25.12.2012 09:50
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BayWa schraubt am Wachstum

Das süddeutsche Traditionsunternehmen wird international. Vor allem im Agrarbereich kauft der Konzern zahlreiche Unternehmen zu.
Bislang geht das Konzept auf: Die Bayern verbuchen Umsatzsteigerungen und sehen guten Ergebnissen entgegen.

Keine Frage, die sogenannten Tante-Emma-Läden sind beliebt in Deutschland. Die Marktforscher von Dialego haben herausgefunden, dass 94 Prozent der Menschen es begrüßen, dass die Gemischtwarenläden mit Persönlichkeit wieder Dörfer und Stadtteile erobern. Die Popularitätsgründe sind schnell ausgemacht: Die Nähe, die Produktauswahl und Sympathiefaktoren spielen eine Rolle. Im größeren Stil lässt sich dieses Prinzip auf den Erfolg eines süddeutschen Traditionsunternehmens übertragen: Die BayWa AG hat einiges mit einem Gemischtwarenladen gemein. Schon der Firmenname des im MDAX® notierten Konzerns, der sich jeweils aus den ersten beiden Buchstaben von „Bayerische Warenvermittlung“ zusammensetzt, deutet auf die Breite des Angebots hin. Und tatsächlich: Das Sortiment umfasst vielfältige Produkte und Dienstleistungen des Groß- und Einzelhandels in den Bereichen Agrar, Energie und Bau. Damit nicht genug: Die Zeichen stehen auf Wachstum. Der Vorstandsvorsitzende Klaus Josef Lutz, der 2008 bei BayWa das Steuer übernommen hat, setzt auf Internationalisierung. Allerdings hat er die Gefahren eines Mischkonzerns erkannt – und so ist ihm wichtig, dass sich der Konzern nicht in alle möglichen Richtungen erweitert. Lutz setzt vielmehr auf den Ausbau der wichtigen Sparten Agrar und Energie. Von unlukrativen Bereichen wie Banken und Autohandel trennte sich das Unternehmen. Bis dato scheint der Kurs richtig: In den ersten neun Monaten 2012 verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von 7,9 Milliarden – ein Plus von rund 12,9 Prozent gegenüber dem Zeitraum im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg nur leicht um knapp 2 Prozent auf 125,4 Millionen Euro. Für das Restjahr rechnet das Unternehmen mit weiteren Steigerungen. Lutz verkündete bei Bekanntgabe der Zahlen, er sei zuversichtlich, in diesem Jahr die 150 Millionen EBIT-Marke von 2011 zu überschreiten. Der Aufsichtsrat ist mit Lutz‘ Leistung zufrieden und sprach ihm bereits im August das „uneingeschränkte Vertrauen“ aus. Als Zeichen des Vertrauens verlängerte der Rat seinen Vertrag bis 2017. Und so entwickelt sich BayWa unter Lutz durch taktische Zukäufe in den Kerngeschäftssparten mehr und mehr zu einem globalen Player.

Ausbau im Agrarsektor

Vor allem im Agrarbereich möchte das derzeit 17.000 Mitarbeiter starke Unternehmen wachsen. Das soll helfen, um für den zunehmenden Wettbewerbsdruck durch die internationale Konsolidierung sowie die wachsende Nachfrage in Asien und Afrika gewappnet zu sein. Zudem will BayWa sich den Zugang zu Rohstoffen in Südamerika und Osteuropa sichern. Ein wichtiger Schritt für die Umsetzung dieser Strategie ist die Übernahme der beiden Getreidehändler Bohnhorst und Cefetra BV. Als Mehrheitseigner an Bohnhorst erhält BayWa Zugang zu den wichtigsten Wasserstraßen in Deutschland und der Ostsee, denn das norddeutsche Agrarunternehmen hat über eigene Ostseehäfen Zugang zu den osteuropäischen Märkten. Das niederländische Unternehmen Cefetra besitzt Lager- und Hafenstandorte in West- und Osteuropa. Mit der Übernahme geht eine bessere Positionierung auf den Märkten Osteuropas einher. Falls die Kartellbehörden ihre Zustimmung geben, werden die beiden Transaktionen zum 1. Januar 2013 abgeschlossen sein. „Wir haben mit diesen Akquisitionen einen Meilenstein im internationalen Ausbau eines unserer Kerngeschäfte erreicht“, freut sich der BayWa-Vorstandsvorsitzende Lutz. Durch die Zukäufe erhöht sich der Konzernumsatz nach internen Schätzungen auf mindestens 15 Milliarden Euro.

Dass die BayWa AG mit ihrer Akquisestrategie bis jetzt ein gutes Händchen bewiesen hat, zeigt die Übernahme des neuseeländischen Obsthändlers Turners & Growers (T&G) im Frühjahr. Zum einen ist BayWa nun in der Lage, ganzjährig Groß- und Einzelhändlern ein breites Obstspektrum anzubieten. Zum anderen hat der bayerische Konzern neue Märkte erschlossen – vor allem den asiatischen Markt, der derzeit stark wächst. Der Umsatz in der Obstsparte erhöhte sich in den ersten neun Monaten 2012 von knapp 100 Millionen Euro auf über 350 Millionen Euro.

