DUISBURG (Dow Jones)--Der zuletzt umstrittene Chef des Metro-Großaktionärs Haniel, Jürgen Kluge, hat jetzt auch bei dem Duisburger Familienkonzern das Handtuch geworfen. Kluge werde seinen Ende Dezember kommenden Jahres auslaufenden Vertrag nicht verlängern, sagte ein Sprecher Dow Jones Newswires am Mittwoch. Er werde seinen Vertrag solange erfüllen, bis ein Nachfolger gefunden sei.
Kluge ist damit zum Opfer seines glücklosen Agierens bei der wichtigsten Haniel-Beteiligung, dem Handelskonzern Metro, geworden. "Der Vorstand hat die Kontrolle über das wichtigste Asset des Unternehmens verloren", gab Kluge gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe) zu.
So war die Vertragsverlängerung des Metro-Chefs Eckhard Cordes zum Desaster geraten. Nach öffentlichen Querelen hatte Cordes seinen Rückzug verkündet und erklärt, für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Cordes hatte dabei eine mangelnde Vertrauensbasis beklagt. Der Schritt kam für viele zu diesem Zeitpunkt überraschend: Die Großaktionäre, die Familie Schmidt-Ruthenbeck sowie Haniel, hatten sich nach langem Zögern erst kurz zuvor hinter Cordes gestellt und eine Verlängerung befürwortet.
Im Aufsichtsrat hatte sich jedoch eine starke Front gegen eine Verlängerung aufgebaut. Kluge hatte daraufhin seinen Rücktritt als Metro-Aufsichsratschef verkündet. Aus dem Metro-Aufsichtsrat ausscheiden und Chef bei Haniel bleiben, sei für ihn ein schlechter Kompromiss, sagte Kluge zu seinem Rücktritt, der kommende Woche den Stab des Metro-Aufsichtsratsvorsitzenden an Franz-Markus Haniel übergeben wird.
Der gesamte Prozess um die Vertragsverlängerung sei "schlecht gelaufen", erklärte der Manager nun, der erst 2010 von der Beratungsgesellschaft McKinsey an die Ruhr gewechselt ist. Ein neuer Metro-Chef soll spätestens in der Dezember-Aufsichtsratssitzung fallen, möglicherweise sogar schon in der nächsten Sitzung am 18. November. Als Favoriten werden dabei Metro-Vorstandsmitglied Joel Saveuse sowie Finanzvorstand Olaf Koch gehandelt.
Kluge hatte bei seinem Amtsantritt den Duisburger Familienkonzern umkrempeln wollen, dessen Entwicklung in erheblichen Maße von den Beteiligungen an der METRO sowie dem Pharmahändler Celesio abhängt. Haniel hält mehr als 30% an Metro sowie die Mehrheit an Celesio.
Diese Abhängigkeit wollte Kluge durch den Aufbau neuer Geschäftsfelder verringern. Dafür brauchte er jedoch Geld - Geld, das der hoch verschuldete Haniel-Konzern nicht hat. Da auch der von Metro-Chef Cordes geplante Verkauf der Warenhauskette Kaufhof oder der von den SB-Warenhäusern Real nicht vorankam und Geld in die Haniel-Kassen spülte, blieb es nur bei Ankündigungen.
Kluge fiel in der Öffentlichkeit nicht nur im Zusammenhang mit Metro, sondern auch bei Celesio mit ungeschicktem Agieren auf. Vor den Querelen bei Metro verstrickte er sich in einen öffentlichen Machtkampf mit Celesio-Chef Fritz Oesterle, dessen Strategie er in Frage stellte. Aus diesem Streit ging Kluge zwar als Sieger hervor, Oesterle verkündete im Frühjahr seinen Rücktritt. Gut getan hatte die Auseinandersetzung Kluges Ansehen angesichts der öffentlichen Schlammschlacht jedoch nicht.
-Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires,
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November 09, 2011 11:31 ET (16:31 GMT)
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