16.12.2012 11:34
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HINTERGRUND: Welche Krise? - Maschinenbauer auf Erfolgskurs

    FRANKFURT (dpa-AFX) - Von Krise will Thomas Lindner nichts wissen. Der Euroraum steckt in der Rezession, aber der deutsche Maschinenbau wird 2012 mit einem Rekord bei Umsatz und Produktion abschließen - und damit ein wichtiger Stabilisator der derzeit schwächelnden deutschen Konjunktur bleiben. Nun sei es für die Branche an der Zeit, sich "endlich vom mentalen Mühlstein der außergewöhnlich tiefen Krise Rezession des Jahres 2009 zu lösen", sagt der Präsident des Maschinenbauverbands VDMA am Donnerstag in Frankfurt. Denn auch 2013 werde der deutsche Maschinenbau zulegen.

 

    2009 war die Produktion inmitten der Finanz- und Wirtschaftskrise um knapp ein Viertel eingebrochen. Der Absturz hatte die erfolgsverwöhnte Branche tief erschüttert. Seither legte die mittelständisch geprägte Schlüsselindustrie eine rasante Aufholjagd hin. Die Vorkrisenniveaus sind wieder erreicht, der Umsatz wird 2012 sogar auf ein Allzeithoch klettern. 2013 werde die Produktion nochmals um zwei Prozent zulegen, bekräftigt Lindner: "Deutschland wird der Schrittmacher im Euroraum sein."

 

    Generell spüre die mittelständische Branche geopolitische Krisen weniger als andere. "Richtig große Krisen wie ein Zusammenbruch des Euro hauen aber auch bei uns rein", sagt VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse. Deshalb blickt der Verband immer auch mit einem Auge auf die Gipfel in Brüssel. Lindner weiß: "Entscheidend ist, dass das Vertrauen der potenziellen Investoren, unserer Kunden, in die Lösbarkeit der strukturellen Probleme zurückkehrt."

 

    Zwar gebe es auch Molltöne aus einigen Kundenbranchen. Während es bei Werkzeugmaschinenbauern oder Turbinenherstellern rund läuft, ist die Lage etwa bei Textilmaschinen angespannter. Insgesamt sei der Auftragseingang aber auf Expansionskurs. Lindner sieht Chancen, dass 2013 die Nachfrage nach einem eher flauen Jahresstart anspringt.

 

    In diese Richtung gehen auch die Prognosen führender Volkswirte. Das Münchner ifo-Institut erwartet, dass die deutsche Wirtschaft nach einer kräftigen Delle im Winter 2013 allmählich wieder in Schwung kommt. Die Talsohle sei erreicht. Als Wachstumstreiber sieht das Institut unter anderem die Exporte - und Investitionen im Inland.

 

    Letzteres dürfte sich positiv auf den Maschinenbau auswirken. Darauf setzt VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers: "Wir haben einen Investitionsstau. In unseren Fabriken in Deutschland haben wir tendenziell zu alte Maschinen." 2012 hatten Betriebe wegen der Schuldenkrise und aus Angst vor Steuererhöhungen Investitionen zurückgestellt. "Wir haben ein Umfeld, bei dem Unternehmen im Zweifelsfall zögerlich sind", klagt Hesse.

 

    Auf gute Geschäfte baut der Verband in China. Nachdem der wichtigste Exportmarkt 2012 die "Bremse reingehauen" habe, gebe die neue Regierung nun wieder Gas. Im zweitwichtigsten Exportmarkt USA hoffen die Maschinenbauer zudem auf eine industrielle Renaissance. Das Land erlebe eine Re-Industriealisierung, befeuert von extrem niedrigen Energiepreisen, sagt Lindner.

 

    Viele Kunden in den USA erneuerten daher ihre veralteten Maschinenparks. Das schlägt sich bereits nieder: Die Exporte der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer in die USA schnellten 2012 um mehr als ein Fünftel nach oben.

 

    An dem aktuellen Krisengerede will sich der Verbandspräsident - selbst Unternehmer eines Nadel-Herstellers im schwäbischen Albstadt - nicht beteiligen. Im Gegenteil. Weil die Psychologie so wichtig und der Herdentrieb gefährlich seien, lehnt Lindner etwa die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes ab: "Warum sollten wir jetzt wieder auf Krisenmodus schalten, wenn wir nicht mal in sichtbarer Nähe der Krise sind. Wir halten das für ein falsches Signal im Moment."/hqs/stb/zb

 

    --- Von Stefan Bauer, dpa-AFX und Harald Schmidt, dpa ---

 

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