20.02.2013 17:23
Bewerten
 (3)

Keine Angst vor Defiziten!

Grüner Fisher-Kolumne: Keine Angst vor Defiziten! | Nachricht | finanzen.net
Grüner Fisher-Kolumne

Thomas Grüner

Deutschland strebt für 2013 einen ausgeglichenen Haushalt an. Eine Meldung, die von vielen Investoren positiv gesehen wird.

Rein intuitiv eine nachvollziehbare Reaktion. Niemand hat gerne Schulden und schließlich sorgt die europäische Schuldenkrise seit Jahren für Angst und Schrecken. Und trotz der deutschen Rolle als europäischer „Fels in der Brandung“: Auch Deutschland befindet sich mit einer Staatsverschuldung von rund 80 % des BIPs deutlich oberhalb der Grenze des Maastrichter Vertrags.

Ist die jetzt angestrebte Verringerung der Neuverschuldung - oder gar der Erzielung eines Haushaltsüberschusses in den kommenden Jahren - tatsächlich ein positives Signal für die deutschen Aktienmärkte?

Konträres Bild

Stellt man die historische Entwicklung des Haushaltsdefizits der Entwicklung des deutschen Aktienmarkts gegenüber, ergibt sich ein völlig konträres Bild: Haushaltsdefizite sind gut für die Börse! Die temporären Hoch- und Tiefpunkte der prozentualen Veränderung des deutschen Haushaltsdefizits weisen eine erstaunliche Parallelität mit den Zyklen des deutschen Aktienmarkts auf. Dabei gilt: Ist das Haushaltsdefizit hoch, schließen sich Jahre mit überdurchschnittlicher Rendite an den Aktienmärkten an: Durchschnittlich 15,3 % in den folgenden drei Jahren. In Zeiten eines geringer werdenden Defizits und zu Zeitpunkten temporärer Haushaltsüberschüsse sind die Renditen an den Aktienmärkten dagegen viel geringer: Auf Dreijahressicht magere 0,2 % pro Jahr. Haushaltsüberschüsse wurden zuletzt in den Jahren 2000 und 2007 erwirtschaftet. Die üblen Folgen an den Börsen sind Ihnen bekannt! Aber welche Ursachen hat diese verblüffende Korrelation?

Überschüsse: Ein negativer Faktor

Ich höre Sie bereits sagen: „Das kann doch gar nicht sein!“. Wie kann also ein Haushaltsüberschuss schlecht für die Entwicklung der Börse sein? Im Grunde ist das recht einfach zu erklären. Ein Überschuss bedeutet: Der Staat nimmt seinen Bürgern und den Unternehmen - in Form von Steuern und Abgaben - mehr ab, als er gleichzeitig ausgibt und in die Volkswirtschaft einbringt. Ein negativer Faktor für die Wirtschaft! Die Bürger und Unternehmen gehen mit eigenem Geld immer sorgfältiger und effektiver um, als es die Staatsdiener und Politiker tun. Denn diese geben nicht ihr eigenes Geld aus, sondern Ihres! Viele prominente Beispiele an Steuerverschwendung sind Ihnen bekannt.

Begegnen Sie deshalb den Aussagen „Deutschland strebt einen ausgeglichenen Haushalt an, die Aktienmärkte werden steigen“ mit Skepsis. Die historischen Daten belegen das Gegenteil! Ein deutscher Haushaltsüberschuss ist - isoliert betrachtet - ein negativer Faktor. Die Outperformance des deutschen Aktienindex DAX aus dem Jahr 2012 sollte sich in 2013 nicht wiederholen. Grund für globale Skepsis besteht jedoch nicht, da der große Rest der Welt weitere Staatsdefizite aufweist. Insbesondere US-Haushaltsüberschüsse erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt utopisch und in weite Ferne gerückt. Eine gesunde Basis für global steigende Aktienkurse.

Fazit

Fürchten Sie sich nicht vor Staatsdefiziten. Ergründen Sie den Mechanismus hinter dieser - auf den ersten Blick – scheinbar unlogischen Entwicklung. Ein Staat, der seinen Bürgern per Saldo mehr abnimmt als er ausgibt, bremst die wirtschaftliche Entwicklung. Hohe Staatsdefizite dagegen kommen bei den Bürgern und der Wirtschaft auf deren Konten an. Diese gehen mit diesem Geld verantwortungsvoller und vernünftiger um als der Staat. Und das wiederum ist auch gut für den Staat!

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen/Disclaimer unter www.gruener-fisher.de.
Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Technologieaktien: Drei Möglichkeiten, um vom Trend "Digitale Fabrik" zu profitieren!
Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange und verändert, vom Großteil der Gesellschaft völlig unbemerkt, bereits die Produktionsabläufe in den großen, industriellen Hallen. Wir zeigen Ihnen in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins drei Möglichkeiten, wie Sie in den kommenden Monaten und Jahren von dem Zukunftstrend "Digitale Fabrik" profitieren können.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX schließt freundlich -- Dow im Plus -- SAP erhöht Prognosen für 2017 und 2020 -- Manz- und Pfeiffer Vacuum-Aktien heben ab -- Samsung, BT Group, VW, Alcoa, Yahoo im Fokus

Schaeffler verdient mehr. DuPont meldet Gewinnsprung. Werden Russland-Investments mit US-Präsident Trump wieder attraktiv? Chartanalyst: Das ist bei der Trump-Rally noch drin. Britisches Parlament darf über Brexit-Erklärung abstimmen. Air Berlin-Großaktionär Etihad wirft Chef raus.
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken
Diese 10 Aktien kann sich nicht jeder Investor leisten
Jetzt durchklicken
So günstig kommt an an 4 Räder?
Jetzt durchklicken
Das sind die bestbezahlten Sportler aller Zeiten
Jetzt durchklicken
Diese Legenden sind die bestbezahlten Toten der Welt
Jetzt durchklicken
mehr Top Rankings

Umfrage

Am Freitag wurde Donald Trump in das Amt des US-Präsidenten eingeführt. Wsas halten Sie von dem Republikaner?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Volkswagen AG Vz. (VW AG) 766403
Deutsche Bank AG 514000
Daimler AG 710000
BASF BASF11
Bayer BAY001
Allianz 840400
Deutsche Cannabis AG A0BVVK
SAP SE 716460
Commerzbank CBK100
Deutsche Telekom AG 555750
E.ON SE ENAG99
Apple Inc. 865985
Siemens AG 723610
Nordex AG A0D655
Deutsche Lufthansa AG 823212