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13.10.2012 11:12

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HINTERGRUND: Porsche könnte Audi Kunden ausspannen

Porsche zu myNews hinzufügen Was ist das?


    STUTTGART (dpa-AFX) - Porsches Glaubensbekenntnis ist als meterlanger Schriftzug im eigenen Museum in Stuttgart verewigt. Wortlaut: "Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein." Gesagt hat das der Erfinder des Ur-Porsches, Ferry Porsche . Er starb 1998 und gilt als Wegbereiter des heutzutage profitabelsten deutschen Autobauers. Würde Ferry Porsche seinen Betrieb jetzt sehen, dürfte er staunen. In Anspielung auf das neue Werk in Ostdeutschland und das Erfolgsmodell Cayenne behaupten böse Zungen, der Sportwagenbauer aus Stuttgart-Zuffenhausen sei inzwischen ein Geländewagenbauer aus Leipzig.

 

    Den aktuellen 911, Sportwagenikone und Markenkern, würde Ferry Porsche erkennen. Auch die Anfänge der kleinen 911-Brüder Boxster und Cayman gab es noch zu seinen Lebzeiten. Doch das übrige Bild hat sich grundlegend gewandelt: 52 Prozent des bisherigen Jahresabsatzes macht die Cayenne-Geländelimousine aus, das Dickschiff. Und mit dem auch in Leipzig gebauten Panamera hat Porsche inzwischen einen Viertürer im Programm, mit dem zumindest in Asien viele gar nicht mehr selber fahren, sondern sich chauffieren lassen. Soviel zum Sportwagenimage.

 

    Nach seiner Fast-Pleite in den 90er Jahren steht Porsche derzeit an der wohl wichtigsten Wegscheide seiner Geschichte. Die Rennlegende aus Zuffenhausen - die Telefondurchwahl der Zentrale beginnt mit 911 - ist auf dem Weg zu ganz neuen Ufern. Intern sind die Weichen für die Zeitenwende längst gestellt. Das Motto: Weg vom Premiumflitzer und hin zum alltagstauglicheren PS-Luxusvehikel. Erst kürzlich beendeten die Konzernstrategen Gedankenspiele für einen minimalistischen Roadster. Bekannt ist bisher nur, dass der Cayenne Ende 2013 einen kleinen Bruder bekommt, den Macan. Schon wieder ein sogenanntes SUV.

 

    Auch der Panamera könnte einen Sprössling erhalten. "An sich spielen wir schon mit solchen Gedanken", sagt die Pressestelle. Vor wenigen Wochen zeigte Porsche in Paris einen Panamera-Kombi als Studie. "Aber Entscheidungen gibt es dazu noch nicht", betont ein Sprecher und meint auch den Panamera-Junior. Branchenkenner sind dennoch sicher: "Für mich ist der kleine Panamera schon beschlossene Sache", sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. "Das ist relativ kostengünstig zu machen und passt zur Volumenstrategie von Porsche."

 

    Auch für Dudenhöffers Kollegen Professor Stefan Bratzel ergibt ein kleiner Panamera als Konkurrent etwa für den 5er BMW Sinn. "In diese Lücke wird man wohl schon reingehen. Das braucht man ja auch für das Ziel, den Absatz kräftig hochzuschrauben." Bratzel sieht Porsche aber dabei in einem Spagat. "Die jeweilige DNA, die Markenpersönlichkeit, muss erhalten bleiben." Ein Erfolgsbeispiel sei der Cayenne, der fast identisch ist mit dem VW-Touareg. "Und das hat trotzdem funktioniert. Beide haben ihre Käufer. Wenn es gelingt, trotz vieler Gleichteile die jeweiligen Identitäten erscheinen zu lassen, dann geht viel."

 

    Für Porsche heißt das: Die Marke und ihr Kern, der Motorsport. Das ist die Wurzel. Kleine Jungs träumen schließlich vom 911 und nicht vom Cayenne. Wenn sie als Erwachsene dann wirklich das Geld haben und mit Familie Skier oder Sportpferde bewegen müssen, mag das anders sein. "Ich denke, der SUV schadet dem Sportwagenimage nicht. Das ist eher bei dem Panamera der Fall", gibt Dudenhöffer zu bedenken.

 

    Die Frage ist, wo der einstige Nischenakteur seinen Platz findet. "Porsche will ja weg vom reinen Sportwagenhersteller und überlässt dieses Feld Ferrari und Lamborghini", sagt Dudenhöffer. "Die Richtung für die Positionierung ist eher zwischen BMW und Aston Martin statt Ferrari." Porsche will seinen derzeitigen Absatz (2011: knapp 120 000 Autos) bis 2018 auf etwa 200 000 hochschrauben. Dudenhöffer hält bis 2020 sogar "deutlich mehr als 300 000 Fahrzeuge" für realistisch.

 

    Das braucht mehr Modelle, die nicht zu teuer sind und Volumen schaffen. Offiziell schweigt Porsche. Produktionschef Wolfgang Leimgruber sagte der dpa vor kurzem, dass die aktuelle Modellpalette prall genug sei: "Im Moment sind wir wirklich gut ausgelastet und beschäftigt." Fakt ist aber, dass Autobauer intern ständig neue Wagen planen. Wer da spart, muss es später büßen - Fiat ist ein Beispiel.

 

    Spannt Porsche Audi also oben bald die Kunden aus? Welche Zukunft hat der Premiumrenner R8? Ein Top-Manager der Schwaben sagte jüngst in kleiner Runde: "Audi musste akzeptieren, dass der Wettbewerber jetzt zur Familie gehört." Um die Sportwagen-Kompetenz habe es Streit gegeben - wenn auch ohne Grabenkämpfe. Dudenhöffer bilanziert dazu: "Porsche wildert in der Zukunft deutlich im Audi-Segment. Audi wird damit weiter nach unten in kleinere Fahrzeuge gedrängt."

 

    Porsches Positionssuche innerhalb der VW-Familie verspricht also Hochspannung. Seit Sommer gehört die Porsche AG ganz zu Wolfsburg. Die Stimmenmehrheit an VW liegt aber weiter beim Porsche-Dachkonzern SE, und den dominiert der PS-Clan Porsche/Piëch. Allein schon wegen der Familienhistorie dürfte klar sein, dass die Schwaben künftig eine herausragende Rolle im weitverzeigten VW-Mehrmarkenreich einnehmen. Zu Audis Ehrenrettung muss gesagt werden, dass die Ingolstädter der wichtigste Ertragsbringer sind - Porsches Königsmargen hin oder her.

 

    Dudenhöffer prophezeit: "Porsche wird sicher der Träger für die Hochleistungs-Innovationen im Konzern." Die hohen Stückzahlen in der VW-Familie ließen die Rechnung aufgehen. Konzernpatriarch Piëch werde Porsches Vorreiterrolle höchstpersönlich protegieren. Vieles ist schon aufgeteilt - etwa die Zuständigkeit für die Baukästen. Und auch manche Absagen könnten bald hinfällig sein. "Für das Volumenziel ist die Positionierung mit einem Einstiegsmodell um 40 000 Euro nötig", sagt Fachmann Bratzel. "Ich glaube, das Thema kommt deutlich vor 2018 wieder auf die Agenda." Die Kunst sei es dabei, dass die 911-Fahrer nicht die Nase rümpften - wenn sie ein solches Auto überholen./loh/DP/zb

 

    --- Von Heiko Lossie, dpa ---

 

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