03.12.2012 10:42
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HOMANN HOLZWERKSTOFFE-Interview: Umsatzwachstum von 50% bei etwa gleichbleibenden Ertragsmargen avisiert

Herzberg am Harz (www.aktiencheck.de) - Die HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH ist einer der führenden europäischen Anbieter von dünnen, veredelten Holzfaserplatten für die Möbel-, Türen-, Beschichtungs- und Automobilindustrie. Die unternehmerischen Wurzeln gehen zurück auf das Jahr 1876. Die von Fritz Homann geführte Unternehmensgruppe hat sich zu einem führenden Hersteller von dünnen, hochveredelten, mitteldichten Holzfaserplatten (MDF) und hochdichten Holzfaserplatten (HDF) für die Möbel-, Türen-, Beschichtungs- und Automobilindustrie entwickelt. Dabei deckt das Unternehmen den Fertigungsprozess entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Produktion von dünnen, veredelten Holzwerkstoffen ab.

Ab dem 03. Dezember 2012 konnten private und institutionelle Investoren die Unternehmensanleihe (ISIN DE000A1R0VD4/ WKN A1R0VD) der HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH zeichnen. Bereits heute, am ersten Zeichnungstag, wurde die Angebotsfrist um 10:00 Uhr aufgrund der starken Nachfrage beendet. Die Anleihe bietet Anlegern über eine Laufzeit von fünf Jahren einen festen Zinssatz von 7,0% p. a. Die Zinszahlung erfolgt jährlich. Das Emissionsvolumen umfasst bis zu 50 Mio. Euro mit einer privatanlegerfreundlichen Stückelung von 1.000 Euro.

aktiencheck.de führte das folgende Interview mit Fritz Homann, Geschäftsführer der HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH.

aktiencheck.de: Mit Ihren Produkten beliefern Sie vor allem die Möbel-, Türen-, Beschichtungs- und Automobilindustrie. Wie verteilen sich die Umsätze auf die jeweiligen Branchen?

Herr Homann: Im Geschäftsbereich Holzfaserplatten haben wir rund 1.200 aktive Kunden. Davon stammen ca. 80% aus der Möbel-, Türen- und Beschichtungsindustrie.

aktiencheck.de: Der für Ihre Produktion wichtigste Rohstoff ist natürlich Holz. Wie gewährleisten Sie die Rohstoffsicherung und inwieweit ist Ihr Unternehmen von Schwankungen der Holzpreise tangiert?

Herr Homann: Bei der Wahl unserer Produktionsstandorte haben wir die Verfügbarkeit des Rohstoffs Holz in den Vordergrund gestellt. Wir verfügen an unserem Standort in Losheim am See über langfristige Lieferantenbeziehungen und beziehen an unseren polnischen Standorten das notwendige Holz direkt durch den polnischen Staat bzw. von umliegenden polnischen Sägewerken. Die unterjährigen Preisschwankungen belaufen sich auf bis zu 20% und betreffen natürlich auch unser Unternehmen. Wir operieren mit einem Holzbestand von rund zwei Monaten, so dass wir eine entsprechende Planungssicherheit haben. Aufgrund unserer Marktstellung ist es uns in der Regel zeitversetzt möglich, Preissteigerungen an unsere Kunden weiterzugeben. Bei Großkunden haben wir auch vertraglich fixierte Anpassungsmechanismen durchgesetzt, die automatisch greifen.

aktiencheck.de: Können Sie uns einen kurzen Überblick über die Entwicklung der wichtigsten Finanzkennzahlen der letzten Jahre geben?

Herr Homann: Im Geschäftsjahr 2011 haben wir eine Gesamtleistung von 182,2 Mio. Euro erzielt und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 17,4 Mio. Euro. Unter Berücksichtigung eines ergebniswirksamen Währungseffekts errechnet sich eine EBITDA-Marge von 12,5%. Auch das erste Halbjahr 2012 verlief sehr zufriedenstellend. Bereinigt um Sondereffekte lag die Gesamtleistung mit 83,0 Mio. Euro nahezu auf Vorjahresniveau, die Ergebniskennzahlen konnten wir aber zum Teil deutlich steigern. So stieg das EBITDA um 18,2% auf 11,6 Mio. Euro.

aktiencheck.de: Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011 erwirtschaftete die HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH bei einem Umsatz von rund 182,2 Mio. Euro ein EBITDA von rund 17,4 Mio. Euro, was einer EBITDA-Marge von ansehnlichen 12,5% entspricht. Denken Sie, dass Sie dieses Margenniveau halten ggf. sogar noch verbessern können?

