Von Jörn Rehren und Ulrike Dauer
WALL STREET JOURNAL DEUTSCHLAND
HANNOVER (Dow Jones)--Naturkatastrophen haben die Rückversicherer im vergangenen Jahr massiv gebeutelt. Die Aktionäre von Hannover Rück sollen darunter aber nicht leiden. Vorstandschef Ulrich Wallin will die Ausschüttungsquote erhöhen und mindestens 2 Euro Dividende zahlen. Damit bleibt sie auf Vorjahresniveau.
"Das Ergebnis ist zwar schlechter als 2009 und 2010, aber unter Berücksichtigung der immensen Schadenslast sind wir relativ robust durch das Jahr gekommen", sagte Wallin in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland (wsj.de). Die Eigenkapitalausstattung sei so gut wie nie zuvor, sagte 57-Jährige, der seit zweieinhalb Jahren an der Spitze der Hannover Rück steht. Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Die Ausschüttungsquote wird über den bisher üblichen 35 bis 40 Prozent liegen.
"Eine zwei sollte schon vor dem Komma stehen", sagte Wallin zur Höhe der Dividende. Viel mehr werde es nicht sein, aber dies passe gut in die Reihe der vergangenen Jahre. Für 2009 und 2010 hatte der MDAX-Konzern Dividenden von 2,10 und 2,30 Euro je Aktie gezahlt. Allerdings lag mit 734 und 749 Millionen Euro auch der Konzernüberschuss in beiden Jahren deutlich höher als er 2011 ausfallen wird. Im abgelaufenen Jahr sei das Gewinnziel von mindestens 500 Millionen Euro erreicht worden, so Wallin. In Hannover dürfte der Einbruch damit wesentlich geringer ausgefallen sein als beim Branchenprimus Munich Re.
Hannover Rück ist nach Prämienaufkommen der drittgrößte Rückversicherer weltweit. 2011 war von etlichen Schwerst-Katastrophen und gewaltigen Schadenssummen geprägt: Angefangen beim Erdbeben in Japan mit anschließendem Tsunami über weitere Erdbeben in Neuseeland, Überschwemmungen in Australien bis zu der verheerenden Tornadoserie und dem Hurrikan Irene in den USA beliefen sich allein die Schäden für die Hannover Rück nach neun Monaten auf 743 Millionen Euro.
Im Herbst kam noch die Flutkatastrophe in Thailand dazu, die Wallin zufolge Schäden von mehr als 100 Millionen Euro verursacht hat. Damit dürfte die jüngste Schadenbilanz rund ein Drittel höher ausfallen als 2010 und die von 2009 sogar um weit mehr als das Dreifache übertreffen. Lediglich 2005, als unter anderem Hurrikan Katrina in den USA wütete, fielen die Schäden noch höher aus: Mehr als eine Milliarde Euro verbuchte die Hannover Rück seinerzeit.
Für 2012 ist Wallin im Kerngeschäft Rückversicherung positiv gestimmt, auch wenn er sich keine konkreten Prognosen entlocken lässt. "Die Nachfrage ist stabil bis steigend und auch das Wettbewerbsumfeld ist diszipliniert."
Die Erneuerungsrunde zum Jahresauftakt, bei der branchenweit Verträge zwischen Erst- und Rückversicherern abgeschlossen werden, sei etwas besser gelaufen als 2011. "Im Schnitt haben wir Preissteigerungen von 3 bis 8 Prozent durchsetzen können", sagte der Hannover-Rück-Chef. Auch für die nächste Runde zum 1. April ist er optimistisch. Wie zuletzt sei die Entwicklung stark von vorherigen Schäden getrieben. Substanzielle Ratenerhöhungen im Sachgeschäft gab es nur in Gebieten, die von Katastrophen betroffen waren.
