13.02.2013 13:51
Bewerten
 (2)

Leuchtenspezialist Hess zahlungsunfähig und überschuldet

Guthaben eingefroren
Der finanziell schwer angeschlagene Leuchtenhersteller Hess aus dem Schwarzwald ist insolvent.
Der Betrieb sei nicht nur zahlungsunfähig, sondern auch überschuldet und obendrein ohne aussichtsreiche Fortführungsperspektive, berichtete die Hess AG am Mittwoch in einer Pflichtmitteilung an die Finanzwelt. Noch am Mittwoch wollte das Unternehmen Insolvenzantrag stellen. Im Januar hatte Hess selber mitgeteilt, dass die Bilanzen womöglich über längere Zeit hinweg und mit Kenntnis des Vorstandes frisiert wurden. Der Leuchtenspezialist beschäftigte zum Stand erstes Halbjahr 2012 nach eigenen Angaben 360 Mitarbeiter.

   Bei Hess war am Mittwoch nach Veröffentlichung der Nachricht zunächst niemand zu erreichen. Für gewöhnlich finden nach Insolvenzankündigungen Betriebsversammlungen statt. Auch die 100-prozentige Tochter Hess Lichttechnik GmbH werde wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenzantrag stellen, hieß es in der Mitteilung.

  Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung und parallel die fehlende Aussicht auf Besserung sind dem Insolvenzrecht zufolge eine denkbar schlechte Ausgangslage. Schon Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung alleine würden als Kriterien ausreichen, um einen Insolvenzantrag zwingend erforderlich zu machen.

   In der Mitteilung heißt es weiter, dass Hess seit 2009 praktisch auf Pump gelebt habe. So "ist die Finanzierung des Geschäftsbetriebs der Gesellschaft für das laufende und nächste Geschäftsjahr nicht gesichert". Mehr noch: Wegen der Unregelmäßigkeiten und des Verdachts auf frisierte Bücher drohten Anlegerklagen, was Finanzspritzen von externen Investoren unrealistisch erscheinen lasse. "Daher besteht für die Gesellschaft eine negative Fortführungsprognose."

   Die Mitteilung endet mit dem Satz: "Es ist geplant, den operativen Geschäftsbetrieb im Rahmen eines Insolvenzverfahrens zu sanieren." Das jedoch ist ganz grundsätzlich immer das Ziel jeder Insolvenz, bei der der Verwalter neben der Bedienung der Gläubiger auch auf die soziale Komponente der vielen bedrohten Jobs achten muss. Ob er dann aber tatsächlich auch Chancen zur Sanierung sieht oder ob der Betrieb abgewickelt wird, ist erst nach intensiver Buchprüfung möglich.

     In der im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen ansässigen Firma sind offensichtlich Bilanzen manipuliert worden. Mitte Januar hatte Hess selber mitgeteilt, interne Recherchen hätten ergeben, dass es "wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum mit Kenntnis des Vorstands zu Verstößen gegen Bilanzierungsregelungen gekommen ist". Der Aufsichtsrat als oberste Kontrollinstanz entließ daraufhin die Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler.

   Laut Mitteilung besteht unter anderem der Verdacht, dass die Hess AG seit dem Jahr 2011 fingierte Umsätze ausgewiesen habe. "In den Finanzberichten der Gesellschaft für die Jahre 2011 und 2012 wurden daher nicht bestehende Umsatzerlöse ausgewiesen und die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage zu positiv dargestellt", hieß es. Auch die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein, wie in solchen Fällen üblich.

    VILLINGEN-SCHWENNINGEN (dpa-AFX)

Bildquellen: Hess AG, istock/Brian Jackson

Nachrichten zu Hess AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Keine Nachrichten im Zeitraum eines Jahres in dieser Kategorie verfügbar.
Eventuell finden Sie Nachrichten, die älter als ein Jahr sind, im Archiv
Keine Nachrichten im Zeitraum eines Jahres in dieser Kategorie verfügbar.
Eventuell finden Sie Nachrichten, die älter als ein Jahr sind, im Archiv
Keine Nachrichten im Zeitraum eines Jahres in dieser Kategorie verfügbar.
Eventuell finden Sie Nachrichten, die älter als ein Jahr sind, im Archiv

Analysen zu Hess AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
Keine Analysen gefunden.
mehr Analysen

Meistgelesene Hess News

Keine Nachrichten gefunden.
Weitere Hess News
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Vier Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau:
In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden vier Aktien vorgestellt, die sich aus Sicht der Redaktion für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Sicherheit allein war nicht das entscheidende Kriterium. Es ging auch darum, Aktien von Unternehmen auszuwählen, die aufgrund ihrer Wettbewerbsstellung aussichtsreich erscheinen und die dennoch große Wachstumschancen bieten.

Heute im Fokus

DAX schließt deutlich stärker -- Wall Street im Plus -- ifo-Index höher als erwartet -- Bayer-Aktie fährt Achterbahn: Höheres Gebot für Monsanto befürchtet -- VW, STADA im Fokus

Renschler sieht die MAN-Scania-Kooperation auf gutem Weg. Heidelbergcement platziert Euroanleihe über 750 Mio Euro. Aktionäre von PNE Wind verweigern Ex-Vorstandschef die Entlastung. Neue Proteste gegen französische Arbeitsmarktreform. Apple erforscht Ladetechnologie für Elektroautos. Stada-Chef bändelt mit Finanzinvestor CVC an. Umfrage - 2016 keine weitere Lockerung der EZB-Geldpolitik erwartet. Millionenstrafe gegen Großbank Citigroup.
In welcher Metropolregion leben am meisten Menschen?
Diese Aktien sind auf den Verkauflisten der Experte
Volatilität in Schwellenländern

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Diese Unternehmen sind fantastisch erfolgreich
IT-Gründer ohne Technik-Know-How
Welcher amerikanische Investor ist am vermögendsten?
Wer hatte das größte Emissionsvolumen?
Diese Top 20 haben zur Verbessung der Welt beigetragen
mehr Top Rankings

Umfrage

Bundeskanzlerin Merkel hält trotz aller Kritik am umstrittenen Flüchtlingspakt mit der Türkei fest. Wie bewerten Sie dessen Chancen?