Herr Homann: Es ist natürlich unser Ziel, unsere Rentabilität zumindest zu halten, wenn nicht sogar zu verbessern. Wir überprüfen unsere Produktions- und Beschaffungsprozesse kontinuierlich auf Optimierungspotential und sind an dieser Stelle zuversichtlich, dass es uns auch in Zukunft gelingt, weitere Fortschritte zu erzielen.

aktiencheck.de: Wie sehen Ihre Zielvorgaben für 2012 und darüber hinaus aus?

Herr Homann: Als Familienunternehmen sind wir sehr zurückhaltend mit kurzfristigen Zielvorgaben. Wir haben aber mittelfristig ein klares Ziel. Das beinhaltet unter anderem, dass wir in den nächsten drei bis fünf Jahren ein Umsatzwachstum von 50% bei etwa gleichbleibenden Ertragsmargen erzielen wollen.

aktiencheck.de: Können Sie uns kurz Auskunft über die aktuelle Liquiditätslage und Ihre künftige Wachstumsstrategie geben?

Herr Homann: Unsere Halbjahreszahlen zum 30. Juni 2012 weisen liquide Mittel in Höhe von 16,5 Mio. Euro und eine EK-Quote von 23% aus. Unsere Wachstumsstrategie basiert im Wesentlichen auf drei Bausteinen: Wir wollen unsere Marktposition weiter stärken, indem wir unsere Internationalisierung vorantreiben sowie unsere Kundenbasis und unser Produktportfolios zunehmend ausweiten. Dabei denken wir an Russland und den Balkan, aber ebenso an westeuropäische Länder, wie Frankreich, Spanien und Großbritannien. Der zweite Baustein ist eine Erweiterung im Bereich Holzfaserplatten (MDF/HDF), insbesondere durch die Erhöhung des Veredelungsgrades und der Veredelungsmöglichkeiten. Und der dritte Baustein ist der Ausbau unserer Marktposition durch gezielte Akquisitionen und organisches Wachstum. Die Stichwörter sind hier Ausbau der Kapazitäten, des Portfolios sowie des geografischen Vertriebsnetzes.

aktiencheck.de: Mit Pfleiderer geriert zuletzt ein prominentes Unternehmen aus Ihrer Branche in Schieflage. Was machen Sie besser als Pfleiderer und wie hat sich die Abwicklung des Konkurrenten auf die europäische Holzindustrie ausgewirkt?

Herr Homann: Die Beurteilung, was wir besser machen, überlasse ich gerne anderen. Wir konzentrieren uns auf unser operatives Geschäft und unsere Stärken. Dazu zählen wir unsere Marktführerschaft im Nischensegment der dünnen HDF-Holzfaserplatten sowie unsere Innovationskraft und modernen Technologien. Genauso zeichnen uns unsere Flexibilität durch die Standortdiversifikation, eine hohe Produktqualität und Kundenbindung sowie eine niedrige Reklamationsrate aus. Darüber hinaus decken wir die gesamte Wertschöpfungskette ab. In dieser Rolle als familiengeführtes, international tätiges Unternehmen mit einem starken F&E-Fokus fühlen wir uns sehr wohl.

aktiencheck.de: Aktuell fertigen Sie Ihre Produkte in Ihren beiden Werken in Polen und in dem deutschen Werk in Losheim. Gibt es bereits Pläne für neue Produktionsstandorte, auch außerhalb Europas?

Herr Homann: Nein, derzeit gibt es keine schon spruchreif konkretisierten Pläne für neue Standorte. Gleichwohl ist die Internationalisierung natürlich für uns ein Thema. Sollten sich daraus Beziehungen zu weiteren Großkunden ergeben, werden wir sehr genau prüfen, ob es Sinn macht, auch mit einem Produktionsstandort vor Ort vertreten zu sein.

aktiencheck.de: Aufgrund der anhaltenden Euro-Schuldenkrise und der strengeren Kern-Kapitalanforderungen für die Banken ist die Kreditvergabe immer restriktiver geworden. Welche Auswirkungen hat dieser Umstand auf Ihr Liquiditätsmanagement?

Herr Homann: Wir arbeiten mit unserem Bankenkonsortium schon sehr lange und sehr vertrauensvoll zusammen. Dass soll auch in Zukunft so bleiben. Gleichzeitig nutzen wir einen breiten Mix für unsere Finanzierung und erweitern den Kreis der genutzten Finanzierungsinstrumente mit unserer Anleihe jetzt sogar. Daraus ergibt sich eine gewisse Unabhängigkeit von einzelnen Trends, die uns sehr entgegenkommt.

aktiencheck.de: Ihr Unternehmen wurde bereits vor über 100 Jahren gegründet. Warum haben Sie sich erst jetzt dazu entschieden, den Kapitalmarkt "anzuzapfen"?