In Australien etwa seien im Bereich Sachkatastrophen Ratensteigerungen von rund 60 Prozent durchgesetzt worden. Erhöhungen im unteren zweistelligen Bereich gab es in den USA, während es in Europa um zwei bis acht Prozent nach oben ging. Abschläge von fünf Prozent hätten sie dagegen im Luftfahrtbereich hinnehmen müssen, der im vergangenen Jahr praktisch schadenfrei gewesen sei, sagte Wallin. Dieses Geschäft sei dennoch attraktiv, weshalb die Hannover Rück hier ihre führende Marktposition verteidigt habe.
Positiv entwickelt sich auch die Finanzrückversicherung. "Wegen der Finanzkrise hat es vor allem aus Südeuropa starkes Interesse an kapitalentlastenden Rückversicherungen gegeben", so Wallin, der sich auch über steigende Margen in diesem Bereich freute. Die anstehende Einführung strengerer Kapitalvorschriften für Versicherer verspricht weiteres Wachstum.
"Insgesamt haben wir für 2012 ein etwas besseres, attraktiveres Portfolio", resümierte der Vorstandsvorsitzende. Auch das Geschäftsvolumen habe zugenommen. "Damit sind wir bei möglichen Katastrophen aber auch stärker exponiert", erklärte Wallin. Das Großschadenbudget für 2012 wurde deshalb im Vergleich zum Vorjahr von 530 auf 600 Millionen Euro ausgeweitet.
Die konjunkturelle Abschwächung in Europa werde sich nicht substanziell auf das Rückversicherungsgeschäft auswirken. Mit Blick auf die Eurokrise habe man sich schon Anfang 2011 aus griechischen Anleihen sowie aus Aktien zurückgezogen. An seiner Anlagepolitik will Wallin deshalb festhalten.
"Das Aktienumfeld ist weiter volatil, deshalb bleiben wir hier vorsichtig", sagte er. Gegenwärtig sind weniger als 1 Prozent des gut 27 Milliarden Euro schweren Anlageportfolios in Aktien investiert. Griechische Anleihen sind dort gar nicht zu finden. Abschreibungen in Milliardenhöhe wie bei Munich Re und Allianz sind der Hannover Rück deshalb im Vorjahr erspart geblieben.
Bei Staatsanleihen aus den von der Schuldenkrise stärker betroffenen EU-Ländern Italien, Irland und Portugal hat sich die Hannover Rück ebenfalls sehr zurückgehalten. Lediglich ihr Engagement in spanischen Anleihen hat sie zuletzt auf 319 von 166 Millionen Euro ausgeweitet. Wallin begründete das mit der vergleichsweise niedrigen Gesamtverschuldung in Spanien und den Fortschritten der neuen Regierung, die Probleme in den Griff zu bekommen. Vorsichtig bleibt er aber doch: Eine weitere Aufstockung sei nicht geplant.
Im Übrigen schichte man zugunsten von Unternehmensanleihen, Pfandbriefen und Immobilien um. Bei den Unternehmensanleihen bauten sie Bankenpapiere tendenziell ab und kauften stattdessen Industrietitel. Erstere machen aber noch immer rund 2,7 Milliarden Euro und damit rund 75 Prozent aller Unternehmens-Bonds im Portfolio aus. Sorgen bereitet dieser Umstand Wallin nicht. "Wir meiden Banken, die in der Schuldenkrise besonders exponiert sind", sagte er, ohne Namen zu nennen. Zudem seien die Risiken breit gestreut. "Bei keiner einzelnen Bank sind wir stärker als mit 38 Millionen Euro engagiert."
2011 lief die Kapitalanlage für sein Haus erfolgreich. Die angestrebte Rendite von 3,5 Prozent wurde übertroffen, auch weil Abschreibungen vermieden wurden. 2012 peilt Wallin erneut eine Rendite in dieser Größenordnung an - trotz der nach wie vor angespannten Lage.
-Von Jörn Rehren und Ulrike Dauer, Wall Street Journal Deutschland;
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January 18, 2012 02:30 ET (07:30 GMT)
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