20.02.2013 17:23
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Keine Angst vor Defiziten!

Deutschland strebt für 2013 einen ausgeglichenen Haushalt an. Eine Meldung, die von vielen Investoren positiv gesehen wird.
Rein intuitiv eine nachvollziehbare Reaktion. Niemand hat gerne Schulden und schließlich sorgt die europäische Schuldenkrise seit Jahren für Angst und Schrecken. Und trotz der deutschen Rolle als europäischer „Fels in der Brandung“: Auch Deutschland befindet sich mit einer Staatsverschuldung von rund 80 % des BIPs deutlich oberhalb der Grenze des Maastrichter Vertrags.

Ist die jetzt angestrebte Verringerung der Neuverschuldung - oder gar der Erzielung eines Haushaltsüberschusses in den kommenden Jahren - tatsächlich ein positives Signal für die deutschen Aktienmärkte?

Konträres Bild

Stellt man die historische Entwicklung des Haushaltsdefizits der Entwicklung des deutschen Aktienmarkts gegenüber, ergibt sich ein völlig konträres Bild: Haushaltsdefizite sind gut für die Börse! Die temporären Hoch- und Tiefpunkte der prozentualen Veränderung des deutschen Haushaltsdefizits weisen eine erstaunliche Parallelität mit den Zyklen des deutschen Aktienmarkts auf. Dabei gilt: Ist das Haushaltsdefizit hoch, schließen sich Jahre mit überdurchschnittlicher Rendite an den Aktienmärkten an: Durchschnittlich 15,3 % in den folgenden drei Jahren. In Zeiten eines geringer werdenden Defizits und zu Zeitpunkten temporärer Haushaltsüberschüsse sind die Renditen an den Aktienmärkten dagegen viel geringer: Auf Dreijahressicht magere 0,2 % pro Jahr. Haushaltsüberschüsse wurden zuletzt in den Jahren 2000 und 2007 erwirtschaftet. Die üblen Folgen an den Börsen sind Ihnen bekannt! Aber welche Ursachen hat diese verblüffende Korrelation?

Überschüsse: Ein negativer Faktor

Ich höre Sie bereits sagen: „Das kann doch gar nicht sein!“. Wie kann also ein Haushaltsüberschuss schlecht für die Entwicklung der Börse sein? Im Grunde ist das recht einfach zu erklären. Ein Überschuss bedeutet: Der Staat nimmt seinen Bürgern und den Unternehmen - in Form von Steuern und Abgaben - mehr ab, als er gleichzeitig ausgibt und in die Volkswirtschaft einbringt. Ein negativer Faktor für die Wirtschaft! Die Bürger und Unternehmen gehen mit eigenem Geld immer sorgfältiger und effektiver um, als es die Staatsdiener und Politiker tun. Denn diese geben nicht ihr eigenes Geld aus, sondern Ihres! Viele prominente Beispiele an Steuerverschwendung sind Ihnen bekannt.

Begegnen Sie deshalb den Aussagen „Deutschland strebt einen ausgeglichenen Haushalt an, die Aktienmärkte werden steigen“ mit Skepsis. Die historischen Daten belegen das Gegenteil! Ein deutscher Haushaltsüberschuss ist - isoliert betrachtet - ein negativer Faktor. Die Outperformance des deutschen Aktienindex DAX aus dem Jahr 2012 sollte sich in 2013 nicht wiederholen. Grund für globale Skepsis besteht jedoch nicht, da der große Rest der Welt weitere Staatsdefizite aufweist. Insbesondere US-Haushaltsüberschüsse erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt utopisch und in weite Ferne gerückt. Eine gesunde Basis für global steigende Aktienkurse.

Fazit

Fürchten Sie sich nicht vor Staatsdefiziten. Ergründen Sie den Mechanismus hinter dieser - auf den ersten Blick – scheinbar unlogischen Entwicklung. Ein Staat, der seinen Bürgern per Saldo mehr abnimmt als er ausgibt, bremst die wirtschaftliche Entwicklung. Hohe Staatsdefizite dagegen kommen bei den Bürgern und der Wirtschaft auf deren Konten an. Diese gehen mit diesem Geld verantwortungsvoller und vernünftiger um als der Staat. Und das wiederum ist auch gut für den Staat!

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen/Disclaimer unter www.gruener-fisher.de.
Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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