Herr Homann: Wir sind ein Familienunternehmen in 4. Generation und als solches versuchen wir zwar stets, sich bietende Chancen zu ergreifen, aber gleichzeitig auch unsere Solidität zu bewahren. In unserer 136-jährigen Tradition waren die Rahmenbedingungen für den Schritt an den Kapitalmarkt noch nie so günstig wie jetzt. Wir finden das Segment für Mittelstandsanleihen sehr attraktiv, aufgrund der etwas höheren Zinsen weniger als solitäre Lösung, sehr wohl aber im Mix mit der klassischen Kreditfinanzierung über Banken - auch oder gerade für uns als familiengeführtes Unternehmen. Deshalb nutzen wir gerne die Möglichkeit, hier unsere Finanzierungsmöglichkeiten zu erweitern.

aktiencheck.de: Ab dem 03. Dezember 2012 können Anleger die HOMANN HOLZWERKSTOFFE-Anleihe (ISIN DE000A1R0VD4/ WKN A1R0VD) zeichnen. Warum sollten Anleger in Ihr Unternehmen investieren?

Herr Homann: Wir bieten unseren Investoren mit einem Kupon von 7% bei einem Investment Grade-Rating von BBB- eine attraktive Kombination. Mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 12,5% sind wir ein rentables Unternehmen, das über eine starke Position im attraktiven Nischenmarkt der dünnen HDF-Platten verfügt und vom allgemeinen Markttrend zu leichten, aber dennoch stabilen Möbeln profitiert. Wir verfügen über eine klare Wachstumsstrategie, so dass wir unsere nachhaltige Unternehmensentwicklung weiter fortsetzen wollen. Und nicht zuletzt stehe auch ich mit meinem Familiennamen und der unternehmerischen Tradition für hohe Verlässlichkeit.

aktiencheck.de: Können Sie kurz darlegen, wie die Mittel aus der Anleiheemission verwendet werden sollen?

Herr Homann: Mit den Erlösen aus der Platzierung unserer Anleihe wollen wir unser weiteres Wachstum vorantreiben. Im Fokus stehen dabei insbesondere Investitionen in den Ausbau und die Modernisierung unseres Veredelungswerks am polnischen Standort in Krosno sowie mögliche Akquisitionen von weiteren Unternehmen und Produktionsstätten, um unsere vorhandenen Kapazitäten weiter auszubauen.

aktiencheck.de: Wie sieht es mit der Besicherung des Bonds für Investoren aus?

Herr Homann: Der Bond ist nicht besichert.

aktiencheck.de: Eine vollständige Zeichnung unterstellt, rechnen Sie in den kommenden Jahren mit weiterem Kapitalbedarf?

Herr Homann: Zum jetzigen Zeitpunkt ist ein weiterer Kapitalbedarf nicht absehbar. Wir verfügen über eine komfortable Liquiditätsposition, haben im Geschäftsjahr 2011 einen Cashflow aus der betrieblichen Tätigkeit in Höhe von 11,9 Mio. Euro erwirtschaftet und erhalten jetzt durch die Anleihe zusätzliche Mittel, die unserer Wachstumsstrategie natürlich einen weiteren Schub geben wird.

aktiencheck.de: Gibt es ein Kreditrating für Ihr Unternehmen von einer unabhängigen Ratingagentur?

Herr Homann: Wir verfügen über ein Unternehmensrating von der Creditreform Rating AG aus dem November 2012, das BBB- lautet. Mit diesem Investment Grade-Rating bescheinigt uns die Creditreform Rating AG eine stark befriedigende Bonität.

aktiencheck.de: Wo sehen Sie die HOMANN HOLZWERKSTOFFE GmbH in fünf Jahren?

Herr Homann: Wir wollen unser Unternehmen kontinuierlich weiterentwickeln und unsere Kapazitäten und unsere Produktpalette zielgerichtet ausbauen. In drei bis fünf Jahren werden wir, wie bereits erwähnt, unsere Umsatzerlöse bei etwa gleichbleibenden Ertragsmargen um rund 50% erhöht haben und mit unserer Internationalisierungsstrategie entscheidend voran gekommen sein.

aktiencheck.de: Vielen Dank für das Interview, Herr Homann. (03.12.2012/ac/n/m)

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