14.11.2012 17:09
Bewerten
 (53)

Vier weitere Jahre für Obama

Grüner Fisher-Kolumne

Thomas Grüner
Der politische Stillstand wird sich fortsetzen
Die amerikanische Präsidentschaftswahl stand unter einem besonderen Vorzeichen. Sowohl die Wiederwahl eines Demokraten als auch die Neuwahl eines Republikaners deuteten historisch betrachtet auf eine positive Entwicklung der Aktienmärkte im Jahr 2012 hin. Das vierte Jahr des US-Präsidentschaftszyklus neigt sich dem Ende zu und die weltweiten Aktienmärkte werden das Jahr 2012 tatsächlich positiv abschließen.

Die anschließende Fragestellung lautet: Was hat der Wahlsieg Obamas für die Zukunft zu bedeuten? Ist ein demokratischer Präsident nun gut oder schlecht für die Aktienmärkte? Welchen Einfluss kann Obama auf politischer und wirtschaftlicher Ebene ausüben?

Die Angst vor dem Demokraten

Mehrheitlich fiel die erste Reaktion der Investoren auf die Wiederwahl Obamas eher missmutig aus. Obwohl die ersten vier Jahre in der Amtszeit Obamas durchweg positiv verlaufen sind - mit einer kumulierten Rendite von 71,8 % (!) an den US-Aktienmärkten seit Beginn des Jahres 2009 - ist die Skepsis für seine zweite Amtszeit groß. Gemäß den kritischen Äußerungen der Investoren - eine überholte und nicht korrekte Weisheit - ist ein Demokrat Gift für die Aktienmärkte. Demokraten stehen insbesondere in Zeiten des Wahlkampfs für verschärfte Regulierungsmaßnahmen und Kontrolle – Märkte fürchten dies. Letztendlich sind diese Ängste jedoch unbegründet. Der tatsächliche Einfluss der Gesetzgebung auf die Entwicklung der Märkte ist oftmals eher gering. Entweder weil die Legislative die regulatorischen Maßnahmen nicht mit letzter Konsequenz durchsetzen will – aus Gründen der Wiederwählbarkeit – oder weil sie das ganz einfach nicht kann. Die oft übersehene Ursache: Ein politisches Patt!

Politischer Stillstand

Es gilt zu relativieren, welchen Einfluss die Gesetzgebung in der kommenden Amtsperiode Obamas überhaupt auf die Kapitalmärkte haben kann und wird. Generell zielt die Gesetzgebung darauf ab, Geld und Besitztümer neu zu verteilen und regulatorische Bedingungen zu installieren – die Angst vor Umverteilungen schreckt Investoren grundsätzlich ab. In der zweiten Amtszeit Obamas wird die politische Pattsituation noch ausgeprägter sein als bei all seinen demokratischen Vorgängern – Bill Clinton ausgenommen. Steht der Gesetzgebung etwas im Wege, kehrt Erleichterung ein – ebenso entsteht ein psychologischer Vorteil, wenn der Demokrat nicht den wirtschaftlichen Untergang einläutet, sondern diplomatisch agiert. Eine Abnahme der Risikoaversion kann ein mächtiger, positiver Antriebsfaktor für die Aktienmärkte sein. Genau deshalb ist die erneute politische Pattsituation positiv!

Fazit

Während in der ersten Amtszeit von Obama der Weg in die politische Mitte gesucht wurde - lediglich zwei maßgebliche Gesetzesänderungen wurden letztendlich durchgesetzt - verhindert die politische Pattsituation bezüglich Senat und Repräsentantenhaus auch in der zweiten Amtsperiode Obamas umfangreiche gesetzgeberische Eingriffe in das Marktgeschehen. Die erneut aufgeflackerte Angst der Investoren vor einem demokratischen Präsidenten wird bald verschwinden und den Märkten Erleichterung verschaffen. Die derzeit gefürchtete „fiscal cliff“ wird ihren Schrecken ebenfalls bald verlieren. Präsidenten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit sind gut für die Börse.

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen/Disclaimer unter www.gruener-fisher.de.
Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Vier Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau:
In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden vier Aktien vorgestellt, die sich aus Sicht der Redaktion für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Sicherheit allein war nicht das entscheidende Kriterium. Es ging auch darum, Aktien von Unternehmen auszuwählen, die aufgrund ihrer Wettbewerbsstellung aussichtsreich erscheinen und die dennoch große Wachstumschancen bieten.

Heute im Fokus

DAX geht tiefrot ins Wochenende -- US-Börsen schließen schwächer -- Carl Icahn steigt bei Apple aus -- Öl- und Gaspreise belasten BASF -- LinkedIn, Postbank, PUMA im Fokus

S&P droht Großbritannien mit Herabstufung. Annäherung im Tarifstreit um den öffentlichen Dienst. Moody's senkt Ausblick für MTU-Rating. Singapur wird neuer Großaktionär bei alstria. Eurokurs legt Höhenflug hing. Medivation lehnt Milliarden-Offerte von Sanofi ab. Ölpreisverfall lässt Exxon-Gewinn weiter einbrechen.
Das haben die Dax-Vorstände 2015 verdient
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten
Die schönsten Geldscheine der Welt

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Unternehmen sind fantastisch erfolgreich
IT-Gründer ohne Technik-Know-How
Welcher amerikanische Investor ist am vermögendsten?
Wer hatte das größte Emissionsvolumen?
Diese Top 20 haben zur Verbessung der Welt beigetragen
mehr Top Rankings

Umfrage

Daimler will am Diesel als Kraftstoff für Autos trotz Kritik an Abgasmanipulationen festhalten. Wie stehen Sie zum Diesel?