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22.01.2013 05:00

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Siemens: Warum die Aktie noch Nachholbedarf hat

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Siemens: Unter Beschuss
Konzernchef Peter ­Löscher steht auf der Hauptversammlung harte Kritik ins Haus. Eine ­Serie von Pannen vernichtete zuletzt Milliardenwerte. Wenigstens das Stammgeschäft mit Kraftwerken läuft offenbar gut.

von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Mitarbeiter in der Münchner Siemens-Zentrale bereiten den Konzernchef in diesen Tagen intensiv auf die Hauptversammlung am 23. Januar vor. Peter Löscher, der den Konzern als Umweltvorreiter präsentieren will, lernt dabei auch Nebenkriegsschauplätze wie das Projekt Belo Monte in Brasilien kennen. Der Verein Urgewald, Teil des Dachverbands Kritischer Aktionäre, will den Staudamm beim Aktionärstreffen als Umweltkatastrophe anprangern, die die Lebensgrundlage Tausender Menschen vernichtet und den Regenwald bedroht.

Das Amazonas-Thema mag mancher Investor als lässliche Sünde sehen. Schließlich geht es um Turbinenaufträge und damit um Profit. Doch davon hat Löscher zum Leidwesen der Anleger zu wenig geliefert — weil teure Pannen passierten.

Für fast 300 Millionen Euro etwa kaufte Siemens 2007 die israelische Solel und baute so das Solargeschäft aus. 2012 schrieb Siemens über 200 Millionen Euro auf Solel ab. Der Sonnenflop ist nicht Löschers einziger Lapsus. Die allzu schnelle Auftragsannahme für die Stromanbindung von Offshore-Windkraftprojekten in der Nordsee vernichtete zuvor schon Milliardenwerte. Womöglich standen Mitarbeiter unter dem Einfluss von Löschers Vorgabe, mittelfristig 100 Milliarden Euro Umsatz zu erreichen. Da gerät die Rendite schon mal aus dem Blick.

Auch das Thema Osram bringt manchen Anleger zur Verzweiflung. Viel zu lange zögerte der Konzern den Börsengang der Lichttechniktochter hinaus. Noch vor zwei Jahren schätzte die Unicredit den Wert auf etwa fünf Milliarden Euro, ein Börsengang hätte die Konzernkasse gut gefüllt. Doch der Boom bei LED-Leuchten wurde verpasst.

Bald werden Aktionären, so sie dem geplanten Spin-off am Mittwoch­ zustimmen, Osram-Aktien ins Depot gebucht. Die Notvariante hat einen Haken: Viele Fonds, etwa solche, die sich auf DAX-Werte konzentrieren, müssen die Papiere verkaufen, der Kurs könnte unter Druck geraten.

Selbst die soeben mit einer Mil­liardenübernahme gestärkte Bahntechnik hat der Chef offenbar nicht im Griff. Die verspätete Auslieferung von ICEs an die Deutsche Bahn schadet dem Image und dürfte über 50 Millionen Euro kosten.

Sparprogramme gestartet
Kostspielige Fehlentscheidungen und konjunktureller Gegenwind drückten die operative Gewinnmarge im Geschäftsjahr 2012 unter zehn Prozent. Noch 2010 sah sich ­Löscher auf Augenhöhe mit Rivalen wie dem US-Konzern General Electric. Jetzt ist Siemens wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen.

Der Österreicher, der nach seinem Amtsantritt 2007 mit einer umfassenden Aufarbeitung der Bestechungs­affäre überzeugte, steht jetzt vor schwierigen operativen Aufgaben. Bis 2014 will Löscher sechs Milliarden Euro einsparen, die Gewinnmarge soll wieder auf zwölf Prozent steigen. Das wird kein Spaziergang, schließlich stottert der globale Konjunkturmotor noch. Zudem wird die Kasse im laufenden Jahr mit etwa ­einer Milliarde Euro belastet.

In besonders konjunktursensiblen Bereichen wie der Automatisierungstechnik rechnen Experten frühestens in der zweiten Jahreshälfte mit einer Erholung. Vorerst profitiert der Konzern von seinem stärksten Gewinnmotor: Das Kraftwerksgeschäft läuft den Analysten von ­JP Morgan zufolge mit Gewinnmargen von rund 17 Prozent.

Was die am Mittwoch ebenfalls anstehenden Quartalszahlen anbelangt, sind Experten vorsichtig. Laut JP Morgan sollen Auftragseingang und Umsatz leicht geschrumpft, der operative Gewinn um neun Prozent gestiegen sein. Damit bliebe der Konzern auf Kurs: Jahresumsatz etwa auf Vorjahres­niveau, operativer Gewinn — exklusive der veranschlagten Restrukturierungskosten — etwas höher. Nennenswerte Umsatz- und ­Gewinnsteigerungen sind mit anziehender Konjunktur im kommenden Geschäftsjahr wieder drin.

ISIN: DE0007236101
Kursziel: 100,00 Euro
Stopp: 75,00 Euro

Bildquellen: Siemens-Pressebild

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