10.07.2013 15:32
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Volatilität heißt Normalität

Nie ruhige Zeiten am Aktienmarkt! Auch das Jahr 2013 war im bisherigen Verlauf keinesfalls frei von gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Sorgen.
Trotz einer per Saldo positiven Entwicklung der Aktienmärkte war das laufende Jahr für viele Anleger geprägt von vielfältigen Ängsten. Die „gefühlte“ Volatilität ist mal wieder höher als die tatsächliche Schwankungsbreite. Der deutsche Aktienindex DAX ist in 2013 ein typisches Beispiel hierfür: Der Kampf mit der 8.000er-Marke, das Erreichen eines neuen Allzeithochs und die anschließende Korrektur um über 1.000 Punkte mag dem einen oder anderen wie eine Achterbahnfahrt vorkommen. Prozentual betrachtet ist die Schwankungsbreite jedoch im Vergleich zu vorangegangenen Jahren äußerst gering. Das Niveau zu Jahresbeginn wurde im Tiefpunkt gerade mal um etwa 2 % unterschritten, auch die neue Rekordmarke von 8.556 Punkten bedeutete einen Zuwachs von „nur“ rund 12 %. Ein geradezu ungewöhnlich moderates erstes Halbjahr!

Unterschätztes Potential

Anleger unterschätzen generell das Potential der Aktienmärkte. Der DAX stieg in positiven Jahren seit 1980 im Durchschnitt um 25 %! Auch der sehr breit gefasste US-Index S&P 500 stieg in positiven Jahren noch durchschnittlich um 17 %. Selbst in den äußerst positiven Jahren gehörten Korrekturen und Schwankungen zur Tagesordnung. Diese sind in jeder Aufwärtsphase zwangsläufig eingestreut und sorgen immer wieder dafür, dass die Erwartungen der Privatanleger und Banken gedämpft werden. Im Jahr 2012 stand für den DAX per Saldo ein Zuwachs von 29 % zu Buche, im Vergleich zum damaligen Jahresbeginn notierte der Index keinen einzigen Handelstag im Minus. Rückblickend ein hervorragendes Ergebnis. Die Korrektur im zweiten Quartal veranlasste die Anleger allerdings - trotz eines immer noch bemerkenswerten Zuwachses von rund 10 % im ersten Halbjahr - für das zweite Halbjahr lediglich einen Anstieg von rund 3 % zu erwarten. Die Situation im Jahr 2013 stellt sich im bisherigen Verlauf ähnlich dar. In einem skeptischen, nur mit zaghaftem Optimismus versehenen Umfeld ist das positive Überraschungspotential immer noch in hohem Maße vorhanden.

Der Fluch der Transparenz

Primär rufen Schwankungen Angst und Nervosität bei Anlegern hervor. Die vollständige Transparenz eines aus Einzelaktien bestehenden Portfolios sorgt für Unsicherheit. Die gesamte Bandbreite der Entwicklung einzelner Werte wird offengelegt, während bei Aktienfonds oder geschlossenen Produkten der Fokus ausschließlich auf die gesamte Wertentwicklung gelegt wird. So entsteht der Eindruck einer geringeren Schwankungsbreite. Verfallen Sie dieser Illusion nicht - ein breit diversifiziertes Portfolio enthält stets Werte mit einer unter- aber auch überdurchschnittlichen Performance. Letztendlich ist der Schlüssel zum Erfolg jedoch, die gegebene Volatilität zu antizipieren und vor allem zu akzeptieren.

Fazit

Die objektive Einschätzung der Volatilität fällt vielen Anlegern schwer. Volatilität ist nicht pauschal mit „Verlust“ oder „Risiko“ gleichzusetzen, sondern generiert im positiven Sinne eine gewisse Dynamik. Prinzipiell ist genau darin der historische Renditevorteil der Aktienmärkte gegenüber anderen Anlageklassen begründet.

Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen/Disclaimer unter www.gruener-fisher.de.
Thomas Grüner ist Firmengründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Grüner Fisher Investments GmbH. Seine oft dem allgemeinen Marktkonsens entgegen stehenden Prognosen sorgten schon mehrfach für großes Aufsehen. Weitere Informationen unter http://www.gruener-fisher.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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