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09.02.2013 10:04

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HINTERGRUND: Bitteres Zeugnis für Stahlsparte - ThyssenKrupp-Chef räumt auf

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    ESSEN (dpa-AFX) - Aufräumen ohne Tabus: Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern steckt in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Bei der Neuausrichtung nimmt Vorstandschef Heinrich Hiesinger nun die traditionsreiche Stahlsparte ins Visier und will mindestens 2.000 Stellen streichen - die meisten davon in Deutschland. Das einstige Stammgeschäft verliert beim Umbau zum modernen Industriekonzern unter dem früheren Siemens-Manager (Siemens) weiter an Bedeutung.

 

    Neben massiven Fehlspekulationen in Übersee bringt nun auch die Branchenkrise beim Stahl das Dax-Konzerns (DAX) in die Bredouille. Die Margen im europäischen Stahlgeschäft seien mittlerweile eindeutig zu niedrig. Mit drastischen Einsparungen von 500 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren soll das ehemalige Kerngeschäft des Konzerns nun wieder auf Kurs gebracht werden.

 

    Nach dem im vergangenen Jahr von Hiesinger bereits eingefädelten Verkauf der Edelstahlsparte Inoxum ist der Anteil des Stahls am Konzernumsatz bereits heute auf nur noch rund 30 Prozent gesunken. Längst spielt das Technologiegeschäft etwa mit Aufzügen und Anlagenbau in dem Konzern die Hauptrolle - und der ehemalige Siemens-Manager hat einen weiteren Ausbau dieses Geschäftsfeldes im Blick.

 

    Dabei schreckt der Konzernchef nun auch vor massiven Stellenstreichungen beim Stahlgeschäft nicht zurück, die vor allem Standorte in Nordrhein-Westfalen treffen könnten. Weitere 1.800 der weltweit 27.600 Mitarbeiter der Sparte könnten den Konzern durch Verkäufe verlassen. Allein bei der Steel Europe AG sind in Deutschland rund 19 000 Mitarbeiter beschäftigt. Hinzu kommen rund 7.000 Beschäftigte in deutschen Tochtergesellschaften des Unternehmens.

 

    Nachdem der Konzern in der Vergangenheit durch milliardenschwere Fehlspekulationen beim Bau neuer Stahlwerke in Übersee in die Krise geraten war, setzt nun auch das europäische Stahlgeschäft die Essener unter Druck. Hintergrund seien konjunkturelle Probleme vor allem im Süden und Westen Europas sowie hohe Rohstoff- und Energiepreise, hieß es.

 

    Im Gegensatz zu Konkurrenten konnte ThyssenKrupp in seinem europäischen Stahlgeschäft jedoch auch im vergangenen Jahr noch schwarze Zahlen schreiben. "Wir müssen beweisen, dass wir uns am Markt halten können", formulierte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssen Krupp Steel Europe, Günter Back, die Herausforderung. Eine Abkehr vom Stahlgeschäft bei ThyssenKrupp sieht er nicht. Für die Belegschaft müsse es nun darum gehen, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.

 

    Der weltgrößte Stahlkocher ArcelorMittal hatte erst in dieser Woche einen Verlust von 2,7 Milliarden Euro bekanntgegeben und über eine deutliche Abkühlung der Stahlnachfrage vor allem in Europa geklagt. Als Reaktion auf die schwache Nachfrage hat ArcelorMittal seit längerem in Europa nur 16 von ursprünglich 25 Hochöfen in Betrieb.

 

    Konzernchef Hiesinger hatte zuletzt vor drei Wochen bei der Hauptversammlung in Bochum erneut seinen Willen zu einem tiefgreifenden Umbau des Konzerns bekräftigt. Neben dem europäischen Stahlgeschäft hat er auch die Verwaltung des Konzerns bereits unter die Lupe genommen.

 

    Mit einem Minus von fünf Milliarden Euro im zurückliegenden Geschäftsjahr (30. September) war der Konzern tief in die Verlustzone gerutscht. "Alle Weichen sind gestellt", versprach er den Anteilseignern, die für das zurückliegende Jahr erstmals seit der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Thyssen und Krupp 1999 auf ihre Dividende verzichten mussten.

 

    Bei seinem Amtsantritt sei ihm nicht bewusst gewesen, wie tiefgreifend der notwendige Veränderungsprozess sein würde, räumte der Manager ein, der Anfang 2011 zu ThyssenKrupp gewechselt war. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der seit 2001 an der Spitze des ThyssenKrupp-Kontrollgremiums steht, räumte dagegen vor dem Hintergrund massiver Verluste für die Übersee-Stahlwerksprojekte Fehler ein.

 

    Gleichzeitig konnte sich der 69-jährige Cromme über Rückendeckung des Krupp-Patriarchen Berthold Beitz (99) freuen. Der Chef der mächtigen Krupp-Stiftung, die mit mehr als 25 Prozent der Aktien wichtigster Großaktionär des Konzerns ist, stellte sich mit seinem möglichen Nachfolger bei dem Treffen zum demonstrativen Schulterschluss vor die Kameras./uta/DP/jha

 

    --- Von Uta Knapp, dpa ---

 

 

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