-Rat erlaubt, das maximale Volumen, das die griechische Zentralbank im Rahmen von ELA an Geldmarktpapieren als Pfand annehmen darf, vorübergehend von 12 auf 17 Milliarden Euro zu erhöhen. Allerdings sollte diese Sonderregelung nur befristet gelten und müsste nun erneut bewilligt werden. Laut "FT" will die EZB dem kuriosen Trick, bei dem Banken, Staat und Zentralbank sich trotz akuter Mittelnot gegenseitig mit Geld versorgen, bislang nicht noch mal zustimmen.

   Würde die EZB hart bleiben, hätten die griechischen Banken keine ausreichenden Sicherheiten, um die Staatspapiere weiter zu halten. Damit hätte jedoch nicht nur Athen ein massives Problem, sondern auch die europäischen Partner. Griechenland um jeden Preis im Euro zu halten, scheint inzwischen als politischer Grundsatz gefestigt. Bis zuletzt schienen sich die Euro-Retter auf die EZB zu verlassen und betonten, es werde keinen Zahlungsausfall in Griechenland geben.

 Deshalb wird anscheinend händeringend nach neuen Wegen gesucht, Athen flüssig zu halten: Dem "FT"-Bericht nach könnte notfalls eine Liquiditätsreserve aus einem Bankenrekapitalisierungsfonds der internationalen Kreditgeber genutzt werden, um die griechischen Geldhäuser mit den nötigen Mitteln auszustatten. So oder so dürfte die morgige Geldmarktauktion angesichts der ungewissen Lage ein Risikoereignis für die Finanzmärkte werden, sind Analysten sicher.

    LONDON (dpa-AFX)

Bildquellen: Anastasios71 / Shutterstock.com, istock/Maryna Pleshkun
Artikel empfehlen?

Heute im Fokus

DAX schließt mit Verlust -- Dow Jones im Minus -- Kommt Apples neues iPhone früher als erwartet? -- Ifo-Geschäftsklima sinkt erstmals seit sieben Monaten -- Deutsche Bank im Fokus

US-Anleihen: Überwiegend schwächer nach Verbraucherpreisen und Yellen-Aussagen. Kein Ende der Debatte über Kohleabgabe in Sicht. Wintershall soll Interesse an Öl- und Gasassets in Libyen haben. Erneuter Streik der Amazon-Mitarbeiter in Leipzig. Fed-Chefin Yellen hält sich bei Zinswende weiter bedeckt. Bayer-Chef will Staatsgelder für Antibiotika-Forschung. IPO: Niederlande bringen verstaatlichte Bank ABN Amro an die Börse. EnBW will Windenergiefirma Prokon für 550 Millionen Euro übernehmen.
Titans

Diese Städte stellen die attraktivsten Märkte in Europa dar.

Diese Firmen zahlen Amerikas höchste Gehälter

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die rasende Welt der Elektroautos

Die wundersame Welt von Google

Was verdient man bei Apple?

Die größten deutschen Kapitalvernichter

10 Patente, die Apple für die Zukunft bereithält

mehr Top Rankings

Umfrage

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht sich für die Abschaffung des Bargelds aus. Was halten Sie von diesem Vorschlag?