Energieschub fürs Geschäft

Auch im Segment Agrartechnik ist der Konzern erfolgreich. Hierunter fällt der Verkauf landwirtschaftlicher Maschinen. Zudem hat BayWa in diesem Jahr sein Servicegeschäft ausgebaut. In den ersten drei Quartalen stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,5 Prozent auf 941,6 Milionen Euro. Grund für die Steigerung sind zahlreiche Aufträge von 2011, die im ersten Halbjahr abgearbeitet wurden. Aufgrund von strategischen Investitionen, die die Wettbewerbsfähigkeit stärken sollen, verringerte sich das EBIT leicht von 17,4 Millionen Euro in den ersten neun Monaten 2011 auf 16,6 Millionen Euro im gleichen Zeitraum dieses Jahres. Die zweite gewinnbringende Säule neben dem Agrarsektor ist das Energiesegment. Hier bietet der Konzern Rundumlösungen für heimische Photovoltaikanlagen und Holzpellet-Heizungen an. Sogar Ökostrom hat das Unternehmen im Sortiment. Kein Wunder, dass BayWa kräftig von der Energiewende profitiert, die die Bundesregierung Mitte 2011 eingeläutet hat. So erlebte der Konzern einen regelrechten Nachfrageboom bei Solarmodulen. Diese sind nicht nur in Deutschland begehrt, auch in den USA läuft das Geschäft. Somit erhöhte sich der Umsatz um 28,6 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Vorstandsvorsitzende Lutz freut sich darüber, dass der Bundestag endlich eine gesetzliche Grundlage geschaffen hat, mit der BayWa für das kommende Jahr planen kann: „Bei den erneuerbaren Energien gehen wir davon aus, dass angesichts einer besseren Planungssicherheit durch das endlich verabschiedete Einspeisegesetz die Kunden weiterhin in Solarmodule investieren werden. “Auch in den Bereichen Windenergie und Biogas beurteilt der BayWa-Chef das Umfeld als positiv. Das dritte große Segment von BayWa, Bau, ist ein Beleg dafür, dass sich der Konzern auf seine Kernbereiche konzentriert. So hat das Unternehmen seine Bau- und Gartenmärkte zum 1. Januar 2012 in eine neue Gesellschaft ausgegliedert und fokussiert sich im Wesentlichen auf den Handel mit Baustoffen. In diesem Bereich stieg der Umsatz um 17,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Quelle: onemarkets Magazin HypoVereinsbank, Dezember 2012/Januar 2013

Die Zeichen stehen gut

Aufgrund der positiven Aussichten bei Agrar und Energie sehen viele Aktienexperten die BayWa AG als ein lohnendes Investment und stufen ihr Papier auf „Kaufen“ ein. Die Close Brother Seydler Research AG etwa geht in einer aktuellen Analyse davon aus, dass sich der Absatz im Agrarsegment dank der Firmenzukäufe verdoppeln könnte. Der Gesamtabsatz der Unternehmens dürfte sich laut den Experten um 50 Prozent erhöhen. Für Anleger, die auf den bayerischen Traditionskonzern setzen wollen, stellen sich zwei zentrale Fragen: Erstens, wie viel Potenzial sie der BayWa-Aktie zutrauen, und zweitens, wie risikobereit sie sind. Für spekulativ orientierte Anleger, die davon ausgehen, dass der Aktienkurs der BayWa AG stark ansteigen wird, bieten sich zum Beispiel Call-Optionsscheine an. Mit diesen Papieren haben sie die Chance, bis zum Ende der Laufzeit überproportional von Kursgewinnen zu profitieren. Denn sie steigen mit einem im Vergleich zum Direktinvestment deutlich geringeren Kapitaleinsatz ein. Geht die Strategie allerdings nicht auf und notiert die Aktie am Fälligkeitstag auf oder unter dem Basispreis, verfällt der Optionsschein wertlos und es droht ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Für Anleger, die darauf setzen möchten, dass der Aktienkurs moderat steigt oder seitwärts tendiert, kann sich ein Discount Zertifikat auf die Aktie der BayWa AG eignen. Sie erwerben das Wertpapier unter dem Aktienwert. Im Gegenzug für den Abschlag (Discount) nimmt der Anleger an der Kursentwicklung des Basiswertes nur bis zum Cap teil. Notiert der Referenzpreis am Laufzeitende auf oder oberhalb des Caps, erhalten Anleger den maximalen Rückzahlungsbetrag. Liegt der Referenzpreis unter dem Cap, erfolgt eine Rückzahlung durch Lieferung von BayWa-Aktien, dem Bezugsverhältnis entsprechend. Verluste sind möglich. Anleger sollten bedenken, dass Discount-Zertifikate und Optionsscheine Inhaberschuldverschreibungen sind. Bei einer Insolvenz der Emittentin droht ein Verlust bis hin zum Totalverlust.

Dominik Auricht befasst sich im Bereich Corporate & Investment Banking der UniCredit mit der strategischen Entwicklung von strukturierten Anlageprodukten unter der Marke HypoVereinsbank onemarkets: Zertifikate, Anleihen und Fonds. www.onemarkets.de
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05.02.2007BayWa sellHypoVereinsbank
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